Auszeichnung

Dr. Jan Gerwinski erhält Preis für Dissertation

Doctima-Geschäftsführer Prof. Dr. Markus Nickl (links) und Susanne Göpferich, Präsidentin der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (rechts), überreichen den Preis an Dr. Jan Gerwinski.

Doctima-Geschäftsführer Prof. Dr. Markus Nickl (links) und Susanne Göpferich, Präsidentin der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (rechts), überreichen den Preis an Dr. Jan Gerwinski.

Foto: WP

Siegen.   Der Siegener Wissenschaftler untersucht Hilfsmittel, die Feuerwehrleuten bei ihren Einsätzen die Orientierung erleichtern sollen.

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Wenn Feuerwehrleute zu einem Brand in einem Gebäude gerufen werden, müssen sie sich auf schlechte Sicht am Einsatzort einstellen. Die Orientierung fällt schwer bei dichtem Rauch. Wie erkennt der eine Feuerwehrmann, welchen Raum ein anderer schon inspiziert hat oder wo eventuell noch Gefahr droht?

Dr. Jan Gerwinski aus der germanistischen Angewandten Sprachwissenschaft der Uni Siegen hat sich in seiner Dissertation solchen Fragen gewidmet und nach praktischen Lösungen gesucht. Dafür erhob der 36-Jährige Daten von Einsatzübungen im Ausbildungszentrum der NRW-Feuerwehr in Münster. Er arbeitete im Rahmen eines technischen Entwicklungsprojekts der Universität Siegen zusammen mit dem Fraunhofer Institut in St. Augustin, mit einer Berufsfeuerwehr aus Köln und verschiedenen Technologie-Unternehmen.

Mit seiner Dissertation gewann Gerwinski den mit 1000 Euro dotierten Nachwuchspreis „Berufliche Kommunikation“ der Gesellschaft für Angewandte Linguistik, den das Sprachforschungsunternehmen Doctima ausgelobt.

Verklebte Schutzmasken

Die Einsatzkräfte haben mit verklebten Schutzmasken – um die Sichtverhältnisse zu simulieren – etwa ein Parkhaus auf dem Übungsgelände in Münster betreten, mit dem Ziel eine vermisste Person zu finden. Gerwinski filmte den Probeeinsatz und zeichnete die Gespräche der Feuerwehrleute auf. Bei einigen Versuchen ließ er die Feuerwehrleute mit Funkgerät, Schlauch, Axt und Seil hineingehen. Bei anderen nahmen sie sogenannte Landmarken mit, um Orte zu markieren. Das waren zunächst Plastikkugeln mit farbiger Knete und einer LED-Leuchte. Der Wissenschaftler analysierte, ob die Einsatzkräfte mit den Hilfsmitteln schneller zum Erfolg gelangen und wie genau sie die Landmarken nutzen. Die Signale waren denkbar einfach: Eine Rote Kugel bedeutete Gefahr, eine Grüne, dass alles okay ist.

„Der Anfang war gemacht, aber die Entwicklung der Hilfsmittel steckte noch in den Kinderschuhen“, so Gerwinski. Zwei Jahre experimentierten die Feuerwehrleute gemeinsam mit technischen Entwicklern und Informatikern. Das Endergebnis waren Türkeile mit Lämpchen, die in verschiedenen Signalfarben aufblinken und ein Piepen von sich geben können. Mit einer Fernbedienung konnten die Landmarken auch von außerhalb des Gebäudes gesteuert werden.

Ausgereiftere Elektronik

Jetzt war die Form der Hilfsmittel praktischer und die Elektronik ausgereifter. „Wir konnten nachweisen, dass die Einsatzkräfte mit den Hilfsmitteln in bestimmten Situationen schneller zum Erfolg kommen als ohne die Landmarken“, sagt Gerwinski. Beispiel: Feuerwehrleute haben eine Rechts-Regel. Sie bewegen sich in einem Raum immer rechts an der Wand entlang. Haben sie an der Eingangstür eine Landmarke platziert, den zu rettenden Menschen aber erst gefunden, nachdem sie an mehreren Wänden entlang gekrochen sind, ist der Rückweg weit. Schalten sie aber das Piepen der Landmarke an der Eingangstür ein, können sie sich anhand des Geräuschs direkt zum Ausgang bewegen. Das spart Zeit und Kraft – und Sekunden könnten in so einer Situation über Leben und Tod entscheiden.

Keine Herstellung in Serie

Trotz der Erfolge während der Tests sei es schließlich nicht zu einer Herstellung in Serie gekommen, bedauert Gerwinski.

Jan Gerwinski bekam den Akademiker-Preis im Rahmen einer Tagung der Gesellschaft für Angewandte Linguistik Ende September überreicht. „Das war natürlich ein schönes Gefühl, für die Arbeit gewürdigt zu werden“, erzählt der 36-Jährige, der seine Arbeit selbst eingereicht hatte.

Was er denn nun vorhabe mit dem Preisgeld? Landmarken herstellen? „Dafür wird das Geld wohl nicht reichen“, sagt Gerwinski lachend.

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