Offensive

Gegen Rechts stark machen: Kleinstpartei nicht unterschätzen

VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein stellt sich gegen III. Weg.

VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein stellt sich gegen III. Weg.

Foto: Michael Kunz

Siegen.  VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein warnt in der Siegener Innenstadt offensiv vor der Gefahr durch die Kleinstpartei „III. Weg“.

Viel lieber hätten sie ja am Kölner Tor gestanden an diesem Samstag. Das sei aber nicht genehmigt worden, wegen des Weihnachtsmarktes, obwohl der doch noch gar nicht stehe, wundert sich Joe Mertens. Der VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein möchte die Siegener an diesem 9. November 2019 – 80 Jahre nach dem Tag, an dem der braune Mob in ganz Deutschland gegen Synagogen und jüdische Einrichtungen wütete – mit einer Info-Aktion nunmehr auf der Siegbrücke noch einmal auf die Aktivitäten des nationalistischen „III. Weg“ aufmerksam machen, die von den Aktivisten als deutlich gefährlicher eingeschätzt werden, als dies der Öffentlichkeit bewusst sei.

Mertens erinnert an 2010 und daran, dass sich der „Siegener Antifaschistische Ratschlag“, ein Zusammenschluss unterschiedlicher Gruppierungen, auch damals an die Öffentlichkeit gewandt habe, „um auf die bis dato fast unbemerkt gebliebenen Gewalttaten der sogenannten Freien Nationalisten Siegerland (FNSI) aufmerksam zu machen“. Das sei schließlich auch gelungen, bedeute aber überhaupt nicht, dass die rechten Täter damit verschwunden seien.

Viele Parallelen zu Freien Nationalisten Siegerland erkennbar

Vielmehr sehen Mertens und seine Mitstreiter heute beim „III. Weg“ viele Parallelen, die aber nicht erkannt würden. Dabei sei der Name schon mehr als verdächtig nah am „3. Reich“. Er vermisst die Bezüge und Nachweise etwa im dreijährig aufgestellten Extremismusbericht des Kreises und klagt darüber, dass die Vertreter der rechten Gruppierung etwa immer wieder den CSD massiv störten, fleißig bei jeder Gelegenheit Fotos von linken Aktivisten machten, „während wir umgekehrt bei deren Aktionen auf der anderen Straßenseite bleiben müssen“.

Mertens zeigt einen dicken Ordner mit Material über „Heldengedenken“ und andere Maßnahmen des „III. Weg“, auch eine verdeckte Sammelaktion für das Siegener Tierheim, deren wahre Hintergründe damals nicht aufgefallen seien; einen Ordner, der Polizei und Landrat auch übergeben worden sei. Trotzdem sei wenig geschehen, sieht der Vertreter des VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein nach wie vor zu wenige kraftvolle Maßnahmen der Ordnungsbehörden.

„Bündnis gegen Rechts“ sei zu weich geworden

Das seinerzeit gegründete breite „Bündnis gegen Rechts“ sei leider schon viel zu weich geworden. Es müsse aber dringend etwas geschehen, fordert Mertens und klagt über die ständigen Klischees und Phrasen auf allen Seiten, die keinerlei Wirkung erzielten. Vielleicht sei der Mörder von Politiker Walter Lübke ja objektiv ein Einzeltäter, aber es gebe Kaderschmieden im Hintergrund und eine viel stärkere Vernetzung der extremen Rechten, als die Öffentlichkeit das wahrhaben wolle.

Die Hoffnung, als „Siegener Antifaschistische Ratschlag - Reloaded“ mit den Bürgern darüber ins Gespräch zu kommen, erfüllte sich in einzelnen Fällen. Das große Interesse blieb hingegen am Wochenendein der Innenstadt aus. Trotz der kleinen Ausstellung über die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma im Kreisgebiet.

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