Ausstellung

Eine Runde „kreuzweise“ mit dem Kunstverein im Haus Seel

Mitglieder des Kunstvereins Siegen zeigen bis zum 28. April im Haus Seel Arbeiten zum Titelthema "Kreuzweise“. Mehr als 60 Exponate sind zu sehen.

Mitglieder des Kunstvereins Siegen zeigen bis zum 28. April im Haus Seel Arbeiten zum Titelthema "Kreuzweise“. Mehr als 60 Exponate sind zu sehen.

Foto: Florian Adam

Siegen.   Der Kunstverein hat seine Mitglieder zur Gruppenausstellung im Haus Seel aufgerufen. Die heißt „Kreuzweise“ und ist eine wirklich runde Sache.

Die Kombination aus Zungen, Lippen und Hinterteilen, an die das Wort „kreuzweise“ im ersten Moment denken lässt: Es gibt sie im Untergeschoss von Haus Seel zu sehen. Die poppige Arbeit, Acryl auf Leinwand, ist der Beitrag von Klaus Scholl zur Mitgliederversammlung des Kunstvereins. Die heißt „Kreuzweise“, und die Mitwirkenden haben den Begriff für ihre Werke kreuz, quer und rundherum durchdekliniert.

Mehr als 60 Vereinsmitglieder machen mit, jedes durfte eine Arbeit einreichen. Die Herangehensweise deckt von der figürlichen Kreuzdarstellung bis zur um die Ecke gedachten Manifestation von Wortspielen nicht nur alles ab, was der Titelbegriff nahelegt – sondern auch vieles, was sich erst bei Erweiterung des Blickwinkels ergibt, um dann mit der Schlüssigkeit zu glänzen, die herzustellen zentrales Moment eines jeden gelungenen Kunstwerks ist.

Besucher haben die Wahl

Lothar Hofmann: Die Installation „Machen Sie Ihr Kreuz weise!“ schmückt das Schaufenster. Foto: Florian Adam Als Erstes fällt die Installation von Lothar Hofmann im Schaufenster der städtischen Galerie ins Auge. Hofmann richtete die begehbare Glasfront als Wahllokal einschließlich Urne ein, an der Wand hängt der Titel der Arbeit: „Machen Sie Ihr Kreuz weise!“ Die Besucher können einen Fragebogen ausfüllen, um ihre persönliche Einsatzbereitschaft im Kampf gegen den Klimawandel zu beschreiben. Am letzten Ausstellungstag, dem 28. April, wird die Wahlurne geöffnet und die Ergebnisse werden ausgewertet.

Nur eine einzige Bedeutung, das wird in der Ausstellung schnell deutlich, hat das Kreuz selbst dann nicht, wenn es auf den ersten Blick nur eine zu haben scheint. Rainer Kampfs „Tragbares Kreuz“ sieht zwar wie ein altes Kirchenfundstück aus, ist tatsächlich aber ein verrostetes, um 90 Grad gedrehtes Türscharnier. Prof. Edwin Kaiserling zeigt ein kreuzförmiges Stück verwitterten Fichtenholzes – wobei dieses Kreuz auf dem Kopf steht – an dem Wirbel und Becken (also das Kreuz) eines Hasenskeletts befestigt sind. Und Andrea Freiberg präsentiert ein Quadrat aus Beton, in dessen Mitte ein akkurates Pluszeichen ausgespart ist. Das Objekt ist mit Moos bewachsen; ursprünglich war es für eine andere Arbeit entstanden. Freiberg, die in ihren Werken regelmäßig Verfallsspuren aufgreift, rückt hier den natürlichen Vergänglichkeitsprozess in den Blick. Der Titel „Concrete“ – englisch für „Beton“ – verweist gleichermaßen auf Form und Material.

Werke mit Sti(e)l

Lin Enslin, „Die Weise kreuzt“. Foto: Florian Adam Eine märchenhafte Geschichte erzählt Lin Enslin mit dem Objekt „Die Weise kreuzt“. Eine völlig zerklüftete Wurzel ragt wie ein schroffes, unwirkliches Gebirge auf, eine kleine weiße Gestalt steigt empor. Bunte Bänder, Federn, Tierköpfe säumen den Weg und seine Ausläufer. Eine Art ritueller Pfad entsteht, eine meditative, archaische Fantasy-Welt, deren geometrische Bezüge den vertrauten Raum auflösen. In unmittelbarer Nachbarschaft hängt eine dreiteilige Assemblage von Michael G. Müller, das „Kreuz der Lemminge“. Von links nach rechts zeigt es bewaffnete Männchen im Stil von Höhlenmalereien, gedruckte Darstellungen von Rittern, in der Mitte eine zersprengte, angekokelte Holzkiste aus dem 20. Jahrhundert – Symbol für die Schlachtfelder der beiden Weltkriege? Mit den Computerplatinen rechts außen ist eine Geschichte des Krieges von der Steinzeit bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Das Bemerkenswerte: Das Werk, dass mit seinem Cyber-Krieg-Verweis so hochmodern wirkt, stammt von 1989.

Form und Material bilden bei Albrecht Thomas die perfekte Einheit – ebenso wie die für seine Arbeiten oft so prägende Symbiose aus raffiniertem Tief- und leidenschaftlich ironischem Unsinn. Aus rund 300 Eisstielen, die in einer langen Reihe akribisch überkreuzt angeordnet sind und an eine Wirbelsäule erinnern, ergibt sich ein M. Es ist das „Monumentum Magnum“, „eine leise Liebeserklärung ans weltweit beste Eis am Stiel“, wie die Legende am Sockel verrät.

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