Nachhaltigkeit

Foodsharing Siegen rettet Lebensmittel vor der Mülltonne

Malte Niessing und seine Mitstreiter haben insgesamt über eine Tonne Backwaren von der Bäckerei Koch abgeholt. Claudia Hofmann-Gerloff, Mitarbeiterin im Café Bienenstich am Siegener Bahnhof gibt’s gern.

Malte Niessing und seine Mitstreiter haben insgesamt über eine Tonne Backwaren von der Bäckerei Koch abgeholt. Claudia Hofmann-Gerloff, Mitarbeiterin im Café Bienenstich am Siegener Bahnhof gibt’s gern.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Foodsharing Siegen setzt sich dafür ein, Nahrung nachhaltig zu produzieren. Die Initiative holt überschüssiges Essen ab und verteilt es kostenlos.

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Es geht einzig und allein darum, Essen nicht zu verschwenden: Die Initiative Foodsharing Siegen rettet Lebensmittel vor der Abfalltonne und verteilt die Nahrung an die Allgemeinheit. Dazu kooperiert die Gemeinschaft mit derzeit acht Siegener Betrieben, die ihre überzähligen, noch genießbaren, aber nicht mehr verkäuflichen Lebensmittel zur Verfügung stellen. Spitzenreiter ist in Siegen die Bäckerei Koch: Mehr als eine Tonne Backwaren hat das Unternehmen bereits an Foodsharing Siegen gespendet, die sich die Öffentlichkeit auf dem Greenspace am Effertsufer abholen kann.

Die Essensretter

„Bitte bedient Euch, wir haben mehr als genug!“ Malte Niessing hat den Inhalt von sechs vollgepackten Körben auf dem Gelände ausgebreitet: Brote, Brötchen, Kuchen, Teilchen. Mehrmals pro Woche holen die Foodsaver, so nennen sich die Essensretter, Lebensmittel von der Bäckerei Koch ab. „Wir haben keinen karitativen Anspruch, jeder kann kommen“, sagt Foodsaver Malte Niessing, der regelmäßig Lebensmittel abholt. Als offizieller Foodsaver des Foodsharing-Vereins mit Sitz in Berlin übernimmt er damit die Verantwortung für die Lebensmittel – Rechtssicherheit für die Spenderbetriebe.

Das Konzept sieht sich als Ergänzung zur Tafel: Auch kleinste Mengen können spontan abgeholt werden. Bei Betrieben, die mit der Tafel kooperieren, stelle man sich hinten an. Registrierte Foodsharer können sich als Abholer engagieren oder eigene Lebensmittel zur Abholung anmelden; wenn der Kühlschrank vor dem Urlaub noch voll ist zum Beispiel. „Die meisten Lebensmittel werden privat verschwendet“, sagt Foodsaverin Lisa Villioth. Es gehe auch um einen bewussteren Konsum: Schon wenn die Leute über ihr Einkaufsverhalten nachdenken, sei viel erreicht, findet sie.

Die Foodsharer

„Ach, Du magst gar keine Rosinen?!“ Julia Burkhert hat ihren Bruder mitgenommen – und versehentlich die falschen Brötchen ausgesucht. Das „Erstzugriffsrecht“, im Fachjargon „First Pick“, haben die Foodsaver, die das Essen von den Betrieben holen – dann sind die Foodsharer an der Reihe, angemeldete Mitglieder der Community. Am „Rest“, immer noch ziemlich umfangreich, kann sich bedienen, wer möchte. „Wir sind so erzogen worden“, sagt Julia Burkhert, „uns wurde beigebracht, dass man Essen nicht verschwendet.“

Die Abnehmer

„Ich bin überwältigt.“ Eine Frau aus Siegen hatte über Bekannte von dem Angebot am Effertsufer gehört und war neugierig. „Ich weiß, dass viele Lebensmittel einfach weggeworfen werden, aber dass so viel gespendet wird – das habe ich noch nie gesehen“, staunt sie. „Ich weiß das sehr zu schätzen“, sagt sie zu Niessing und Villioth, verstaut ihre Brötchentüte auf dem Fahrradgepäckträger und verspricht, künftig öfter vorbeizukommen. „Bitte nur drei Teile auf einmal“, sagt Malte Niessing – und wer schon an der Reihe war, stellt sich brav wieder hinten an. „Ich habe mir etwas zum Frühstücken geholt“, sagt eine Frau, die von Gegenüber zum Greenspace gekommen ist. „Erst habe ich mich gar nicht hergetraut“, erzählt sie, „bis mir eine Nachbarin sagte, dass jeder kommen kann.“

Der Kooperationsbetrieb

„Gute Sache, da machen wir mit.“ Für Astrid Steuber-Koch, Inhaberin der Bäckerei Koch, gar keine Frage. Das Unternehmen unterstützt die Siegener Tafel, die Wohnungslosenhilfe der Diakonie und bietet den aufgeschobenen Kaffee für Bedürftige an. „Ein Unternehmen mit Herz“, sagt Mitarbeiterin Claudia Hofmann-Gerloff, als Malte Niessing mit der Urkunde für 1000 Kilo gespendete Lebensmittel im Café Bienenstich vorbeischaut. „Ich arbeite sehr gerne hier“, das ist Hofmann-Gerloff noch wichtig zu sagen, bevor sie die Foodsaver mit sechs Brotkisten belädt. „Die Kunden möchten auch kurz vor Feierabend noch eine gewisse Auswahl“, sagt Diane Ennenbach, Verwaltung der Bäckerei. „Und bevor frische Lebensmittel weggeworfen werden, bekommen es doch besser Menschen, die es gebrauchen können.“

Der Fair-Teiler

Von sechs Brotkörben ist noch einer da, den verstauen Villioth und Niessing im öffentlich zugänglichen Fair-Teiler, einer Hütte auf dem Gelände, Tag und Nacht geöffnet. Bis zum Morgen wird auch die sechste Kiste leer sein. „Es ist noch nie vorgekommen“, sagt Lisa Villioth, „dass morgens noch etwas da ist.“

Ein öffentliches Treffen der Essensretter findet am Donnerstag, 3. November, im Scoutopia Siegen, Weidenauer Straße 167, statt.

Infos und Verteiltermine auf www.facebook.com/foodsharingsiegen.

Potenzielle Foodsharer melden sich an auf foodsharing.de.

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