NRW-Wahl 2017

Parteiloser Dominik Eichbaum ist Einzelkämpfer aus Überzeugung

Dominik Eichbaum aus Siegen tritt bei der Landtagswahl 2017 für den Wahlbezirk Siegen-Wittgenstein I an.

Dominik Eichbaum aus Siegen tritt bei der Landtagswahl 2017 für den Wahlbezirk Siegen-Wittgenstein I an.

Foto: Jennifer Wirth

Volnsberg.   Dominik Eichbaum findet sich in Parteien nicht wieder. Er wirbt mit eigenen Ideen: Schule ohne Klassen, Teststrecke für autonomes Fahren.

Dominik Eichbaum steigt aus seinem E-Auto und läuft Richtung Wiese. Der parteilose Direktkandidat zur Landtagswahl setzt auf nachhaltige Mobilität und liebt die Natur. Er zeigt auf eine Bank am Rabenhain und lächelt. „Das ist mein Lieblingsplatz“, erklärt er. „Ich bin hier gerne, um einen anderen Blick auf die Dinge zu bekommen. Der Perspektivwechsel tut manchmal gut.“

Auf diese Weise könne er Abstand gewinnen von Problemen und sie aus einem anderen Winkel betrachten – beispielsweise das Thema Mobilität. „Wir müssen Verantwortung übernehmen und weg von fossiler Mobilität“, sagt er. Seine Idee: Die komplette Busflotte im Kreis innerhalb von drei Jahren auf Brennstoffzell-Busse umstellen und regionale Förderprogramme für Elektromobilität schaffen.

Seine Motivation

Der 38-Jährige, der für die Wirtschaftsförderung der Siegener Stadtverwaltung arbeitet, tritt im Wahlkreis 126 an. „Wenn ich nicht selbst kandidieren würde, dann hätte ich ein Problem zu wählen“, sagt er. Denn mit der aktuellen Partei-Politik sei er nicht einverstanden: zu viele Worte, zu wenig Handlung. „Wir müssen abseits von Ideologien denken. Solange der Umweltminister mit einem dicken Diesel durch die Gegend fährt, ist das unglaubwürdig.“ Und mit einem Blick auf die aktuellen politischen Entwicklungen in Europa fügt er hinzu: „Da kann man doch nicht nicht politisch sein!“

Auch gehe basisdemokratisches Verhalten verloren, da die Einzelnen nur wenig mitzureden hätten – was zur Politikverdrossenheit führe. „Wenn mich meine Kinder in 20 Jahren fragen ,Was hast du gemacht?’, dann will ich sagen, dass ich mich engagiert habe.“

Seine Ziele

Eichbaum liegen besonders drei Themenkomplexe am Herzen:
Die soziale Ungleichheit will er beseitigen und darauf setzen, für jeden Menschen einen „würdigen Platz in der Gesellschaft“ zu finden. Das soll schon in der Schule durch ein neues Bildungssystem geschehen. „Schule ist ein Instrument des Vergleichens geworden, aber darum geht es nicht. Ich will einen Ort der Integration schaffen“, sagt er.

Eine Portfolio-Schule mit einem Modul- und Kurssystem ohne Klassen soll nachhaltig und lösungsorientiert denkende Menschen hervorbringen.
Zudem möchte Eichbaum „die Region öffnen“ für zukunftsfähige Themen in den Bereichen Bildung, Klimaschutz und Wirtschaft. Ihm schwebt eine Teststrecke der Uni Siegen für autonomes Fahren auf der HTS vor. Auch mit der künstlichen Intelligenz solle sich endlich stärker befasst werden.

Eichbaum: „Ich habe die Hoffnung, das soziale Zusammenleben auf neue Beine zu stellen.“ Von Videoüberwachung und Bodycams hält er nichts. „Wir müssen mehr in die Prävention investieren.“ Denkbar seien Kurse in der Schule, in denen Kindern gewaltfreie Kommunikationstechniken beigebracht werden. „Innere Sicherheit kommt nicht nur von außen.“

Dominik Eichbaum, der seinen ersten Wahlkampf in eigener Sache 2014 bei der Landratswahl ebenfalls als Einzelbewerber absolvierte, setzt auf die Stimmen jener Menschen, die „Lust auf Veränderung haben und Interesse an Weiterentwicklung“, so der Siegener. „Ich sehe da viele ... man muss sie nur erreichen.“ Darin sieht er seine Schwäche. Denn ohne den Rückhalt einer großen Partei sei es schwer, sich zu behaupten.

„Wir [Anm. der Red.: parteilose Direktkandidaten] werden massiv diskriminiert“, so Eichbaum. Das äußere sich darin, dass er zu verschiedenen Podiumsdiskussionen nicht eingeladen oder sogar ausgeladen worden sei. Ein Unding für den Siegener, der seinen Wahlkampf privat mit Unterstützung seiner Familie organisiert. „Du findest unheimlich schwierig eine Plattform.“

Weniger Wahlplakate als andere Bewerber

„Die Parteien bekommen pro Stimme etwa 70 Cent erstattet. Ich musste Stimmen sammeln und bekomme nichts.“ Eine finanzielle Belastung, die seiner Meinung nach viele Menschen abschrecke, sich zur Wahl zu stellen. Auch bekomme er weniger Plakate pro Stadt zugesprochen als andere. Auch das Verhalten seiner Mitbewerber ärgert ihn: Einige hätten bereits vor der Tagung des Wahlausschusses, der die Landtagskandidaten offiziell benennt, als solche an Diskussionen teilgenommen. „Das hat mich verstört.“

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