Saisoneröffnung

Freudenberger Technikmuseum wird zur Puppenkiste

Die Augsburger Puppenkiste hatte in den 70 Jahren ihres Bestehens auch viele Märchen auf dem Spielplan. Einige Szenen sind in der Freudenberger Ausstellung aufgebaut – etwa der Froschkönig.

Die Augsburger Puppenkiste hatte in den 70 Jahren ihres Bestehens auch viele Märchen auf dem Spielplan. Einige Szenen sind in der Freudenberger Ausstellung aufgebaut – etwa der Froschkönig.

Foto: Michael Kunz

Freudenberg.   Die Ausstellung zur Augsburger Puppenkiste steht in Freudenberg im Mittelpunkt der Saisoneröffnung im Technikmuseum. Auch das Urmel ist dabei.

„Guck mal, da ist das Urmel. Das Urmeli!“, ruft ein Mädchen. Die junge Dame ist nicht viel älter als elf oder zwölf, aber das grüne Dinobaby von der Insel Titiwu ist ihr trotzdem ein Begriff. Dabei hatte zumindest die Marionettenversion, die seit Sonntag im Freudenberger Technikmuseum zu sehen ist, vor langen 49 Jahren Premiere, und die Produktionen der Augsburger Puppenkiste gehören schon ewig nicht mehr zum Standardprogramm des Haussenders HR.

„Jim Knopf, Urmel & Co. 70 Jahre Augsburger Puppenkiste – Die Ausstellung“, ist bis Ende Oktober in Freudenberg zu sehen und zu erleben. Dabei zeigt das Interesse, das schon am Sonntag zur Eröffnung – im Rahmen des allgemeinen Saisonauftakts – zu registrieren war, dass sich die Faszination der Figuren und Geschichten eben doch längst vom Fernsehen und ihrer Ursprungszeit gelöst hat. Die Freudenberger mussten gewisse Kompromisse eingehen und konnten nicht jede „Legende“ bekommen.

Schwerpunkt: Jim Knopf

„In Augsburg gibt es auch seit einiger Zeit ein Museum, und die Figuren können nicht einfach so ausgeliehen werden“, erklärt Organisator Alexander Fischbach. „Deshalb wurde versucht, eine Mischung aus bekannten und weniger vertrauten Figuren zu schaffen.“ Lokführer Lukas und Jim Knopf gebe es beispielsweise doppelt. Die Exemplare in Freudenberg stammen aus der ersten Verfilmung von 1961, „für die farbige Fassung wurden neue Figuren geschnitzt“.

Das Urmel ist ebenfalls da, ansonsten geht das ausgestellte „Personal“ eher in andere Bereiche. Märchen sind stark vertreten, wie der „Sängerkrieg der Heidehasen“, Hauffs „Das kalte Herz“, der Grimmsche „Froschkönig“ oder die „Stadtmusikanten“; dazu kommen Charakterpuppen aus den Kabarett- und sonstigen Produktionen, mit denen sich das Augsburger Kulttheater heute vor Ort die Zuneigung der Zuschauer erhält.

Ein Kuka-Roboter

Selbst Frankensteins Monster ist zu sehen und ein Superman, der angesichts seiner sehr langen Haare in den frühen 90er Jahren entstanden sein muss, als er in den damaligen Comics so aussah. In der großen Halle gibt es noch einen Kuka-Roboter, der eine Marionette auf ganz eigene Weise in Bewegung bringt.

Der Schwerpunkt liegt unübersehbar auf dem Thema Jim Knopf. Die Figurenvitrinen, die über eineinhalb Wochen von den Puppenspielern selbst eingerichtet wurden, reihen sich um das Originalmodell von Lummerland und eine sehr große „Emma“, die von den Freudenbergern selbst nachgebaut wurde, namentlich durch Wolfgang Denker. Die qualmt aus dem Schornstein und ist ansonsten mit zwei Bildschirmen ausgestattet, auf denen Ausschnitte aus Puppenkisten-Klassikern sowie Hintergrundberichte zu sehen sind. Aus denen erklingen auch ständig die bekannten Ohrwürmer, wie die „Insel mit zwei Bergen“.

Neue Figuren und Kulissen

Hinten rechts gibt es einen Einblick in die Puppenwerkstatt, der dem Begriff „Quadratschädel“ eine völlig neue Bedeutung gibt. Dazu kommen im Obergeschoss ein kleines Kinozelt und der Bahnhof von Lummerland. Der stammt aus dem Freilichtbühnenstück von 2017. Auch das Urmel war dort vor einigen Jahren zu sehen. Und schließlich hat die Garteneisenbahn auf dem Außengelände einen „Lummerland-Umbau“ erfahren.

Im Laufe des Sommers werden weitere Kulissen und Figuren zu sehen sein. „Ich bin mit ‚Schlupp vom grünen Stern‘ aufgewachsen“, sagt Fischbach – und weiß also schon, welche Charaktere er unbedingt noch haben möchte. Vielleicht klappt es ja auch noch mit Bill Bo oder Kater Mikesch. Jedenfalls lohne es sich, immer mal wieder vorbeizuschauen. Und auf jeden Fall werde es eine ganz besondere Finissage geben, verspricht der Pressesprecher.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben