Justiz

Geisteskranker Siegener muss dauerhaft in die Psychiatrie

Eine Bewährung kommt für das Siegener Schwurgericht nicht in Frage.

Eine Bewährung kommt für das Siegener Schwurgericht nicht in Frage.

Foto: Kurt Michelis

Siegen.   Auch starke Medikamente bleiben bei dem Mann ohne Wirkung: Das Landgericht Siegen ordnet Unterbringung an. Eigene Familie lebte in Angst.

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Keine Chance auf Bewährung. Zumindest aktuell nicht. Der 27-jährige Siegener, der sich wegen diverser völlig unprovozierter Attacken gegen Passanten oder Mitfahrer im Bus vor dem Landgericht Siegen verantworten musste, wird in der LWL-Klinik in Lippstadt bleiben, in der er bereits seit August aufgrund einer vorläufigen Einweisung lebt. Am Donnerstag, 6. Dezember, ordnete das Schwurgericht die offizielle Unterbringung an.

Die Kammer schloss sich damit der Einschätzung des Sachverständigen Dr. Bernd Roggenwallner an, der dem jungen Mann eine schwere schizophrene Psychose attestiert hatte und für alle angeklagten Taten von gestörter Steuerungsfähigkeit ausging. Der Angeklagte war danach wegen Schuldunfähigkeit freizusprechen, aber einzuweisen, so Richterin Elfriede Dreisbach.

Nachts schreiend durchs Haus gelaufen

Seit einigen Jahren leide der Siegener bereits an der Krankheit, sei nie ambulant behandelt worden und zeige keine Einsicht, so die Begründung. Nach Abbruch einer Lehre vor einigen Jahren habe der nun Verurteilte „nichts mehr gemacht, außer rumhängen und Drogen besorgen“. Seine Familie habe schon früh Veränderungen festgestellt; Angst vor dem Sohn und Bruder gehabt, der nachts durch das Haus streife und schreie. Erst sei er zum Schlafen in einen Stall verbannt worden, schließlich ganz ausgezogen und danach buchstäblich verwahrlost.

Mit Drogen sei er bereits früh in Berührung gekommen und habe regelmäßig konsumiert, mit großem Genuss, wie er immer betonte. Das habe einen schlechten Einfluss auf seine Krankheit und deren Behandlung. Leider habe er nach der Entlassung aus der vorherigen Unterbringung im Februar 2018 sofort wieder mit dem Konsum begonnen: „Es wäre besser, er würde das sein lassen!“ Der Sachverständige hatte betont, es liege ein Hang zur Einnahme diverser Drogen vor, allerdings keine direkte Abhängigkeit. Dr. Roggenwallner unterstrich dabei jedoch die negativen Auswirkungen von Drogenkonsum bei einer akuten Psychose.

Betroffene willkürlich ausgesucht

Die halte leider an, es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass die bislang verabreichten Medikamente die geringste Heilungswirkung zeigten, bedauerte Dreisbach. Die Kammer habe nach dem Plädoyer von Verteidigerin Tanja Hilpert durchaus an eine Bewährung gedacht, „es geht aber noch nicht.“ Es gebe keinerlei Anhaltspunkte, warum der Mann schlage. Er höre Stimmen, habe aber nicht deutlich machen können, von diesen zur Gewalt getrieben zu werden. Es lägen keine Hinweise vor, dass die Opfer in irgendeiner Weise als Bedrohung Teil seiner Wahnwelt geworden seien.

Er habe die Betroffenen willkürlich, aufgrund spontaner Impulse ausgesucht und auch „nicht nur angetippt“. Die grundsätzliche Einordnung der Taten als „einfache Körperverletzungen“ mache sein Verhalten nicht ungefährlicher. Auch einfache Schläge könnten gravierende Folgen haben. Die Entscheidung werde regelmäßig überprüft. Vielleicht geht es schon in zwei Jahren mit der Bewährung“, ermunterte Richterin Elfriede Dreisbach den Siegener, sich aktiv an seiner Heilung zu beteiligen. Zunächst müsse aber die richtige Medikation für ihn gefunden werden und diese vor allem auch Wirkung auf die Erkrankung zeigen. „Es tut uns leid. Aber wir konnten nichts anderes machen“, betonte sie noch einmal.

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