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IHK Siegen: Projekte zu Digitalisierung und Fachkräftemangel

Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener, Gastredner Frank Schmidt und Präsident Felix G. Hensel (von links) bei der Vollversammlung der IHK.

Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener, Gastredner Frank Schmidt und Präsident Felix G. Hensel (von links) bei der Vollversammlung der IHK.

Foto: IHK

Siegen-Wittgenstein.   Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer bewilligt Mittel, um Fachkräfte für regionale Wirtschaft zu gewinnen und Strukturen zu stärken.

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Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen hat Projektmittel bewilligt, um Fachkräfte für die regionale Wirtschaft zu gewinnen und Strukturen zu stärken.

Seit 2013 wurden mehr als zwei Millionen Euro investiert, bis 2020 werden weitere 1,3 Millionen Euro eingesetzt, so die IHK. Für 2018 sind das 605 000 Euro. IHK-Präsident Felix G. Hensel: „Damit können wir auch anspruchsvolle Aufgaben angehen.“

Die Projekte

Mit dem Geld sollen zum Beispiel junge Fachkräfte, die aus der Region stammen, aber außerhalb leben, vom „Heimvorteil“ überzeugt werden. Die IHK hofft, sie für Familiengründungen mit den Vorzügen der Region – sichere Arbeitsplätze, hohe Lebensqualität – locken zu können.
Mit der Qualifizierung von „Digital Scouts“ soll kleinen Unternehmen dabei geholfen werden, die Digitalisierung als Chance zu nutzen.


Durch Kundenbefragungen wird untersucht, wie der Einzelhandel in Siegen-Wittgenstein und Olpe für die Zukunft gerüstet ist, wie man Innenstädte stärken kann.


Das Fachkräfteproblem ist auch in der Unternehmensspitze angekommen: Bis zu einem Viertel der Unternehmen im Kammerbezirk brauche in den nächsten zehn Jahren einen Nachfolger. Hier will die IHK stärker als bisher helfen.

Die Probleme der Zukunft

Dass Investitionen in die Fachkräftesicherung enorm wichtig sind, hob Gastredner Frank Schmidt hervor. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur in Siegen mahnte, dass die Digitalisierung den Arbeitsmarkt dramatisch verändern werde.

Deshalb sei es erforderlich, Fachkräfte entsprechend zu schulen. „Vor dem Hintergrund des technisch Machbaren ist bereits mehr als jede vierte Fachkraft in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe ersetzbar.“ Das seien rund 30 000 Menschen.

Er begründete diese Hochrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit der Wirtschaftsstruktur der Region und ihrem hohen Anteil im produzierenden Gewerbe. Er sorge sich „um kleine und mittelständische Unternehmen, die in Sachen Digitalisierung möglicherweise nicht mithalten, diesen Wandel nicht mitgestalten können“.

Zwei Drittel der Kinder, die heute eingeschult werden, würden Prognosen zufolge Berufe lernen, die es heute noch nicht gibt, so Schmidt weiter. Daher müssten auch „Bildungsträger aufpassen, dass sie die Entwicklung nicht verschlafen“.

Gleichwohl nehme Qualität und Quantität der Bewerber ab. „Wir werden nicht alle jungen Menschen in Ausbildung bringen.“ Er forderte, in neuen Modellen zu denken und sich in Kooperation der Arbeitsmarktakteure auf wenige, erfolgversprechende Maßnahmen zu fokussieren.

Die Situation heute

Es gebe keine Anzeichen zu erkennen, dass die positive wirtschaftliche Entwicklung kippt, so Schmidt – dieser Entwicklung sei es auch zu verdanken, dass sich unter den 170 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 25 000 ohne beruflichen Ausbildungsabschluss befänden. „Schön, dass so viele Menschen auch ohne formale Qualifikation arbeiten und Chancen bekommen.

Wir müssen aber gemeinsam daran arbeiten, dass sie mit dem entsprechenden Wissen versorgt werden und so in Beschäftigung bleiben. Es gebe 47 000 geringfügig Beschäftigte, von denen gut die Hälfte Fachkräfte seien – „das ist ein Becken, aus dem sich Arbeitgeber noch bedienen können“, so Schmidt.

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