Weltretter-Serie

Foodsharing: Siegener retten Lebensmittel und teilen Essen

Elisa Osoria und Enis Bottenberg sind Foodsaver.  Finden sie Abnehmer für Bohnen und Tunfisch, die Antonia Jost nicht mehr mag?

Elisa Osoria und Enis Bottenberg sind Foodsaver.  Finden sie Abnehmer für Bohnen und Tunfisch, die Antonia Jost nicht mehr mag?

Foto: Antonia Jost

Siegen.  Antonia Jost hat zu viel eingekauft: Sie gibt ihre Lebensmittel bei einem der Fair-Teiler in Siegen ab und spricht mit zwei Ehrenamtlichen.

Ich bin sehr schlecht darin, Lebensmittelmengen abzuschätzen. Wenn ich Nudeln koche, dann entweder viel zu wenig oder viel zu viel – auch bei Kartoffeln würde mir oft die Hälfte eines Beutels reichen, der Rest treibt nach einigen Wochen im Küchenschrank schon Keime.

Doch wie kann man diesem Problem entgegenwirken? Die Antwort ist ein Wort, das inzwischen beinahe jedem geläufig ist: Foodsharing (auf Deutsch: Essen teilen). In so genannten Fairteilern können Lebensmittel, die übrig bleiben oder zu viel gekocht wurden, ganz einfach mit anderen geteilt werden, die vielleicht noch auf der Suche nach einem besonderen Abendessen sind. Und das Lebensmittelretten geht sogar in noch größerem Stil.

Die Foodsaver

Enis Bottenberg und Elisa Osoria sind Foodsaver und „retten“ Lebensmittel aus Betrieben, die beispielsweise solche Nahrungsmittel aussortieren, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind. Dabei hat Foodsharing zwei wichtige Aspekt: „Einmal Essen teilen und einmal Lebensmittel retten“, so Elisa. Beide sind über ihr persönliches Interesse an der Nachhaltigkeit zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit gekommen. Für Enis, der schon mit Carsharing (ein Auto mit mehreren Menschen teilen) und Couchsurfing (die eigene Couch als Schlafplatz für Durchreisende anbieten) Erfahrungen gemacht hat, war das nur der nächste Schritt: „Weil ich dann schon im Gedanken des Teilens drin war, war ich für Foodsharing sehr empfänglich und dachte: Wow, da kann man ja auch noch Essen teilen!“

Elisa wurde von ihrer eigenen Familie beeinflusst. Sie erzählt: „Meine Uroma hat schon, als ich noch ein kleines Kind war, containert und damit mein Bewusstsein dafür geschaffen hat, dass man Lebensmittel nicht immer wegwerfen muss.“ Elisa macht allerdings auch klar. „Wir distanzieren uns vom Containern, aber trotzdem hat mich dieser Gedanke nicht mehr losgelassen, und als ich dann von Foodsharing gehört habe, fand ich das direkt cool.“ Beide sind vor drei Jahren über die regelmäßigen Treffen der Organisation Foodsharing Siegen dann zu aktiven Foodsavern geworden – mit Erfolg: Elisa hat in diesem Zeitraum bereits drei Tonnen Lebensmittel gerettet.

Die Fair-Teiler

Die geretteten Lebensmittel kommen dann in die Fairteiler in Siegen. Einer befindet sich im Uni-Gebäude Herrengarten 3 in der zweiten Etage, der andere am Campus Adolf-Reichwein-Straße im Café Chaos -- bedie nicht nur für Studierende. Elisa erklärt zum Fair-Teiler im Herrengarten: „Jeder kann ihn von montags bis freitags nutzen.“ Wer etwas in den Fair-Teiler legt, hat über die Foodsharing-Plattform die Möglichkeit, die jeweiligen Lebensmittel auch dort anzugeben. So wissen die Interessierten in der Umgebung direkt Bescheid.

Überwiegend werden Brot, Obst und Gemüse auf diese Weise geteilt. Und dieses Angebot wird genutzt: „Meistens ist der Fair-Teiler nach zwei Stunden schon wieder leer“, so Enis. Elisa hat die Erfahrung gemacht, dass der Fair-Teiler im Café Chaos nicht nur bei Studis beliebt ist: „Ich bekomme ganz oft mit, dass sich auch Dozenten darüber freuen, dass sie da ihr Biobrot rausholen können.“ Nicht in den Fair-Teiler gehören Fleisch, Eier, Käse, Sahne und Produkte mit roher Milch – eben alles, was schnell verderblich ist oder schimmeln kann.

Auch die beiden Foodsaver machen Gebrauch von der Möglichkeit des Teilens. „Ich hab mir vorhin noch Auberginen, Zucchini und Gurke aus dem Fairteiler geholt“, grinst Enis. Auch ich habe zu unserem Treffen etwas mitgebracht, das bei mir zuhause nicht gegessen wird: eine Dose Tunfisch und eine Dose Bohnen in Tomatensoße. Beides steht seit mehreren Monaten in meinem Schrank und da ich sowieso nie Lust darauf habe – warum nicht einfach teilen?

Die Zukunft

Den Gedanken würden die beiden gerne weiter verbreiten. „Ich habe das Gefühl, dass Foodsharing an einem Punkt angekommen ist, wo es etwas stagniert“, sagt Elisa und führt weiter aus: „Diejenigen, die mitmachen wollen, machen schon mit, und die, die es cool finden, leider nicht. Wir würden auch gerne noch größer werden und mit mehr Läden kooperieren, aber dafür fehlen uns einfach noch Leute.“ Eine eindeutige Botschaft also: Wer sich für das Essenteilen interessiert, sollte den nächsten Schritt gehen. Ich werde mich auf jeden Fall gleich auf der Foodsharing-Website anmelden – und nächstes Mal meine Nudeln teilen.

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