Naziverbrechen

Erinnerungen an die Siegener Familie Stern

Goldhochzeit von Meyer Leser Stern und Sara (geb. Lenneberg) am 6. Oktober 1920. Stehend, v.l.: Anna Buchthal (geb. Stern), Jenny Loewenberg (geb. Stern), Julius Stern, Annie Loewenberg (verh. Jacob), Richard Loewenberg, Betty Stern, Ernst Loewenberg, Hermann Stern, Emil Stern, Gertrud Stern (geb. Cohn); sitzend: Jakob Loewenberg, Sara und Meyer Leser Stern, Henny Stern (geb. Lenneberg), Käthe Stern und Kurt Stern.

Foto: privat

Goldhochzeit von Meyer Leser Stern und Sara (geb. Lenneberg) am 6. Oktober 1920. Stehend, v.l.: Anna Buchthal (geb. Stern), Jenny Loewenberg (geb. Stern), Julius Stern, Annie Loewenberg (verh. Jacob), Richard Loewenberg, Betty Stern, Ernst Loewenberg, Hermann Stern, Emil Stern, Gertrud Stern (geb. Cohn); sitzend: Jakob Loewenberg, Sara und Meyer Leser Stern, Henny Stern (geb. Lenneberg), Käthe Stern und Kurt Stern. Foto: privat

Siegen/Attendorn.   Stolpersteine erinnern in Attendorn an die Ermordung der in Siegen geborenen Geschwister Stern. Ihre Lebens- und Leidenswege sind dokumentiert.

Verfolgt, ermordet, in den Freitod getrieben: Stolpersteine erinnern in Attendorn an das Schicksal von Mitgliedern der Siegener Familie Stern zur Zeit des Nazi-Regimes. Mitglieder des Aktiven Museums Südwestfalen und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit begaben sich bei einem Rundgang durch das „jüdische Attendorn“ auf Spurensuche.

Hartmut Hosenfeld betreute die Gäste aus dem Siegerland gemeinsam mit Tom Kleine, verantwortlich für die städtische Öffentlichkeitsarbeit. Anfang Mai wurde der pensionierte Lehrer Hosenfeld, der sich seit vielen Jahren um die Aufarbeitung der jüdischen Schicksale verdient gemacht hat, für sein Engagement mit dem Bürgerpreis der Stadt Attendorn 2016 ausgezeichnet.

Nach Attendorn umgezogen

Nach mehreren Etappen gelangte die Gruppe zur Wasserstraße 1 – 2, dem ehemaligen Standort des Geschäfts Raphael Lenneberg. Das Kaufhaus war im südlichen Sauerland renommiert und – für damalige Verhältnisse noch ungewöhnlich – in allen Stockwerken mit Fahrstühlen ausgestattet. Vor dem Gebäude liegen insgesamt fünf Stolpersteine, drei davon sind Hermann, Emil und Betty Stern gewidmet. Die Geschwister wurden in Siegen geboren, lebten seit 1900 beziehungsweise 1902 in Attendorn und waren Kinder von Meyer Leser Stern und seiner Frau Sara, geb. Lenneberg.

Meyer Leser Stern hatte ein Geschäft an der Sandstraße, wo heute das Möbelhaus Wonnemann steht. Er war außerdem 1884 Gründer der Siegener Synagogengemeinde und 30 Jahre lang ihr Vorsteher.

Hermann Stern heiratete Henny Lenneberg. Die beiden hatten drei Söhne, die rechtzeitig auswandern konnten. Nach Hennys Tod heiratete Hermann deren Schwester Emilie. Das Paar wurde im Juli 1942 nach Minsk deportiert und ermordet.

Emil und Betty Stern sollten am 27. Juli 1942 nach Theresienstadt „evakuiert“ werden. Sie wählten den Freitod mittels stark wirkendem Schlafmittel, wie Traute Fries vom Aktiven Museum recherchierte. Betty war jedoch nur bewusstlos und wurde in diesem Zustand auf Anordnung der Gestapo von der Sanitätskolonne des Roten Kreuzes nach Dortmund transportiert. Im Gestapogefängnis Steinwache soll sie zwei Tage später gestorben sein. Emil Stern wurde auf dem jüdischen Friedhof in Attendorn bestattet. Es war die letzte Bestattung dort.

Erna Falk geb. Cohn aus Attendorn ist der fünfte Stolperstein gewidmet . Sie und ihre kleine Tochter Rahel Mathel (5 Jahre) wurden umgebracht.

>>>>INFO

Das neue Halbjahresprogramm der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland (CJZ) ist erschienen.

10. September, 19 Uhr: Sommerkonzert „Lerne lachen ohne zu weinen“ im Gemeindehaus der Ev. Martini-Kirchengemeinde Siegen. Roswitha Dasch und Ulrich Raue präsentieren Texte und Musik von Tucholsky.

12. September, 19 Uhr: „Jüdische Witze“, präsentiert von Hella Goldbach, im CJZ-Büro, Häutebachweg 6. Der Eintritt ist frei!

18. September, 19.30 Uhr: Vortrag „Populismus und Rechtsextremismus: Gefahren für Deutschland? – zur aktuellen Lage“ des Berliner Autors Olaf Sundermeyer. Ort: EFG Weststraße, Weststraße 11, Siegen.

28. September, 19.30 Uhr: Das Viktoria in Dahlbruch zeigt den Film „Boris Dorfman: A Mentsh“ mit anschließender Podiumsdiskussion.

10. Oktober, 19 Uhr: Vortrag von Mathias Weissinger, Pfarrer i.R. aus Kreuztal, zum Reformationsjubiläum im CJZ-Büro: „Betrachtungen zu Heinrich Heines Bild des Riesen Martin Luther“.

Das komplette Programm: www.cjz-siegen.de . Anmeldung: 0271/2 01 00

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