Theater

Gesamtschule Eiserfeld zeigt „Briefe an Bäume und Wolken“

Gee whiz!, die Theatergruppe der Gesamtschule Eiserfeld, zeigt "Briefe an Bäume und Wolken" von Matéi Visniec in der Aula der Schule.

Foto: Florian Adam

Gee whiz!, die Theatergruppe der Gesamtschule Eiserfeld, zeigt "Briefe an Bäume und Wolken" von Matéi Visniec in der Aula der Schule. Foto: Florian Adam

Eiserfeld.   „Gee whiz!“, die Theatergruppe der Gesamtschule Eiserfeld, bringt eine ungewöhnliche Collage auf die Bühne: Das Absurde und das Intensive.

Irgendwann wirkt selbst das Geräusch des eigenen Herzschlags tödlich. Eine unheilbare Krankheit macht auch kleinste akustische Reize zum lebensbedrohlichen Risiko, die Menschen fliehen davor in Isolation und Stille. Doch selbst dort sind sie nicht sicher. Vor dem eigenen Puls lässt sich nicht fliehen.

Die Szene ist eine von sieben, aus denen „Briefe an Bäumen und Wolken“ besteht, das fünfte Stück von „gee whiz!“, der Theatergruppe der Gesamtschule Eiserfeld. Die Vorlage aus der Feder des rumänisch-französischen Autors Matei Vișniec ist eigenwillig, da sie keine Geschichte erzählt, sondern mit einzelnen Bildern arbeitet.

Mutige Stückauswahl

Es sei ein Wagnis, diesen Stoff auf die Bühne zu bringen, „total!“, sagt Lutz Krämer. Er ist Lehrer an der Gesamtschule und betreut die Theater-AG, Spielleitung und Regie teilt er sich diesmal mit Meike Krämer, die in früheren Produktionen selbst auf der Bühne stand. „Wir haben selbst lange gebraucht, um zu sehen, was in einigen Bildern drinsteckt.“

Den einfachen Weg ist „gee whiz!“ aber auch bei den bisherigen vier Inszenierungen nicht gegangen, weder was die Stückauswahl, noch was die Umsetzung angeht. Mit Erfolg: Unter anderem gab es 2014 beim 12. Schultheaterfestival Bonn/Rhein-Sieg einen ersten Preis in der Kategorie Sprechtheater für die Eiserfelder Version von Jan Sobries „Remember me“. Diesmal erfolgte die Stückauswahl auch unter der Perspektive, das sich die Vorlage für Körper- und Bewegungstheater eignen soll. Und sie sollte einen Bezug zur Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen haben, erläutert Krämer.

Die Szene, in der Geräusche zunehmend tödliche Wirkung entwickeln, ist an dieser Realität näher dran, als es spontan den Anschein haben mag. „Kinder merken sehr schnell, wenn etwas mit Erwachsenen nicht stimmt“, beschreibt Krämer den Ausgangspunkt des Stücks. Eine Welt, in der jeder noch so banale Klang des Alltags töten kann (mutmaßlich, weil er zum finalen Overload führt) ist zweifellos eine äußerst erwachsene Dystopie – sofern Geräusche in ihrer Allgegenwärtigkeit als Allegorie auf Anforderungen verstanden werden.

Die anderen Szenen sind nicht unbedingt leichter zugänglich: Ein Mann wacht morgens auf und ist nach eigenem Bekunden komplett leer – womit seine Mitmenschen nicht umgehen können; in einer Straße taucht plötzlich ein Konzertflügel auf, der die Anwohner erst zueinander finden lässt – woraufhin sie sich in überbordende Fantasien hineinsteigern. Und dann sind da die leichteren Episoden, die kindlicheren: Ein Junge schreibt einen Brief an die Wolken, in denen er seine Träume sieht; oder ein Junge, der verliebt ist, bittet die Vögel, der Angebeteten davon zu berichteten – und der gleichzeitig zu schüchtern ist, um sich ihr zu erkennen zu geben.

Sehr metaphorisch

Absurdes Theater ist es nicht, sagt Krämer, wohl aber Theater mit absurden Zügen. Das Ensemble, Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 6 bis 12, nimmt diesen Aspekt ins Spiel hinein. Einige Figuren sind bewusst überzeichnet; um die Abbildung realen Geschehens geht es nicht. Die Realität liegt viel mehr in dem, was zum Ausdruck gebracht wird – sehr metaphorisch, fast traumhaft.

Die Darsteller sind in schlichtes Grau gekleidet, weiß geschminkt, übernehmen jeder mehrere Rollen. Sie sind wie die Wolken, denen in einer Szene ein Brief gewidmet wird: Sie formen Bilder und eröffnen Assoziationen. Sowohl im Anschluss an die beiden öffentlichen Vorführungen als auch an die drei Schulaufführungen gibt es darum das Angebot von Nachgesprächen fürs Publikum, um mit dem Ensemble über das Stück zu reden. Und Gesprächsstoff liefert „gee whiz!“ mit „Briefe an Bäume und Wolken“ auf jeden Fall.

>>> INFO zur Aufführung

Premiere hat „Briefe an Bäume und Wolken“ am Dienstag, 25. April. Die zweite Aufführung ist am Donnerstag, 27. April. Beide Male geht es in der Aula der Gesamtschule Eiserfeld, Talsbachstraße 33, um 19 Uhr los, Karten gibt es jeweils an der Abendkasse.

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