Haltepunkte

Elterntaxis sollen in Siegen nicht bis zu den Schulen fahren

Paradox: Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, um sie vor den Gefahren des Verkehrs zu schützen – dabei sind gerade die vielen Elterntaxis Risikofaktoren.

Paradox: Viele Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, um sie vor den Gefahren des Verkehrs zu schützen – dabei sind gerade die vielen Elterntaxis Risikofaktoren.

Foto: Lutz von Staegmann

Siegen.   Die Stadt Siegen möchte für Elterntaxis an den Grundschulen Hol- und Bringzonen einrichten. Sie setzt auf Überzeugungsarbeit und Freiwilligkeit.

Elterntaxis sollen nicht mehr bis vor die Schule fahren, sondern ihre Kinder an dafür ausgewiesenen Hol- und Bringzonen absetzen — damit die Verkehrssicherheit an den Schulen verbessert wird und Kinder lernen, sich als Fußgänger zu orientieren. Einstimmig hat sich der Schulausschuss dafür ausgesprochen, die Albert-Schweitzer-Schule in Geisweid, die Birlenbacher Schule, die Friedrich-Flender-Schule in Weidenau und die Giersbergschule in Siegen mit Elterntaxi-Haltestellen auszustatten.

Die Standorte

Weitere Schulen sollen folgen — dieser Forderung von Kevin Lee Hörnberger (FDP) schloss sich der Ausschuss auch an. Der Lindenberg wäre dafür ein Kandidat, sagte Florian Kraft (Grüne): „Es gibt immer wieder Klagen über kritische Situationen.“ Rüdiger Käuser, Leiter des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums, forderte, auch die weiterführenden Schulen einzubeziehen: Er schilderte eine Situation, in der Busse und Pkw die Ferndorfstraße derart blockierten, dass die Feuerwehr nicht zu einem Einsatz am Krankenhaus gelangte: „Die kamen fünf Minuten lang keinen Deut weiter.“

Christian Sondermann (CDU) fragte nach Halteverboten im Bereich der Schulen, die dann auch zu überwachen wären. „Das basiert zu sehr auf Freiwilligkeit.“ Anke Schreiber, Leiterin der Abteilung Straßen und Verkehr, sah zur Freiwilligkeit keine Alternative. „Glücklicherweise passiert nichts – die Eltern bringen ja auch ihre eigenen Kinder in Gefahr.“ In der Rosterstraße, auf der absolutes Halteverbot gilt, parkten Eltern auf dem Gehweg. Kontrollen an diesen Stellen seien kaum zu leisten: „Das kriegen Sie nicht hin.“ Angelika Flohren (SPD) hatte Zweifel, ob gutes Zureden allein hilft: „Ich bin da ein bisschen pessimistisch.“

Lösbar erscheint das Problem, das Günther Langer (UWG) mit der vorgesehenen Beschilderung hat. Ihm gefielen die „Burschen ohne Klamotten“ nicht. Er bitte darum, „etwas Kindgerechteres zu finden“. Anke Schreiber: „Wir können die Dilldappen natürlich auch anziehen.“ Für die kartoffelfressenden Fabelwesen wäre es das erste Mal.

Sonderfall Giersberg

Als schwieriger Fall stellt sich der Giersberg heraus. Die Sackgasse Am Sender, die von der Giersbergstraße abzweigt und in einem Wendehammer vor dem Batterieweg endet, liegt zwischen Gesamt- und Grundschule. An der Straße selbst befinden sich bereits drei, demnächst vier Kindertagesstätten. Kevin Lee Hörnberger (FDP) regte eine Einbahnregelung mit Kreisverkehr an. Das, so Abteilungsleiterin Schreiber, scheidet ebenso aus wie die Entfernung der Poller, die aus der Sackgasse eine Durchgangsstraße mache würde. „Das dürfen wir nicht.“

An der Giersbergstraße, der Biedenkopfer Straße und im Bereich der Buswende sollen die Elternhaltestellen angelegt werden. „Die Kinder gehen nicht durch die Unterführung, sie springen über die Straße“, warnte Dr. Mario Vallana, Leiter der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule. Die Verkehrssituation auf dem Giersberg sei eine „Katastrophe“, verschärft werde sie durch die Kitas: „Je jünger die Kinder, desto größer die Autos der Eltern.“ Der Verkehr am Sender werde bleiben, sagte Kevin Lee Hörnberger voraus: „Die Eltern müssen dort hinfahren. Die Kitas verlangen, dass die Eltern das Kind hereinbringen.“

Die Stadt werde das Gespräch mit allen Beteiligten suchen. „Wir werden niemandem etwas aufzwingen“, betonte Abteilungsleiterin Anke Schreiber. „Wir müssen eine Lösung finden, in der die Eltern einen Vorteil sehen“, forderte Dr. Mario Vallana, „sonst machen die das nicht.“ Thema auf dem Giersberg könnte auch der Einsatz von Schülerlotsen für die Schüler der Grundschule werden. Den Einsatz könnten die älteren Schüler der benachbarten Gesamtschule übernehmen.

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