Interview der Woche

Dieter Fischbach neuer Leiter am Peter-Paul-Rubens-Gymnasium

Dieter Fischbach.

Foto: Flemming Krause

Dieter Fischbach. Foto: Flemming Krause

Siegen.   Als Schulleiter möchte Dieter Fischbach aus Burbach den Ganztagsbetrieb des Gymnasiums neu gestalten und den Schülern mehr Freiräume ermöglichen.

Das Peter-Paul-Rubens-Gymnasium ist Dieter Fischbach nicht unbekannt. Als Referendar verbrachte der gebürtige Siegener ein halbes Jahr an jener Schule, zu der er vor wenigen Wochen zurückgekehrt ist. Nicht als Lehrer, sondern als neuer Schulleiter. Zuvor unterrichtete der Burbacher die Fächer Mathematik und Chemie an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule. Heute Nachmittag wird er offiziell in sein Amt eingeführt. Wir haben mit ihm über seine neue Aufgabe gesprochen.

Warum wollten Sie Schulleiter werden?

Schulleiter zu sein, ist eine tolle Aufgabe. An einer zentralen Position eine Schule verändern und entwickeln zu können, hat mich schon immer gereizt. Ich habe mich früher, als ich „nur“ Lehrer war, immer darüber geärgert, wenn Projekte nicht so vorangingen, wie es möglich gewesen wäre. Ein weiterer Aspekt ist sicherlich, dass ich vor meiner Zeit als Pädagoge bei der Bundeswehr war, dort habe ich eine Ausbildung zum Stabsoffizier gemacht und Führungserfahrung gesammelt, das kommt mir jetzt zu Gute. Im Lauf der Jahre habe ich große Lust verspürt, irgendwann eine Schule weiterzuentwickeln, mir war klar, dass ich mehr als ein Lehrer sein wollte.

Und dann wurde die Stelle als Schulleiter am Peter-Paul-Rubens-Gymnasium frei...

Ja, das war super, denn zum einen kannte ich die Schule von früher und zum anderen besucht einer meiner Söhne sie. Hinzu kommt, dass es sich um eine Ganztagsschule handelt – genauso wie das Berufskolleg und die Gesamtschule – das war mir also nicht fremd. Von daher kannte ich die Strukturen. Das passte alles zusammen.

Wie lange mussten Sie nach Ihrer Bewerbung auf die Zusage warten?

Es ist ein schon ein längeres Verfahren. Man bewirbt sich, muss abwarten, wie die dienstliche Beurteilung ausfällt, wird der Schulkonferenz vorgeschlagen und muss sich im Schulausschuss vorstellen. Ich wusste allerdings irgendwann, dass ich der einzige Bewerber war, das hat ein wenig die Nervosität genommen. Als der Moment kam, dass es amtlich ist, hat es sich natürlich sehr gut angefühlt.

Fehlt Ihnen die Arbeit als Lehrer denn nicht?

Natürlich durchlebe ich einen Paradigmenwechsel in meiner Arbeit. Ich war gerne Lehrer und habe mich in der Arbeit mit den Schülern wohlgefühlt. Aber ich musste eine Entscheidung treffen: Will ich weiter mit Schülern im Unterricht arbeiten oder eine Schule aktiv an vorderster Stelle mitgestalten? Ich habe mich für zweiteres entschieden.

Wie gehen Sie ihre neue Aufgabe an?

Zunächst haben wir im Kollegium diskutiert, wie das Persönlichkeitsbild eines Schülers aussehen sollte. Dann habe ich mit Eltern und Schülern gesprochen und sie gebeten, mir ihre Empfindlichkeiten mitzuteilen. Eines der wichtigsten Projekte wird sein, unseren Ganztagsbetrieb neu zu gestalten, da müssen wir Freiräume schaffen. Sei es bei der Pausengestaltung oder durch besser vernetzte Angebote, so dass die Schüler ihre Talente entdecken können. Zurzeit ist vieles freiwillig und es wäre wünschenswert, einen Pflichtanteil in den Unterricht zu heben. So hat die Schule wieder eine Theater-AG, die ich gerne in der Kernunterrichtszeit vernetzen würde, um verlässliche Probenzeiten zu gewährleisten. Dem Schulorchester messen wir ebenso große Bedeutung bei. So etwas findet derzeit mehr auf freiwilliger Basis und in zeitlichen Randbereich statt.

Was konkret sind die Aufgaben eines Schulleiters?

Bei mir laufen alle Fäden zusammen. Ich muss immer im Bilde sein, wie die Unterrichtsqualität ist und ein Gespür dafür entwickeln, wo Entwicklungspotenziale stecken. Dann muss ich mich um unser Personal kümmern, Vertretungsstellen ausschreiben oder Beförderungen durchführen. Und dann, wie bereits gesagt, das Gespräch mit Schülern und Eltern suchen. Ich möchte wissen, wie unsere Schüler ihre Schule sehen. Auch die Eltern haben Vorstellungen davon, wie ihre Töchter und Söhne die Schule verlassen sollen. Diese Gruppen zusammenzubringen und die Schule zu entwickeln ist die Managementaufgabe, der ich mich stelle. Es macht ungeheuer Spaß.

In Siegen war das Peter-Paul-Rubens-Gymnasium die einzige Ganztagsschule und eines der wenigen Gymnasium landesweit, das an G9 festgehalten hat...

Wie man in der politischen Landschaft jetzt sieht, war das eine gute Entscheidung. Dieser Schulversuch mit G9 wird jetzt durch politische Veränderungen eingeholt. Die Politik hat erkannt, dass neun Jahre zum Abi gut sind und die Verkürzung eben nicht. Ich plädiere für G9, da Schule ein Raum für die Persönlichkeitsentwicklung sein sollte. Ein Jahr mehr ist da besser – den Schülern fehlt sonst nämlich diese Zeit, um an ihrer Persönlichkeit zu arbeiten, Vorlieben zu entdecken oder ihre Schwächen auszubügeln.

Ihr Ganztagsbetrieb geht von 7.55 Uhr bis 14.30 Uhr – das ist für einen Ganztag ein ziemlich enges Zeitfenster, oder?

Wir werden den Schulbetrieb umstrukturieren und die Kernzeiten ausbauen müssen. Unser Zeitfenster ist in der Tat eng, was dazu führt, dass Schüler wenig Pausen haben und Kollegen sich hetzten müssen.

Wie sieht die moderne Schule von heute in ihren Augen aus?

Wenn ich mir meine Schule wünschen dürfte, dann nach dem Vorbild der skandinavischen Länder: kleine Klassen, gemeinsamer Unterricht, mehr Unterstützung für die Verwaltung. Wir wollen und müssen mit der Politik im Gespräch bleiben, um mehr Ressourcen zu erwirken. Was die modernen Medien angeht, sind wir bereits gut bestückt. Wir haben relativ viele Räume mit Beamer und Whiteboard oder zumindest mit elektronischer Tafel.

Im Rahmen des Projekts „Gute Schule 2020“ stellt das Land reichlich Geld zur Verfügung, so dass unsere Schule 2019 mehr als eine halbe Millionen Euro zur Verfügung hat. Mit diesem Geld wollen wir die naturwissenschaftlichen Räume auf den neuesten Stand bringen. Und wir haben einen Schwung Laptops bekommen, so dass wir unsere Bibliothek in ein Lernzentrum umwandeln können.


>>>> INFO: Auf Diplom-Chemie folgt Lehramtsstudium

Nach seiner Zeit beim Bund studierte Fischbach zunächst Diplom-Chemie, brach dies jedoch ab und stieg auf ein Lehramtsstudium um. Als Lehrer arbeitet er vier Jahre in Aachen, ehe er 2004 an die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule wechselte.

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