Werner Hahn

Ein Porträt: Werner Hahn leitet das junge Apollo

Tschick, junges Apollo, alter Lada: Werner Hahn sucht in Siegen nach einer neuen Herausforderung – und findet in der künstlerisch-kreativen Entwicklung der Stadt idealen Nährboden dafür. Foto:Wolfgang Leipold

Tschick, junges Apollo, alter Lada: Werner Hahn sucht in Siegen nach einer neuen Herausforderung – und findet in der künstlerisch-kreativen Entwicklung der Stadt idealen Nährboden dafür. Foto:Wolfgang Leipold

Siegen.   Werner Hahn leitet das junge Apollo und kennt das Geschäft: Als Schauspieler und Sänger, Autor, Regisseur, Theaterleiter und Lehrer.

Neulich stand ein alter Lada mitten im Foyer des Apollos. Damit war Werner Hahn von Hagen über die A 45 nach Siegen gekommen, um in einer Pressekonferenz dreierlei vorzustellen: Sich selbst, das neue Apollo-Konzept „JAp“, das er ab der neuen Spielzeit verantwortet. Und das erste Bühnenprogramm: „Tschick“.

Dabei handelt es sich um die Adaption des Erfolgsromans von Wolfgang Herrndorf, inzwischen das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen. Ein Roadmovie über zwei Jugendliche, die mit einem klapprigen Lada durch die ostdeutsche Provinz ruckeln. Dieses Gastspiel des Berliner Theaters ist starkes Signal Werner Hahns an seine künftige Theater-Zielgruppe in Siegen: Kinder und Jugendliche.

Vater von sieben Kindern

Erfahrungen auf diesem Gebiet bringt der 61-jährige Vater von sieben Kindern und Opa zweier Enkel aus Hagen reichlich mit. Er ist seit 16 Jahren Leiter des „Lutzhagen“, dem Kinder- und Jugendtheater der Volme-Stadt – nur ein Teil der weitverzweigten Kreativität des 1956 in Salzburg Geborenen, der am dortigen Mozarteum Gesang studierte. Schon als Neunjähriger infizierte ihn die Bühne, als er als Chor-Kind in der Oper „Boris Godunov“ mitsang. Musikalischer Leiter und Regisseur damals: Dirigenten-Legende Herbert von Karajan.

Sein erstes Engagement hatte Werner Hahn von 1978 bis 1982 am Opernhaus Zürich. Er spielte mit großen Stars kleine Rollen. „Du musst raus in die Provinz und große Partien singen“, riet man ihm. Er verließ Zürich. „In Hagen konnte ich neue Türen aufmachen und neue Facetten des Theaters entdecken“, sagt Hahn, er durfte vieles singen, deckte eine große Bandbreite ab. Etwa 250 verschiedene Rollen in Opern, Operetten, Musical und Schauspiel hat er in Hagens Stadttheater verkörpert. „Es gibt Qualitätssänger und Quantitätssänger. Ich war immer Letzteres“, sagt Hahn von sich. (Die ihn auf der Bühne erlebt haben, sagen, dass er beides war.)

Regie bei mehr als 100 Bühnenproduktionen

Er blieb über das Singen hinaus neugierig. „Eigentlich weiß man als junger Sänger alles besser als der Regisseur.“ Und in Hagen wurde er selbst einer. Sein erstes Stück: Die Kinderoper „Der Mann im Mond“ mit 120 Bühnenakteuren. Seine Arbeitsdevise: „Ich komme nie mit fertigem Konzept, aber ich weiß, was ich aussagen will. Alles Weitere ergibt sich bei den Proben mit den Schauspielern.“

Bei mehr als 100 Bühnenproduktionen hat Werner Hahn Regie geführt, 50 Theaterstücke selbst geschrieben. Und dabei auch mit besonderen Gruppen gearbeitet: arbeitslosen Jugendlichen, Strafgefangenen, Menschen mit geistigen Behinderungen, jugendlichen Zuwanderern, Senioren. Und er hat stets über den Hagener Tellerrand hinausgeblickt, durch Lehraufträge an Hochschulen in Essen, Köln und der Uni Siegen. Die Siegener haben Hahn kennengelernt durch dessen Regiearbeit bei der beeindruckenden Apollo-Eigenproduktion „Fahr’ deinen Film“.

Neue Herausforderung in Siegen

„Nach 35 Jahren habe ich mich mit meinen Mitteln in Hagen erschöpft“, sagt Werner Hahn und sucht in Siegen eine neue Herausforderung. „Siegen befindet sich in einer faszinierenden Entwicklung, die noch lange nicht zu Ende ist“. Durch seine bisherige Arbeit im Apollo, an der Uni und in Jugendinstitutionen und durch die Begegnung mit vielen Menschen der Region hat er gemerkt, dass es hier ein großes Interesse an Kunst, Offenheit, Lebendigkeit gibt.

„Die Theaterbühne ist die Mitte der Stadt.“ Die kreative Neugier vieler Jugendlicher begeistert ihn. Damit meint Werner Hahn vor allem Najib El-Chartouni, den er mehrmals auf die Hagener Theaterbühne holte und der in drei Apollo-Produktionen der nächsten Spielzeit dabei sein wird: „Najib hat sich zu einem Künstler, gepaart mit tiefer Menschlichkeit, entwickelt.“

In zwei Produktionen selbst auf der Bühne

Zwei Mal wird Werner Hahn in der kommenden Spielzeit auch als Schauspieler auf der Bühne stehen: In „Der kleine Prinz“ und beim Theaterstück „Hey Boss, ich will zu Dir“, das er selbst geschrieben hat und bei dem er auch Regie führt.

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