Zukunftsfähigkeit

Die Burbach-Initiative: Stadtentwicklung für alle Ortsteile

Im Rathaus laufen die Fäden zusammen. Die Verwaltung unterstützt bei der Entwicklung von Projekten – und beispielsweise auch beim Stellen der Förderanträge

Im Rathaus laufen die Fäden zusammen. Die Verwaltung unterstützt bei der Entwicklung von Projekten – und beispielsweise auch beim Stellen der Förderanträge

Foto: Hendrik Schulz

Burbach.   „Lebenswerte Dörfer“ heißt das Konzept, mit dem sich Gemeinde in Sachen Demografie, Digitalisierung und Klimawandel zukunftsfähig aufstellen will

„Wie gehen wir mit dem Demografischen Wandel um, mit der Digitalisierung, dem Klimawandel, der Individualisierung?“ Das sind die Kernfragen, die Bürgermeister Christoph Ewers umreißt und denen sich seine Verwaltung widmet, um die Gemeinde zukunftsfähig aufzustellen. „Lebenswerte Dörfer – die Burbach-Initiative“ heißt das Konzept: Alle Ortsteile sollen profitieren, nicht nur der Kernort.

Konzept

Kern: In langen Linien denken und alle Beteiligten von Anfang an mitnehmen in den Bereichen

  • Bildung/Kultur/Freizeit/Sport,
  • Wirtschaft/Arbeit,
  • Bauen/Wohnen,
  • Klima/Umwelt
  • Verkehr/Ver- und Entsorgung
  • Soziales/Familie/Senioren
  • Ehrenamtliches Engagement

Zusammen mit der Universität Siegen wurde ein Dorfentwicklungsplan für die Ortschaften erarbeitet, der die vielen Einzelideen zusammenfasst, bündelt und in das Gesamtkonzept integriert – nicht jeder soll sein eigenes Süppchen kochen müssen, bestehende Ideen und neue Ansätze ins Konzept passen. Dafür verlangt die Verwaltung Ideen und Impulse – Fördern und Fordern. Bewilligte Projekte werden realisiert durch Eigeninitiative des Dorfs, kommunale und Fördermittel. „Weniger nach dem Prinzip Gießkanne, das fördert nur Anspruchsdenken“, sagt Ewers. Für große Projekte werden Arbeitskreise im Rathaus gegründet, die dafür sorgen sollen, dass es zügig und günstig über die Bühne geht.

Ausgewählte Bausteine

Baugebiete: Die Förderung gemeindeeigener Baugebiete außerhalb der Ortskerne wurde zurückgefahren, damit die nicht ausbluten („Donut-Effekt“).

Schulen: Sie sind Teil der Gemeinde. Für den Erdkunde- oder Biounterricht bietet die Verwaltung Projekte vor Ort an, „Unterrichtsmaterial aus Burbach für Burbach“, sagt Ewers’ Büroleiter Johannes Werthenbach: Kein ab­straktes, sondern konkretes Lernen im Ort, damit die Schüler eine Bindung entwickeln können. Für den Politikunterricht werden Lehreinheiten im Rathaus angeboten.

Förderprogramme: ILEK, IKEK, IHK und wie sie alle heißen – die Verwaltung hält die Fäden in der Hand. Einerseits sind Dorfprojekte leicht zu entwickeln, weil sie im Rathaus „nur“ ins Burbach-Konzept schauen müssen, um zu sehen, wo etwas andocken kann – andererseits übernimmt die Verwaltung, die eine fachbereichsübergreifende Arbeitsgruppe dafür installiert hat, die Antrags-Bürokratie. „Formulare ausfüllen, Angebote einholen, Aufträge ausschreiben – das ist doch für einen Heimatverein nicht leistbar“, sagt Thomas Leyener, Fachbereich Bauen, Wohnen und Umwelt. Folge: Burbach ist oft schneller im Beantragen als andere (zum Beispiel bei der Alten Vogtei) – ein Vorteil im Rennen um die Landesmittel, die häufig nach dem Windhund-Prinzip verteilt werden.

Ehrenamt: „Wir würdigen das“, sagt Bürgermeister Ewers, denn ohne ginge es in einer kleinen Gemeinde wie Burbach nicht, gerade in Sachen Soziales, Tourismus oder Kultur. Dankeschön-Aktionen wie die längste Tafel des Siegerlands, bei der die Verwaltung die Ehrenamtlichen verpflegt, binden die Engagierten an ihre Tätigkeit und die Gemeinde. „Das schafft eine Verbindung zwischen Rathaus und Bürgern“, sagt Ewers – auch, weil sich die Akteure bei solchen Veranstaltungen persönlich kennenlernen und ein Großteil der Verwaltungsmitarbeiter selbst ehrenamtlich aktiv ist. „Das ist bei Neueinstellungen oft wichtiger als die Note auf dem Zeugnis“, betont Verwaltungschef Ewers. Als Folge davon hat Burbach verlässlich viele Engagierte – für einen Förderverein Landhaus Ilse etwa gibt es bereits einige Interessenten.

Stadtumbau: Die Gemeinde will vorsorgen. Die kleinen Einzelhändler sterben aus, die Konkurrenz des Internets spüren gerade kleine Orte. In der Römerpassage gibt es immer mehr Leerstand. Das Wohnen im Zentrum kann eine neue Rolle spielen – also muss Aufenthaltsqualität gewährleistet sein: Hübsch gestaltete Plätze, Gastronomie, freies WLAN. Nach den Jahren 1988 und 2003 steht bald der dritte Innenstadtumbau an, sagt Thomas Leyener, viele Gebäude hätten bald das entsprechende Alter erreicht. Die Gemeinde kauft gegebenenfalls Häuser im Kernort, um den Stadtumbauprozess in ihrem Sinne steuern zu können. Bei der Gelegenheit soll auch der Mangel an Parkplätzen behoben werden: Neue sollen am Ortsrand entstehen, mit entsprechenden Fußweg-Verbindungen.

Wirtschaft: „Wenn wir unsere Gemeinde attraktiv halten wollen, sind Arbeitsplätze das A und O“, sagt Ewers. 7000 Arbeitsplätze gibt es in Burbach und es gibt einen Einpendler-Überschuss. Damit das so bleibt, will die Verwaltung auch hier den Draht zueinander kurz halten, etwa über die jährliche Ausbildungsmesse oder verschiedene Arbeitskreise mit Unternehmen, etwa zum Thema Klimaschutz.

>>>>INFO: Supermärkte im Kern beleben das Geschäft

Rückblickend habe sich die Entscheidung, Supermärkte in die Ortsmitte zu holen, als richtig erwiesen, sagt Bürgermeister Christoph Ewers: „Das hat den Einzelhandel belebt.“

Die Gemeinde entschied sich damals bewusst dagegen, Gewerbeflächen in Randgebieten zu vermarkten – auch wenn das finanziell die attraktivere Variante gewesen wäre.

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