Konzert

Ensemble „Singer Pur“ singt deutsche Volkslieder im Apollo

Das sechsköpfige Ensemble „Singer Pur“

Foto: Wolfgang Leipold

Das sechsköpfige Ensemble „Singer Pur“ Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.   Der ganze Zauber der Stimmbänder: Die sechs Sänger bringen das Publikum mit ihrem Programm „Phantastische Nacht“ zum Staunen und zum Jubeln.

Einige A-cappella-Freunde, die den Programmzettel des Abends studierten, rümpften die Nase oder legten die Stirn in Falten: Ein ganzer Abend mit deutschen Volksliedern. Das Ensemble „Singer Pur“ ist mit seinem Programm „Phantastische Nacht“ im Apollo-Theater aufgetreten.

Deutsche Volkslieder

oder: ist das nicht langweilig?
Einen Abend lang deutsche Volkslieder in A-capalla-Version – langweilig oder nicht? Kenner wissen, dass die Vielseitigkeit von „Singer Pur“ dafür gesorgt hat, dass sie seit langem in der Meister-Liga der europäischen Ensemble-Formationen stehen. Doch wie es bei einem Fußballspiel zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten geben kann, findet man diese Erkenntnis auch bei Konzerten.

Die erste Halbzeit

oder: keine pure Begeisterung
Man hört vom ersten Ton an alles, was hochklassigen Ensemble-Gesang ausmacht: Perfekte Atemtechnik, klare Sprache, lupenreine Intonation, idealer Stimmausgleich – alles wie im Lehrbuch. Claudia Reinhards, die einzige Frau und Sopranistin im Ensemble, sticht nie nach dem Motto hervor: „Hört mal, wie hoch ich kann“, sondern fügt sich wohltuend in den Gesamtklang ein – doch das Publikum scheint nicht sehr begeistert. Der Grund: Das Ensemble tritt zu akademisch auf, klebt hinter den Pulten. Sie erwähnen zu häufig den krankheitsbedingten Ausfall eines Sängers, gesangliche Begeisterung ist am ehesten noch bei der Vertonung von Goethes „König von Thule“ zu spüren, gesanglich zelebriert wie die Lesung durch einen Schauspieler.

Die zweite Halbzeit

oder: verzaubert
Gut, dass es eine zweite Halbzeit gibt: Das erste Lied „Schneider Meck, Meck, Meck“ lässt auch das Publikum aufwachen. Das die Stille im Theatersaal hin und wieder eintritt und nicht nach jedem Titel geklatscht wird liegt daran, dass die Zuhörer verzaubert sind. Denn: auch „abgelutschte“ Volkslieder können Magie erzeugen, wenn sie ganz anders daherkommen. Arrangeure und Komponisten aus aller Welt haben sie „Singer Pur“ auf den Leib geschneidert. Der Höhepunkt des Abends? Ein Winterlied, dass das Publikum im sich anbahnenden Alt-Weiber-Sommer frösteln lässt: Ein Finne hat es arrangiert.

Klug, dass das Ensemble den letzten Song und die Zugabe anders ausgewählt hat, nach all den Volksliedern gibt es den Schmuse-Song „Cheek to Cheek“ und Billy Joels „And so it goes“. So haben sie vor 25 Jahren angefangen, als sie als Regensburger Domspatzen musikalische Grenzen sprengen und etwas anderes singen wollten. Das Publikum ist begeistert.

>>>> INFO: Wie die Sopranistin ins Team kam

Die Sopranistin der ursprünglich reinen Männerformation „Singer Pur“ fand auf ungewöhnliche Art in das Ensemble: Bei einem Chorwettbewerb verguckte sich der Tenor in eine Schwedin.

Die nahm ihn mit in ihre Heimat. Die verbleibenden Männer machten aus der Not eine Tugend: Sie ersetzten den Tenor durch eine Frau mit großartiger Stimme.

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