Energiekrise

Kreuztal: Zum Heizöl tanken reicht kleine Witwenrente nicht

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Verbraucherschützer fordern eine Entlastung für alle Heizarten – aktuell profitieren nur Gaskunden.

Verbraucherschützer fordern eine Entlastung für alle Heizarten – aktuell profitieren nur Gaskunden.

Foto: Ingo Bartussek / Verbraucherzentrale NRW

Kreuztal.  „Das ist mehr als das Doppelte“: Bärbel Töpfer aus Kreuztal kann sich die stark gestiegenen Preise für Holz und Öl aktuell kaum leisten.

Die Energiekrise macht vielen schwer zu schaffen. Während sich die Bundesregierung auf eine Gaspreisbremse geeinigt hat, schauen Heizöl- und Holzkunden in die Röhre. Spezielle Entlastungen für sie sind bislang nicht geplant, obwohl die Kosten angestiegen sind. Die Kreuztalerin Bärbel Töpfer ist eine der Betroffenen.

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Die Not bei den Verbrauchern

Bärbel Töpfer findet es ungerecht, dass nur Gasverbraucher von dem Entlastungspaket profitieren. Die 68-Jährige besitzt eine Ölheizung und einen Holzofen. Sie bezieht nur eine kleine Witwenrente. Die gestiegenen Energiepreise für Öl sind für sie nur schwer zu stemmen. „Für 1500 Liter Öl habe ich im Herbst knapp 2300 Euro gezahlt und damit komme ich nicht mal über das ganze Jahr“, berichtet sie. Letztes Jahr habe der Preis für den Liter noch 70 Cent betragen, zum Zeitpunkt des Ölkaufs lag er bei 1,53 Euro. „Das ist mehr als das Doppelte“, beklagt die Rentnerin.

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Beim Holz sieht es dieses Jahr nicht besser aus, für sechs Festmeter Holz hat Bärbel Töpfer 800 Euro zahlen müssen. „Das sind 140 Euro pro Festmeter“, rechnet sie vor. Letztes Jahr habe der Festmeter nur 90 Euro gekostet. „Und darüber verliert keiner ein Wort. Die Regierung spricht immer nur davon die Gaskunden zu entlasten“, ärgert sich Töpfer. Sie wünscht sich von der Politik auch Entlastungen für Verbraucher von Heizöl oder Holz.

Verbraucherschutzzentrale stimmt zu

Die Verbraucherschutzzentrale NRW sieht das genauso. „Auch wir kritisieren, dass es bis jetzt keinen konkreten Entlastungsmaßnahmen für andere Heizarten gibt“, sagt Udo Sieverding, Bereichsleiter für Energie bei der Verbraucherzentrale NRW. „Wir sehen da dringenden politischen Handlungsbedarf, denn das ist eine Ungleichbehandlung und diese Benachteiligung darf nicht sein.“ Die von der Regierung einberufene Gaspreiskommission habe sich auch schon dazu geäußert und auf die ungerechte Verteilung hingewiesen. „Dass diese Verbraucher nicht unberücksichtigt bleiben, ist ein großes Anliegen unserer Verbraucherzentrale.“

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Die Bundesregierung plant derzeit keine konkrete Ausweitung der Entlastungsmaßnahmen für andere Energieformen als Gas. Ölheizungsbesitzer zahlen aktuell etwa 16 Cent pro Kilowattstunde Energie, der Gaspreisdeckel liegt bei zwölf Cent pro Kilowattstunde. „Eine adäquate Entlastung für Ölheizungsbesitzer wäre daher nur gerecht“, sagt Udo Sieverding.

Bärbel Töpfer hat schon darüber nachgedacht, ihre alte Ölheizung zu ersetzen. Noch sei ihre Heizung aber gut in Schuss. „Ich sehe es nicht ein, jetzt noch zusätzlich das Geld dafür aufzubringen, um meine Heizung zu erneuern“, sagt sie. Diese Kosten könne sie sich aktuell auch gar nicht leisten. „Das Umrüsten ist für viele Verbraucher schwierig, ein kompletter Heizungsaustausch ist kostspielig und für die meisten durch die gestiegenen Kosten in allen Lebensbereichen nicht realisierbar“, räumt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale ein.

Der Nutzen der aktuellen Maßnahmen

Sieverding kann zwar verstehen, warum vorrangig Gaskunden entlastet werden: „Bei Gas sprechen wir von einer anderen Dimension als bei Heizöl oder Pellets. Diese Verbraucher haben prozentual die größere Kostensteigerung gehabt.“ Außerdem seien die Gaskunden eine große Betroffenengruppe. „50 Prozent der Haushalte in Deutschland heizen mit Gas“, so der Experte. Aber es gebe eben auch noch viele alte Ölheizungen bundesweit.

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Generell sei es für viele Verbraucher nicht einfach, denn auch der Strom ist um ein Vielfaches teuer geworden“, sagt der Verbraucherschützer. „In allen Lebensbereichen macht sich die Inflation mittlerweile bemerkbar, aber meine Rente werde nur einmal im Jahr um ein paar Prozent erhöht“, bestätigt Bärbel Töpfer.

Die Verbraucherschutzzentrale befürwortet die für nächstes Jahr geplante Strompreisbremse, da davon alle Kunden gleichermaßen profitieren können. Sie kritisiert aber, dass der Strompreis erst bei 40 Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werde soll – das sei keine wirkliche finanzielle Entlastung. „Viele Stromtarife liegen aktuell noch unter diesem Betrag. Die Strompreisbremse wäre dann nur eine Sicherheit für die Verbraucher, dass es nicht noch teurer für sie“, stellt Udo Sieverding fest.

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