Archäologie

Gerhardsseifen gibt Einblick in drei Epochen

Friedrich Schmidt (links) erläutert Mitgliedern des Kulturausschusses das Projekt im Bereich Gerhardsseifen. Noch ist die Ausgrabungsstätte mit Planen bedeckt.Entstehen soll ein Schutz- und Präsentationsbau.

Foto: Florian Adam

Friedrich Schmidt (links) erläutert Mitgliedern des Kulturausschusses das Projekt im Bereich Gerhardsseifen. Noch ist die Ausgrabungsstätte mit Planen bedeckt.Entstehen soll ein Schutz- und Präsentationsbau. Foto: Florian Adam

Niederschelden.   Die keltische Verhüttungswerkstatt Gerhardsseifen gilt als Ausgrabungsstätte von europäischem Rang. Ein Schutz- und Präsentationsbau soll das Areal aufwerten

Unter unscheinbaren Plastikplanen im Wald ruht eine Ausgrabungsstätte von „europäischem Rang“: So ist es in der Verwaltungsvorlage zur keltischen Verhüttungswerkstatt Gerhardsseifen formuliert, und sehen es auch die Mitglieder des Kulturausschusses. Diese empfahlen dem Rat gestern einstimmig, insgesamt 60 000 Euro – aufgeteilt auf je 30 000 Euro in den Jahren 2018 und 2019 – für die Errichtung eines Schutz- und Präsentationsbaus Areal zur Verfügung zu stellen.

„Wir stehen hier mitten in einem Industriegebiet – in einem keltenzeitlichen“, erklärte Christian Weber, Koordinator des Projekts „Ein Siegerländer Tal“ den Ausschussmitgliedern beim Ortstermin. Tatsächlich steht die Gruppe mitten im Wald, doch im 3. Jahrhundert vor Christus sei das Gebiet ein wirtschaftlicher Hotspot gewesen.

Neue Wege der Präsentation

Die Archäologen, die in den Jahren 2009 bis 2012 unter Leitung von Dr. Jennifer Garner (Deutsches Bergbau-Museum Bochum) und Dr. Manuel Zeiler (LWL-Archäologie für Westfalen) die Ausgrabungen im Dreiborntal vornahmen, fanden aber noch etwas Anderes – und das ist es, was diese Fundstätte so herausragend macht: Außer den Relikten einer Verhüttungswerkstatt der Eisenzeit auch noch eine aus dem 8. bis 10. Jahrhundert und einen Köhlerplatz aus dem 17. Jahrhundert.

Der Ort sei herausragend, „weil nicht nur Spuren aus einer Epoche entdeckt wurden“, sagt Friedrich Schmidt, Vorsitzender der Heimat- und Verschönerungsgruppe Niederschelden, die sich für Erhalt und Herrichtung der Ausgrabungsstätte einsetzt. „Die Menschen haben diesen Standort immer wieder gewählt, ohne zu vernichten, was vorher geschaffen wurde.“ Der Schutzbau, der entstehen soll, soll die Besonderheiten des Ortes nicht nur dauerhaft konservieren, sondern auch zugänglich machen und Besuchern die Hintergründe erläutern. Entstehen soll ein so genannter außerschulischer Lernort für Schulen, eine Anlaufstelle für Wissenschaftler und eine Attraktion für interessierte Bürger.

Auch deshalb ist das Vorhaben in das größere Projekt „Ein Siegerländer Tal“ eingeordnet, zu dem sich die Heimatvereine Oberschelden, Gosenbach, Niederschelderhütte und Brachbach, die Heimatgruppe Niederschelden, der Bürgerverein Mudersbach und diverse weitere Akteure zusammengetan haben. Ziel ist es, historisch bedeutsame Stätten zu vernetzen und in Beziehung zu setzen, um gemeinschaftlich ein größeres und vielschichtigeres Angebot machen zu können. Wichtiger Punkt sind neue Wege der Ansprache, um ein breiteres Publikum zu erreichen – weg von rein traditionellen und auf einzelne Orte bezogenen Präsentationsformen, hin zu einer modernen Ansprüchen genügenden Gesamtdarstellung: zum „Heimatverein 2.0“, wie es in der Projektbeschreibung heißt.

Gesamtkosten von 370 000 Euro

Die Verhüttungswerkstatt Gerhardsseifen soll eine dieser Stationen sein. Insgesamt, so schätzt die Verwaltung, wird der Schutz- und Präsentationsbau rund 370 000 Euro kosten. Gedeckt werden sollen diese, so die momentane Planung, über Bundesmittel, Sponsorengelder, Mittel des Heimatbundes, des Kreises Siegen-Wittgenstein und den 60 000 Euro der Stadt Siegen. Damit würde im Idealfall auch der Weg geebnet zu Fördermitteln der NRW-Stiftung. Wenn alles wie geplant läuft, wäre der Start im Sommer 2018, die Fertigstellung im Sommer 2019 möglich.

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