Versuchter Mord

Flüchtlingsheim angezündet: Prozessauftakt gegen Wilnsdorfer

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Der 36-jährige Angeklagte soll die Asylbewerberunterkunft mit 16 Bewohnern angezündet haben.

Der 36-jährige Angeklagte soll die Asylbewerberunterkunft mit 16 Bewohnern angezündet haben.

Foto: Mike Röser

Siegen.  Der Prozess gegen einen 36-jährigen Mann aus Wilnsdorf wegen versuchtem Mord hat begonnen. Er soll eine Asylunterkunft angezündet haben.

Von Mai bis September 2016 wurden die Bewohner der Asylunterkunft in Flammersbach drei Mal durch unangenehme Vorgänge aufgeschreckt. Zunächst prangten Hakenkreuze an den Außenwänden, dann gab es einen Drohbrief und schließlich den Versuch, von außen in der Küche Feuer zu legen.

Für die Siegener Staatsanwaltschaft ist ein 36-Jähriger aus der Nachbarschaft der Urheber all dieser Vorfälle, seit gestern beschäftigt sich das Schwurgericht damit.

Drohungen und anonyme E-Mails

Eigentlich hatte das Verfahren Ende März beginnen sollen, war aber nach wenigen Minuten vertagt worden. Die Verteidiger versuchten, eine Aussetzung wegen Verhandlungsunfähigkeit ihres Mandanten B. zu erreichen. Auch gestern verzögerte sich der Auftakt, bis der Sachverständige Dr. Bernd Roggenwallner dem B. bescheinigte, zumindest in der Stunde, in der er ihn untersucht hatte, fit gewesen zu sein. Alles andere müsse beobachtet werden.

Danach konnte Oberstaatsanwalt Christian Kuhli die Einzelheiten der Anklage verlesen. B. soll in der Nacht auf den 15. Mai 2016 zwei Hakenkreuze an die Unterkunft gemalt haben, ein drittes samt kryptischen Zahlen-Buchstabenkombinationen auf einen Stein, der vor der Tür gefunden wurde.

Ein ähnlicher Stein fand sich in der Nacht zum 13. August als Beschwerer für einen Brief, in dem die „dreckigen Ausländer“ aufgefordert wurden, Deutschland zu verlassen, sonst würden sie wie „dreckige Hunde“ getötet. Das sei die „letzte Warnung“.

Versuchter Mord durch Brandstiftung

Im September stellten Bewohner in der Küche Geruch nach Benzin fest und fanden vor dem Fenster eine zwei Meter lange Dachlatte, an deren Spitze eine Flasche mit Brandbeschleuniger befestigt war. Außerdem wurde eine teils verbrannte Kordel gefunden, die offenbar als Lunte hatte dienen sollen.

Drei Menschen lebten im Raum neben der Küche, 13 weitere im Obergeschoss. Die Anklage lautet auf versuchte schwere Brandstiftung und versuchten Mord.

Nach ausgiebiger Befragung der Nachbarn waren die Beamten auf den Angeklagten gestoßen. B. hatte sich den Polizisten gegenüber „merkwürdig“ einsilbig gezeigt. Anlieger beschrieben ihn als Urheber anderer anonymer Schreiben, die in diversen Briefkästen aufgetaucht waren und das Thema Ruhestörung zum Inhalt hatten.

2015 war zudem einmal eine einstweilige Verfügung gegen den jungen Mann ergangen, nachdem er zwei jungen Mädchen Briefe sexuellen Inhalts geschrieben haben sollte.

Angstzustände in Stresssituationen

Inhaltlich habe das alles zusammengepasst, sagte eine Beamtin der Mordkommission: Schreiben, die mit höflicher Anrede begannen und dann immer unfreundlicher wurden.

So waren zudem diverse E-Mails verfasst, die anonym bei der Siegener Polizei eingingen und Ruhestörungen in der Asylunterkunft zum Thema hatten. Ein weiterer wichtiger Beweis für die Staatsanwaltschaft: DNA-Spuren des B. wurden an dem Stein sowie an der Lunte nachgewiesen.

Der Mandant bestreite die gesamte Anklage und vor allem den Nachweis seiner DNA, stellte Verteidiger Hans-Peter Maas fest. Gegenüber dem Sachverständigen hatte er am Morgen von einer bei ihm diagnostizierten schizophrenen Psychose gesprochen, er leide in Stresssituationen an Angstzuständen, fühle sich immer wieder bedroht und verfolgt. Ein Rechtsextremist sei er nicht, er verabscheue diese Einstellung vielmehr.

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