Serie „Hunde im Dienst“

Diabetikerwarnhund: Eine Nase für den Unterzucker

Serie Assistenzhunde Diabeteswarnhund-Ausbildung im Hundezentrum Siegerland in Burbach. Hund Quincy und Frauchen Heike Rothauge absolvieren ihre Prüfung.

Serie Assistenzhunde Diabeteswarnhund-Ausbildung im Hundezentrum Siegerland in Burbach. Hund Quincy und Frauchen Heike Rothauge absolvieren ihre Prüfung.

Foto: Jennifer Wirth

Burbach.   Hund Quincy absolviert mit Frauchen Heike Rothauge die Prüfung zum Assistenzhund in dem Hundezentrum Siegerland, Burbach.

Aufgeregt steht Familie Rothauge vor dem Hundezentrum in Burbach. Hund Quincy blickt seine Familie treu an. Rund um die Uhr passt er auf sein Frauchen auf. Denn Heike Rothauge leidet an Diabetes Typ I.

Der Mini Australian Shepherd hat gelernt anzuzeigen, wenn Heike Rothauges Blutzuckerspiegel nach unten abrutscht. Heute soll er in einer Generalprobe beweisen, dass er seinen Job gut beherrscht. Was die Familie nicht weiß: Die Probe ist nur ein Vorwand – die Prüfung echt.

Teil 1: Teamfähigkeit

Die Prüferinnen Kirsten Cadow und Gabi Suhr machen sich mit Heike Rothauge, Quincy und einigen Helfern auf den Weg in eine Halle für den ersten Teil der Prüfung. Dort befindet sich ein Parcours, den das Team noch nie zuvor gesehen hat. „Hier testen wir die Teamfähigkeit und schauen, wie gut sie aufeinander eingespielt sind“, sagt Gabi Suhr. Das ist wichtig, da das Tier in jeder Situation aufgeschlossen sein muss, um Assistenzhund werden zu können. Wenn Quincy besteht, bekommt er eine Kenndecke und einen Ausweis.

Diabeteswarnhund in Burbach

Heike Rothauge und ihr Hund Quincy absolvieren die Prüfung zum Diabetikerwarnhund in Burbach. Die Prüfung ist in zwei Teile aufgeteilt: Grundgehormsam und das Erkennen und Anzeigen der Unterzuckerung. Video: Jennifer Wirth
Prüfung mit Warnhund Quincy
Jennifer Wirth

Es liegt Folie auf dem Boden, die Quincy überqueren muss – ohne Angst zu zeigen. Das klappt. Heike Rothauge ist stolz. Dann muss das Tier in eine Wanne springen, sich ablegen und warten, bis Heike Rothauge ihn auffordert, zu kommen. Auch das funktioniert einwandfrei. „Sie achtet sehr auf ihn, ist aber ziemlich aufgeregt“, sagt Gabi Suhr, die auf einem Klemmbrett Notizen macht.

Dann der erste Dämpfer. Quincy ist abgelenkt und läuft nicht gut zwischen den Pylonen hindurch. Und dann das: „Quincy! Nein! Nicht das Bein heben“, ruft Heike Rothauge noch...zu spät. Doch es bleibt bei einem Fauxpas – zwei sind erlaubt. Rollwagen- und Tunnelübung absolviert das zwei Jahre alte Männchen auf Anhieb.

Dem Hundekeks widerstehen

„Sie trainieren seit Januar 2015 zusammen. Der Diabetiker-Teil war schnell da. Doch der Grundgehorsam hat wegen der Unsicherheit von Heike länger gedauert“, erklärt Gabi Suhr. „Wenn es ihr schlecht ging, hat er Leute auf Abstand gehalten. Doch man muss dem Hund die Verantwortung nehmen, damit er ruhig ist.“ Draußen wird es spannend. Kinderwagen, Wanderstöcke, ein Auto und andere Hunde: All das muss Quincy ignorieren und nur auf sein Frauchen achten. Das Fiese: Im Kinderwagen hat Kirsten Cadow einen Hundekeks versteckt. Doch Quincy schlägt sich auch hier vorbildlich.

Teil 2: Unterzucker riechen

Im Hundezentrum geht es mit dem zweiten Prüfungsteil weiter. „Das ist das wichtigste. Wir überprüfen, ob er die Hypoglykämie riecht oder ob Frauchen Tipps gibt. Er muss das selbstständig anzeigen“, sagt Kirsten Cadow.

Schritt für Schritt wurde Quincy im Training beigebracht, die Unterzuckerung anzuzeigen. Das passiert mit Geruchsproben, viel Geduld und positiver Bestärkung. Sobald seine Bezugsperson von dem normalen Wert abrutscht, hat Quincy die Aufgabe, Heike Rothauge am Bein zu kratzen. „Dann soll er Manfred holen und ihn mir auf den Schoß legen“, erzählt die Frau. Manfred ist ein grüner Notfallbeutel, in dem sich Gummibären befinden. Abschließend soll er eine Funkklingel betätigen, damit beispielsweise in der Nacht auch Heikes Mann, Axel Rothauge, Bescheid weiß.

Den Notfallbeutel bringen

Und nun muss Quincy das vor rund zehn Menschen demonstrieren. Zukünftige Trainer beobachten die Szene. Heike Rothauge betritt den Prüfungsraum und Quincy beobachtet sie ganz genau. Sie hat sich umgezogen, trägt einen Pulli, den sie bei einer Unterzuckerung getragen hatte.

Es dauert nicht lange bis das Tier sein Frauchen am Bein kratzt. „Jetzt ignorieren sie ihn mal und stellen sich doof“, lautet die Anweisung von Kirsten Cadow. Quincy wird immer energischer: Er kratzt weiter und fiept. Normalerweise würde Heike Rothauge ihn loben und reagieren. Dass sie heute so anders handelt, scheint das Tier zu irritieren. „Was fehlt noch?“, fragt sie ihn. Und der Mini Australian Shepherd holt den Notfallbeutel, der die Form einer Raupe hat, und legt ihn der Frau in die Hände.

Die Funkklingel drücken

Frauchen blickt ihn weiter an. „Was fehlt noch?“ Das Tier ist aufgeregt, läuft durch den Raum. Bei zwei weiteren Personen zeigt er an. Es sind erschwerte Bedingungen, denn einer der Anwesenden ist ebenfalls Diabetiker und hatte kurz vor der Prüfung einen niedrigen Wert. Das riecht. Vorbildlich bemerkt Quincy auch, dass eine Frau zuvor eine Probe angefasst hatte. Dann kehrt er zu Frauchen zurück. „Was fehlt noch?“ Nach einen kurzen Hinweis flitzt der Hund los und drück mit der Pfote auf einen gelben großen Smiley. Es klingelt. Die Freude ist groß. Belohnung.

„Herzlichen Glückwunsch, ihr habt Level eins bestanden“, sagt Kirsten Cadow nach kurzer Beratung und sorgt dafür, dass Heike Rothauge ungläubig guckt. „Wir haben uns entschieden, dass es keine Generalprobe ist, sondern deine echte Prüfung. Das war eine ganz tolle Teamleistung.“ Quincy habe „total bravourös“ angezeigt und wurde massiver, als Heike nicht reagierte. „Juhuuuu. Ah, super“, freut sich Heike Rothauge und knuddelt ihren Liebling.

Das selbstständige Bringen des Beutels und Läuten der Klingel muss er noch üben, um auch Level zwei und drei zu bestehen. „Dafür brauche ich kein Papier. Zu Hause kann er das ganz toll“, so Rothauge.

>>>> INFO: Hund entlastet die Familie

„Quincy erkennt auch eine Überzuckerung ohne extra Training“, sagt Axel Rothauge. Nach einer Unterzuckerung müsse sich seine Frau immer umziehen – wegen des Geruchs. „Es ist schon wesentlich entspannter mit ihm. Vor allem nachts soll er aufpassen, wenn ich schlafe.“

Quincy wurde extra für den Job angeschafft. „Er erkennt es immer sehr früh, sodass es nicht zum Ernstfall kommt.“

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