Fotojournalismus

Die Kehrseite unseres Wohlstands

Ein Arbeiter trägt Ware zu einer der Recycling-Werkstätten. Guiyu beheimatet das größte Elektroschrott-Recyclinggebiet in China, sagt Kai Löffelbein. Dort nehmen täglich tausende von Arbeitern elektronische Altgeräte auseinander.

Ein Arbeiter trägt Ware zu einer der Recycling-Werkstätten. Guiyu beheimatet das größte Elektroschrott-Recyclinggebiet in China, sagt Kai Löffelbein. Dort nehmen täglich tausende von Arbeitern elektronische Altgeräte auseinander.

Foto: Kai Löffelbein

Siegen/Hannover.   Kai Löffelbein dokumentierte die Arbeits- und Lebenswelt der Menschen im südchinesischen Guiyu. Die Reportage „Der Giftschatz im Inneren des Müllbergs“ erschien im Magazin Geo. Dafür ist der Fotograf, 1981 in Siegen geboren, inzwischen lebt er in Hannover, für den CNN Journalist Award nominiert.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Im Mundwinkel klemmt die Zigarette. Das Hemd hat er weggelassen, das Jackett gleich über den nackten Oberkörper gezogen. Der Gesichtsausdruck: eher gequält als entschlossen. Für die Kamera hat er keinen Blick. Der unbekannte chinesische Arbeiter schleppt Elektroschrott – Müll für die einen, Hoffnung auf ein besseres Leben für die anderen.

Kai Löffelbein dokumentierte die Arbeits- und Lebenswelt der Menschen im südchinesischen Guiyu. Die Reportage „Der Giftschatz im Inneren des Müllbergs“ erschien im Magazin Geo. Dafür ist der Fotograf, 1981 in Siegen geboren, inzwischen lebt er in Hannover, für den CNN Journalist Award nominiert.

Fernseher, Rechner, DVD-Player, Radios: In Guiyu landet alles, was für den gemeinen Europäer und US-Amerikaner keinen Wert mehr hat. Eine ganze Region lebt vom Handel und der Verwertung von Elektroschrott. In dunklen Werkstätten hocken Arbeiter – meist Frauen – und lösen mit Brennern Metalle aus Gummi- und Kunststoffisolierungen und von Platinen. Ventilatoren sollen die giftigen Dämpfe ins Freie leiten. Es gibt Familienbetriebe, erzählt Kai Löffelbein, die in geschreddertes Plastik machen. Die verschiedenen Sorten erkennen sie am Geruch – besser gesagt am giftigen Gestank.

Verbotener Handel

Offiziell gibt es diese Art Schrottbranche in China nicht. Schließlich ist es verboten, Elektromüll in Länder zu exportieren, die nicht der OECD angehören. Also wird der Schrott als funktionstüchtig deklariert und verschifft. „Schätzungsweise 30 Prozent der Ware funktioniert“, sagt Kai Löffelbein. Die Kontrollen im Hamburger Hafen – dort begann Löffelbeins Reise auf der Spur der elektrischen Hinterlassenschaften – können bestenfalls stichprobenartig sein.

China war nicht die erste Station des Fotografen in Sachen Wohlstandserbe. Auf einer riesigen Halde unweit der ghanaischen Hauptstadt Accra hielt er den täglichen Kampf um Rohstoffreste fest. Der Lohn: Die Auszeichnung Unicef-Foto des Jahres und der Henri-Nannen-Preis.

Kürzlich ist er in Delhi, in Indien, gewesen. Im Sommer reist er nach Indonesien. Ein Fotobuch soll kommen. Das Thema Wegwerfgesellschaft lässt ihn nicht los: „Ich bin schon ein kleiner Idealist.“ Und zwar einer, der sich auch selbst an dem messen lassen will, was er fordert: ein bewussterer Umgang mit Ressourcen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben