Neueröffnung

Eiscafé Belluno Netphen: Diese Eissorten gibt’s nur hier

| Lesedauer: 8 Minuten
Massimo Burigo und Katja Zoldan eröffnen bald das Eiscafé Belluno in Netphen. 

Massimo Burigo und Katja Zoldan eröffnen bald das Eiscafé Belluno in Netphen. 

Foto: Ina Carolin Lisiewicz / WP

Netphen.  Katja Zoldan und Massimo Burigo bieten in ihrem neuen Eiscafé Belluno 24 Sorten an. Im Sommer werden es noch mehr. Es gibt auch Überraschungen.

„Es war der 17. Juli. Es hat keiner gedacht, das sowas passieren würde“, sagt Katja Zoldan. „Um 19 Uhr haben wir unsere Eisdiele verlassen. Als wir um 20.30 Uhr nochmal geguckt haben, stand uns das Wasser bis hierhin.“ Katja Zoldan deutet mit ihrer Hand auf ihr Knie. „Ich habe immer gesagt: Feuer ist schlimmer als Wasser. Aber das Wasser war so kräftig.“ Die Eisdiele von Katja Zoldan und ihrem Mann Massimo Burigo fiel der Flut im Ahrtal zum Opfer. Und auch ihr Haus in Dernau ist zu großen Teilen unbewohnbar. Nun wagt die Familie einen Neustart in Netphen: Am 7. April haben sie das „Eiscafé Belluno“ am Neumarkt eröffnet.

Neuanfang nach Ahrtal-Flutkatastrophe: „Wo sollen wir da bleiben?“

„Vor einer Woche war ich erst in Dernau“, erzählt Katja Zoldan. Viele Jahre betrieb sie zusammen mit ihrem Mann dort ein Eiscafé. Nun holte sie das ab, was die Flut noch übrig gelassen hat. Es ist nicht viel. „Bett, Möbel, Schränke“, zählt sie auf. All das befand sich im zweiten Stock ihres Hauses. Bis dahin reichte das Wasser nicht. Ihr und ihrem Mann ist nicht viel geblieben. Und auch Unterstützung fehlt. Finanziell würde vielen nur unter die Arme gegriffen, wenn sie vorher versprechen, dass sie auch im Ahrtal bleiben, berichtet Katja Zoldan. „Aber wo sollen wir da bleiben?“ Hinzu kommt der Bürokratiewahnsinn. „Da gibt es Fragen, da weiß ich nicht, was ich antworten soll.“

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Die Menschen im Ahrtal würden immer noch mit den Folgen der Flut kämpfen. „Ich habe die Leute im Herzen“, sagt sie. Zu so vielen hat sie ein persönliches Verhältnis entwickelt, weil sie regelmäßig in ihr Eiscafé kamen. Freundschaften, Beziehungen – auch das lässt die Familie zurück. Schon 2016 habe es ein Hochwasser im Ahrtal gegeben, erzählt Katja Zoldan. Aber es habe nicht alles kaputtgemacht. „Sieben Jahre waren wir in Dernau“, erzählt die Eiscafé-Betreiberin. „Da gab es viel Tourismus. Die Lage unser Eisdiele war sehr schön. Es gab viel grün, viel Tourismus.“ Bis die Flut all das zerstörte. Der Wiederaufbau wird noch Jahre dauern.

Erinnerungen an Ahrtal-Flutkatastrophe werden immer bleiben

Was bleibt, sind auch die Erinnerungen an die Katastrophe. „Ich habe nach der Flut einen Monat nicht geschlafen“, sagt Katja Zoldan. „Du hörst das Geräusch von Wasser.“ Dabei ist es zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr da. Viele Kinder aus dem Ahrtal würden psychologische Hilfe brauchen. Katja Zoldan, Massimo Burigo und zwei ihrer Kinder verbringen die Flutnacht in ihrem Haus. „Ich hatte wirklich viel Angst“, sagt sie.

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Kurz vor der Flut habe ihr Vermieter noch den Öltank für die Ölheizung aufgefüllt. All das Öl läuft während der Flut aus. „Das Wohnzimmer, die Küche – alles war rot.“ Das Öl vermischte sich mit dem Schlamm, der von der Flut angespült wurde. „Fenster gehen kaputt, Autos sind am Schwimmen und du hörst Leute schreien“, sagt Katja Zoldan. Selbst Züge wären von dem Wasser mitgerissen worden. „Die sind doch schwer!“

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Ihr jüngster Sohn befindet sich während der Flutkatastrophe in Italien. Er versucht ständig, seine Mutter telefonisch zu erreichen. Doch der Strom, das Mobilfunknetz – all das ist weg, als das Wasser kommt. Katja Zoldan, Massimo Burigo und ihre zwei Kinder verharren in ihrem Haus im zweiten Stock – ab 22 Uhr sind sie in ihrem Haus eingeschlossen. Bis das Wasser schließlich sinkt.

Neun Meter sei es in drei Stunden gestiegen, sagt Katja Zoldan. „Küche, Keller – alles war voll.“ Wie verarbeitet man eine solche Katastrophe? „Du denkst dir: Gott sei Dank, dass ich noch lebe. Du sammelst Kraft für dich, für die Familie, für alles“, sagt Katja Zoldan. Es bleibe ihnen auch nichts anders übrig.

Neuanfang in Netphen: Eiscafé Belluno – „Die Lage ist gut“

Die Familie verlässt Ende Juli Dernau, fährt erstmal nach Italien, in ihren Heimatort Belluno. Normalerweise kehrt die Familie in der Winterpause dorthin, in ihr Haus, zurück. Ab Juli folgt ein Hin und Her. „1000 Kilometer mit dem Auto“, sagt Katja Zoldan. Schnell wächst der Plan, wieder ein Eiscafé zu eröffnen. Sie könnten nicht „in einer Fabrik“ arbeiten, sagt die Italienerin. Sie besichtigen Eiscafés in ganz Deutschland. Schließlich werden sie in Netphen fündig. „Ich wusste gar nicht, dass es hier eine Eisdiele gibt“, sagt Katja Zoldan.

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Die Familie Fregona vom Eiscafé Dolomiti in Erndtebrück, mit der sie verwandt ist, machen sie darauf aufmerksam, dass der Besitzer der Eisdiele am Neumarkt in Rente gehen möchte. Es passt alles. „Die Lage ist gut. Die Eisdiele ist nicht so klein und nicht so groß“, sagt Katja Zoldan. Und damit steht schnell fest, dass sie die Eisdiele in Netphen weiterführen. Bald kann die Familie aus Dernau auch die Wohnung über dem Café übernehmen.

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Bis zur Eröffnung müsse nun noch viel geputzt werden, sagt Katja Zoldan. „Bei der Theke fehlt auch noch ein Stück.“ Eisbecher und Co. wird das Ehepaar bald einräumen – ein Set Glasbecher ging bei der Lieferung kaputt. „Gestern haben wir bis 23 Uhr hier gearbeitet.“ Die Familie fühlt sich in Netphen willkommengeheißen. „Es ist eine gute Stadt“, so die 48-Jährige. Bis zur Rente möchten sie und ihr Mann gerne ihr Eiscafé hier weiterbetreiben. Es ist auch etwas größer als in Dernau – rund 100 Quadratmeter mit „Eislabor“. So nennt das Ehepaar die Küche – schon immer, das gebe dem Ganzen etwas Spezielles.

Eiscafé Belluno in Netphen: Das ist das Angebot

In dem Eislabor werkelt Massimo Burigo (49). 24 Sorten wird er erstmal zubereiten, im Sommer schafft er maximal 36. Neben den Klassikern wie Schokolade, Erdbeere, Stracciatella, die immer auf der Karte bleiben, wird es auch „Überraschungen“ geben. Zum Beispiel ein Eis mit Mandeln, Pistazienkernen und Soße, erzählt er. „Oder Cheesecake mit Preiselbeere“, ergänzt seine Frau. Auch die Sorte „Amadeus“, die an eine Mozartpraline erinnert. Das erste Eis, was Massimo Burigo in Netphen herstellen wird, ist „Zitrone“. Irgendwann kommt dann das erste Milcheis – „Vanille“. Eine der Lieblingssorten aus dem Ahrtal mit Spätburgundertrauben wird es in Netphen nicht geben. Aber Massimo Burigo hat noch genug andere Ideen.

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Das Rezeptbuch mit allen Eissorten wurde in Dernau unter Schlamm bedeckt, hat sich vermutlich aufgelöst, ist nicht mehr auffindbar. „Mein Mann hat alles im Kopf“, sagt Katja Zoldan. Irgendwann wird sie anfangen, all diese Rezepte wieder aufzuschreiben. „Ich schreibe und Massimo erzählt“, sagt sie. Vielleicht könne sie die festgehaltenen Rezepte dann auch irgendwann an ihre Söhne weitergeben. Mit bald 50 Jahren ist es für Katja Zoldan und Massimo Burigo ein kompletter Neuanfang, der ihnen nun bevorsteht. Am Mittwoch will Massimo Burigo mit der Eisproduktion beginnen. Ein Stück Normalität an einem neuen Ort.

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