Stadtentwicklung

Freudenberg: Park Siebels Garten soll nicht zugebaut werden

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Siebels Park in Freudenberg: Bebauen oder erhalten? 

Siebels Park in Freudenberg: Bebauen oder erhalten? 

Foto: Konrad Wingenroth

Freudenberg.  Fünf Jahre nach dem ersten Anlauf gibt es einen neuen Versuch, Siebels Park am Rand der Freudenberger Altstadt zu bebauen – und Protest dagegen.

Siebels Garten kommt wieder auf die Tagesordnung der Politik: Der Eigentümer möchte auf der Grünanlage zwischen Oranienstraße und Krottorfer Straße – neben dem Globus-Parkhaus – 16 Wohnungen bauen: sechs in einem Mehrfamilienhaus, die anderen in vier Einzelhäusern. Bereits 2017 lag für den Garten ein Plan mit 29 Wohnungen auf dem Tisch; dieser wurde nach heftigem Anlieger-Protest vom Stadtentwicklungsausschuss abgelehnt. Die Verwaltung schlägt nun vor, den Bebauungsplan nach dem Wunsch des Eigentümers zu ändern.

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Verwaltung: „Gewollte städtebauliche Entwicklung“

Beraten muss der Stadtentwicklungsausschuss allerdings auch über die mit mehreren Unterschriftenlisten unterstützte Bürgeranregung, den Bebauungsplan nicht zu ändern und das Vorkaufsrecht für die Stadt auszuüben. Dieses Vorkaufsrecht hat sich die Stadt in ihrer Erhaltungssatzung für sechs Altstadtbereiche eingeräumt, unter anderem für den „Erhalt der Fläche des sogenannten ‘Siebels Park’ als parkähnliche Gartenfläche oder bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen eine behutsame Nachverdichtung mit einer zurückhaltenden Bebauung“.

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Die Verwaltung weist darauf hin, dass die – umgerechnet – 44 Wohnungen je Hektar unter der Bebauungsdichte am Gambachsweg (58) oder auf dem ehemaligen Bauhofsgelände (81) liegt. „Auch unter Berücksichtigung des vorgenannten Ziels der Erhaltungssatzung ist die geplante Bebauung eine vom Rat der Stadt Freudenberg gewollte städtebauliche Entwicklung.“ Wenn der Rat diese Bebauung nicht wünsche, könne er auf die Änderung des Bebauungsplans verzichten, ohne dass die Stadt die Fläche deshalb kaufen müsse.

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Anlieger: Bebauung bringt mehr Verkehr in Freudenberger Altstadt

Konrad Wingenroth ist einer der Sprecher aus der Bürgerschaft, die den Bau eines „Wohnparks Am Alten Flecken“ ablehnen. Die Fläche sei Grüngürtel und seitliche begrünte Abgrenzung zum Denkmalbereich Alter Flecken.

„Maßgebend sind hier zugleich Aspekte des Klimaschutzes und der Klimafolgenanpassung,“ ergänzt Karin Schwartz. Würde in dem angesprochenen Bereich eine umfassende Wohnbebauung zugelassen, wäre damit eine weitreichende Versiegelung verbunden. Viele Städte bemühten sich derzeit Bauflächen freizuräumen, um der Natur im Innenbereich wieder den notwendigen Raum zu geben. „Es wäre völlig unverständlich, wenn die Stadt Freudenberg den gegenläufigen Weg entgegen allen Empfehlungen für einen aktiven Umweltschutz einschlagen würde.“ Marco Sorgi empfindet es als Widerspruch, wenn Rechtsabbieger geradezu in Richtung Altstadt gelenkt würden, wobei doch gleichzeitig Maßnahmen für einen „autoarmen Alten Flecken“ auf der Tagesordnung stünden.

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Gartenersatz – Kaum Grünflächen in der Freudenberger Altstadt

Für Michael Arns ist ein weiterer Aspekt von Bedeutung: „Die Altstadt-Bewohner verfügen bis auf ganz wenige Ausnahmen über keine Freifläche bei ihrem Haus, die einen Gartencharakter hätte.“ Die Erhaltung der Grünfläche „Siebels Park“ würde es erlauben, eine Zukunftssicherung für eine vitale Altstadt zu erreichen. Der heute so bezeichnete Siebels Park wird im Urkataster von 1841 als „Bicken Garten“ bezeichnet. Das Schloss Freudenberg war 1389 an die Herren von Bicken verpfändet worden.: Damit die Bewohner des Fleckens hier leben konnten, benötigten sie für Vorratszwecke die ringförmig um den Siedlungsbereich angelegten Scheunen, aber ebenso Freiflächen als Gärten und Obsthöfe für ihre Versorgung mit Lebensmitteln. Dieser „Grün-Bereich“ war für den Alte Flecken lebenswichtig. „Auch heute sollte diese historische räumliche Gliederung respektiert werden,“ so Konrad Wingenroth.

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