Rothaarbahn

Die Rothaarbahn braucht weniger Halte oder kürzere Strecke

Die Rothaarbahn überquert die Sterzenbacher Straße

Foto: Steffen Schwab

Die Rothaarbahn überquert die Sterzenbacher Straße Foto: Steffen Schwab

Kreuztal/Siegen.   Gutachten nehmen die Verspätungen der Linie unter die Lupe. Ergebnisse: Die Siegstrecke und der Hauptbahnhof Siegen sind überlastet.

Ob der Ärger mit der Rothaarbahn begann, weil die Hessische Landesbahn die Strecke übernahm oder als die Linie über Siegen hinaus bis Betzdorf verlängert wurde, ist Thema in vielen Debatten gewesen. Pendler sind aufs Auto umgestiegen, das Gymnasium Stift Keppel hat sogar seinen Unterrichtsbeginn verlegt. Die einstige Musterschülerin in Sachen Pünktlichkeit ist zur landesweit drittunpünktlichsten Regionalbahn abgestürzt. Jetzt liegen das Ergebnis der Ursachenforschung und ein Paket mit Handlungsempfehlungen vor. Die Beratungsgesellschaften SMA Zürich und Via Consulting Aachen meinen: „Das heutige Fahrplankonzept kann für eine stabile Betriebsführung nicht beibehalten werden.“

Erste Korrekturen

Die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS) berät darüber am Montag, 18. Oktober, ab 18 Uhr im Kreishaus Olpe. Geschäftsführer Günter Padt wird dort noch einmal dafür werben, auf kleine Korrekturen zu setzen:

Dazu gehört der Zeitgewinn, wenn im Bahnhof Siegen nicht mehr gebaut wird, wenn in Hilchenbach die sich dort kreuzenden Züge gleichzeitig einfahren können, wenn in Ferndorf ohne Abbremsen am bald geschlossenen Bahnübergang Aherhammer durchgefahren werden kann – und wenn die Bahn nicht mehr so lange in Kreuztal hält. Letzteres ist bei der minutiösen Begutachtung der Fahrten aufgefallen: Offenbar wird die Schranke an der Siegener Straße zu spät geschlossen.

Die Ursachen

Als entscheidende Ursachen der Verspätungen machen die Gutachter die Überlastung der Siegstrecke und des Siegener Bahnhofs aus – und da spielt neben der Rothaarbahn auch der wichtige Rhein-Sieg-Express (RE 9), auch „rsx“ genannt, eine wichtige Rolle: Die verbummelte Rothaarbahn und Westfalens unpünktlichster Regionalexpress kommen sich ständig in die Quere.

Das Problem beginnt in Betzdorf: Dort wendet die Rothaarbahn – kommt sie zu spät an, fährt sie auch zu spät ab, die zehn Minuten Puffer reichen manchmal nicht. Planmäßig muss sie mit vier Minuten Abstand dem rsx hinterherfahren. Der ist oft schon ab Siegburg zu spät. In Betzdorf muss er ab fünf Minuten Verspätung die Rothaarbahn vorlassen. Die Anschlüsse in Siegen sind dann endgültig weg.

In Siegen konzentriert sich das ganze Bahnhofsgeschehen auf die volle Stunde. Der Main-Sieg-Express aus Gießen (RE 99) soll fünf Minuten nach der vollen Stunde ankommen. Aber er muss der Rothaarbahn (Ankunft zur Minute 0) die Vorfahrt lassen. Fünf Minuten dauert der Weg für die Fahrgäste, die aus Gießen kommen und nach Köln (Abfahrt: Minute 10) umsteigen wollen. Der rsx soll pünktlich abfahren, im Zweifelsfall muss die Rothaarbahn nach Betzdorf (Abfahrt: Minute 01) ihn dann vorlassen – und programmiert dann, siehe Betzdorf, schon die nächste Verspätung vor. Nur: Auch das klappt nicht. „Anschluss wird nicht disponiert, aber gegebenenfalls durch Fahrgäste erzwungen“, formulieren die Gutachter. Im Klartext: Der rsx würde den Umsteigern aus dem RE 99 davonfahren. Wenn sich nicht jemand in die Tür stellt.

Bei der Kreuzung in Hilchenbach übertragen sich die Verspätungen auf die wartenden Gegenzüge. „Abweichungen schaukeln sich hoch“, heißt es in dem Gutachten. Am Ende reicht die Wendezeit nicht in Bad Berleburg aus. Dann startet die RB 93 auch von da an wieder verspätet. „Verspätungen können bis in den Abend nicht abgebaut werden.“ Besser wird das, wenn in Hilchenbach Weichen und Schranke nicht mehr von Hand bedient werden, sondern an ein elektronisches Stellwerk angeschlossen sind.

In Niederschelden, Siegen, Weidenau, Kreuztal, Hilchenbach und Erndtebrück hält der Zug zu lang, zwischen Siegen und Weidenau sowie zwischen Allenbach und Hilchenbach fährt er zu langsam. Befund: „Fahrlage ist systematisch verspätet.“ Ab 12 Uhr mittags werden die Verspätungen stetig größer. Die Gutachter errechnen eine „Median-Abfahrtverspätung“ von fünf Minuten. Das heißt: Die eine Hälfte der Züge hat weniger als fünf Minuten Verspätung. Die andere mehr…

J enseits des Siegerlandes: Einen eigenen Beitrag zum täglichen Drama leistet der rsx ab Siegburg ­siegaufwärts. Ursache, so vermuten die Gutachter, sind aber gar nicht die eingleisigen Engpässe, sondern die zu schwachen Loks vor den Doppelstockzügen – die Triebwagen machen nämlich weniger Probleme. Siegabwärts wird es da wieder eng, wo der Regionalexpress sich seinen Platz zwischen den Kölner S-Bahnen suchen muss, die mittlerweile bis Au fahren. „In Betzdorf schiebt die RE 9 im gesamten Tagesverlauf die RB 93 aus ihrer Soll-Lage.“ Übersetzt: Weil der rsx zu spät ist, muss die Rothaarbahn warten.

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