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Gegen das Ladensterben: Bürger-Aktion im Gerberpark startet

Die meisten Geschäfte im Hilchenbacher Gerberpark stehen leer. Eine Bäckerei, ein Bekleidungsgeschäft sowie einen Spielzeugladen gibt es derzeit, Stand Juli 2019, noch dort. Ende des Monats soll noch ein Fahrradhändler in den Pavillon ziehen.

Die meisten Geschäfte im Hilchenbacher Gerberpark stehen leer. Eine Bäckerei, ein Bekleidungsgeschäft sowie einen Spielzeugladen gibt es derzeit, Stand Juli 2019, noch dort. Ende des Monats soll noch ein Fahrradhändler in den Pavillon ziehen.

Foto: Kai Osthoff

Hilchenbach.  Die Hilchenbacherin Antje Krämer startet eine Mitmach-Aktion im Hilchenbacher Gerberpark: Jeden Tag im August gestalten Bürger das Programm.

Antje Krämer will in Hilchenbach zum Umdenken animieren und etwas verändern – unkompliziert und mit der Hilfe vieler anderer Hilchenbacher Bürger. Das Ladensterben stört sie, besonders im Gerberpark. Nur noch drei kleine Läden gibt es dort: Spielzeugkiste, Hafer Back und Ernsting’s family. Doch seit dem Wegzug einer großen Supermarktkette fehlt den Läden wichtige Laufkundschaft. Die Politik rede viel, doch es passiere wenig, findet Antje Krämer. Deshalb ruft die 42-Jährige zu einer Mitmach-Aktion unter dem Motto „Bürger & Stadt für den Einzelhandel in Hilchenbach“ auf. „Wir wollen der Stadt zeigen, dass die Hilchenbacher anpacken wollen für ihre Stadt.“

Was ist geplant?

Jeden Tag im August soll es verschiedene Aktionen vor Ort von unterschiedlichen Bürgern, Institutionen, Gruppen und Händlern geben. Das Wochenprogramm wird Antje Krämer immer eine Woche vor Start veröffentlichen – per Flyer und über Facebook in den verschiedenen Hilchenbacher Gruppen. So kann auch kurzfristig noch an dem Programm gefeilt werden. Der neue Betreiber des Gerberparks, die Monheimer Cinthia Real Estate, stellt kostenlos eine 118 Quadratmeter große Aktionsfläche, in der früher ein Computergeschäft und die Post untergebracht waren, zur Verfügung. Außerdem soll es kostenlos Kaffee und Kuchen geben – gespendet von Hilchenbachern für Hilchenbacher.

Wie sieht das Programm aus?

Jeden Vormittag von 9.30 bis 11.30 Uhr wird es einen Indoorspielplatz geben. Die Idee dazu stammt von Wirtschaftsförderer Kyrillos Kaioglidis; umgesetzt wird die Aktion von der Spielzeugkiste. „Ich habe selbst eine Tochter und habe an Regentage gedacht“, erzählt Kyrillos Kaioglidis. „Da ist so ein Indoorspielplatz glaube ich keine schlechte Idee.“ Der Hintergrund sei allerdings gewesen, etwas anzubieten, das die Kunden-Frequenz in der benachbarten Spielzeugkiste erhöht. Wichtig beim Spielplatz: „Aus Versicherungsgründen brauche ich viele Aufsichten“, sagt Antje Krämer. Eltern können sich bei kostenlosem, gespendeten Kuchen und Kaffee stärken, während sie einen Blick auf die Kleinen haben.

Das Nachmittagsprogramm wird bunt. Am 1. August geht es los mit Kinderschminken und Glitzertattoos von 16 bis 17.30 Uhr. Vielleicht, so Antje Krämer, werden auch die Raubritter vor Ort sein. Generell sei der Nachmittag offen für alle: „Es kommen ganz tolle Sachen an mich heran“, sagt die Initiatorin. Von der Jugendfeuerwehr über Filz- und Bastel-Workshops bis zu Aktionen, bei denen Senioren und Kinder gemeinsam Zeit verbringen, ist alles dabei. Auch die Musikschule möchte eine Aktion anbieten. Und die Organisatorin hofft auf viele weitere Helfer.

Warum ist das wichtig?

„Nicht nur in Hilchenbach, sondern überall müssen kleine Händler und Unternehmen aufgeben, da der Internethandel boomt und Preise nicht mit der Existenz eines Ladens zu vereinbaren sind. Wie viel sind uns Beratung, das Gespräch von Mensch zu Mensch und ein Stadtbummel wert?“, sagt die Mutter von zwei Kleinkindern, die gebürtig aus Oldenburg kommt und der Liebe wegen nach Hilchenbach kam. Es liege auch an der persönlichen Einstellung, welche Schwerpunkte man lege. „Auch, wenn es beim Einzelhändler vielleicht zwei Euro mehr kostet oder der Laden 20 Meter in der anderen Fahrtrichtung liegt, sollte man als Verbraucher weiter denken und es für eine weiterhin schöne Stadt tun“, sagt die Mutter zum Thema Einkaufen vor Ort.

Ihr Ziel: „Wir wollen zu einem tollen Projekt beitragen und es schaffen, im Gerberpark wieder für Laufkundschaft zu sorgen. Außerdem ist die Aktion ein schönes gesellschaftliches Ding.“

Ist das rechtlich abgesichert? Und wie steht die Stadt dazu?

„Das Event ist vertraglich durch die Stadt Hilchenbach, den neuen Besitzer des Gerberparks und die Geschäftsführerin der Spielzeugkiste gesichert und findet den ganzen August statt“, sagt Antje Krämer. Es besteht eine Haftpflichtversicherung für den geplanten Indoorspielplatz.

Wirtschaftsförderer Kyrillos Kaioglidis begrüßt die Aktion und hat im Vorfeld mit seiner Abteilung geholfen. Er hat sich um den Versicherungsschutz und die kostenfreie Nutzung der Immobilie gekümmert. Außerdem, so Kaioglidis, helfe die Stadt beim Marketing. Sie gestaltet und druckt Plakate und Flyer. „Auch den Fallschutz für den Spielplatz haben wir besorgt.“ Generell sei aber Antje Krämer federführend. Das Tolle an dieser Eigeninitiative: „Auch andere Gewerbetreibende werden sich dort einbringen. Es ist eine schöne Sache, wenn sich Einzelhändler zusammenschließen.“

Wer macht alles mit?

„Außer den Bürgern beteiligen sich auch die Händler, Dienstleister und Institutionen mit Spenden und Aktionen“, sagt Antje Krämer. Eine Metzgerei stellt Bänke und Tische zur Verfügung, ein Tabakgeschäft aktuelle Zeitschriften, ein Blumenladen frische Blumen, eine Apotheke sorgt für Pflaster – die Händler bringen sich ein und haben Lust auf die Aktion. Nicht zuletzt, weil Antje Krämer in den vergangenen Wochen mit vielen das persönliche Gespräch gesucht hat. Sie putzt Klinken, damit in den Gerberpark wieder Leben kommt.

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