Café Basico Kreuztal

Gema zieht im Kreuztaler Tango-Lokschuppen den Stecker

Seit 2014 ist das Café Basico im alten Lokschuppen Veranstaltungsort – auch für Angebote des städtischen Kulturamts und als Schauplatz für das Rudelsingen.

Seit 2014 ist das Café Basico im alten Lokschuppen Veranstaltungsort – auch für Angebote des städtischen Kulturamts und als Schauplatz für das Rudelsingen.

Foto: Steffen Schwab

Kreuztal.  „Musiknutzungsverbot“ trifft Tango-Veranstaltungen im Basico. Künstler, die keine Verträge mit der Verwertungsgesellschaft schließen, sagen ab.

Das Café Basico im alten Langlokschuppen am Kreuztaler Bahnhof ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt – nicht zuletzt, weil sich das Ehepaar Eva und Klaus Vetter mit Tango-Veranstaltungen einen Namen gemacht hat. Der Ort ist ungewöhnlich und hat ein besonderes Flair. Doch in letzter Zeit haben die Betreiber zunehmend mit Problemen zu kämpfen. Darüber hat Klaus Vetter nun dem Kulturausschuss berichtet.

Wo liegt das Problem?

„Die Gema ist seit Anfang 2017 ein ärgerliches Dauerthema“, sagte Vetter. Als er und seine Frau das Café Basico 2006 in Siegen eröffnet haben, hatten sie eine Vereinbarung mit der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte Gema geschlossen. Diese Vereinbarung galt auch, als das Café umzog nach Kreuztal. Doch vor einigen Jahren habe sich die Gema neu strukturiert, langjährige Ansprechpartner seien gekündigt worden, ein Standort in Dortmund geschlossen – und auch die Vereinbarung sei plötzlich nichtig gewesen.

Warum ist das ein Problem?

„Alle Künstler müssen es jetzt wieder selbst abrechnen“, sagt Klaus Vetter. Vorher habe er das pauschal machen können. Besonders für Künstler, die nur vor einem kleinen Publikum auftreten würden, stehen Aufwand und Kosten nicht mehr im Verhältnis zum möglichen Ertrag. Die Konsequenz: Sie sagen ab. „Wir haben einen Gema-Knick. Kleine, schöne Veranstaltungen fallen weg“, resümiert Klaus Vetter. Umso schöner sei es nun, dass die Kooperation mit dem Kulturamt bestehe.

Darüber hinaus hat das Café Basico seit dem 1. Januar 2018 ein Musiknutzungsverbot – ein riesiges Problem für einen Betrieb, der Tanz anbietet. „Da hängt viel dran für uns.“ Man habe sich daran nicht halten können, ohne die Existenz zu gefährden.

Und weiter?

Durch den Wegfall der Vereinbarung ist der Druck auf das Ehepaar größer geworden. Eigentlich wollten sie in der Sitzung des Ausschusses einen Rückblick auf das vergangene Jahr geben. Das vorzubereiten sei zeitlich aber nicht möglich gewesen. Denn mit der Gema stehe eine gerichtliche Auseinandersetzung an. Meldungen, die das Ehepaar an die Gema geschickt habe, seien im Nirwana verschwunden. Sogenannte Rechercheabteilungen der Gema hätten zwar keine Rechnungen, aber dafür viele Mahnungen geschickt. „Die durchsuchen zum Beispiel Facebook und schauen dort nach angekündigten Veranstaltungen, die nicht gemeldet sind“, sagt Vetter. Dann werden hohe Gebühren fällig. Ansprechpartner habe es nicht mehr gegeben. Nun musste das Paar auf die Schnelle alle Daten der vergangenen fünf Jahre aufarbeiten. Die Beiden sind sich aber sicher: „Die Gema agiert von ganz dünnem Eis aus.“ Vetter ist froh, dass es nun zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung komme, damit das Thema endlich geklärt werde.

Kulturamtsleiter Holger Glasmachers kann diese Erfahrungen nur bestätigen: „Die Gema ist ein Staat im Staat. Die agieren, wie sie wollen“, sagt er. Die Zustände seien teilweise unhaltbar. Auch er müsse mitunter sechs Monate lang auf Rechnungen warten. „Das ist überaus unprofessionell.“

Wie läuft es sonst im Café Basico?

Das Angebot komme sehr gut an. „Wir fühlen uns sehr wohl und haben bereits mehr als 1000 Veranstaltungen und Workshops gemacht“, sagt Vetter. Der Bereich der Kultur erhole sich langsam wieder, die Räumlichkeiten werden oft gebucht. „Wir wollen aber in Zukunft mehr Platzhalter für Kultur und Tango schaffen“, sagt Vetter. Denn für seine mehrtägigen Tango-Events sei das Café Basico deutschlandweit bekannt.

Einen Wunsch haben Klaus und Eva Vetter aber auch. „Wenn die Zuwegung am Gleis entlang realisiert werden könnte, dann wäre das toll“, sagt Klaus Vetter. Alles sei wunderbar. Doch einige Besucher hätten Orientierungsprobleme. Seit die Bäume gefällt wurden, würden viele unter der HTS parken, obwohl das Café Basico eigene Plätze vorweisen kann. Sobald die Arbeiten an der Straße angegangen werden würden, sei das Ehepaar auch bereit, Geld in die Sanierung der Hofoberfläche zu stecken. Dann seien auch die lästigen Pfützen Vergangenheit . „Wir haben Rücklagen gebildet.“

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