Störfall

Gestankwolken plagen Menschen in Krombach und Eichen

Die Brauerei beherrscht das Krombacher Ortsbild – und in diesen Tagen nicht nur Augen, sondern auch Nasen.

Die Brauerei beherrscht das Krombacher Ortsbild – und in diesen Tagen nicht nur Augen, sondern auch Nasen.

Foto: Hans Blossey

Krombach/Eichen.  Passanten wird übel: Beißender Gestank breitet sich seit Tagen über den nördlichen Kreuztaler Stadtteilen aus. Die Ursache ist jetzt gefunden.

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Ein Störfall in der Abwasservorbehandlungsanlage der Krombacher Brauerei ist schuld an dem Gestank, der die Menschen im Littfetal anscheinend schon seit einigen Tagen plagt. Als „beißend und grausam stinkend“ bezeichnet der in Stendenbach wohnende CDU-Fraktionschef Arne Siebel die Belästigung. Passanten und Bewohner klagten über Kreislaufprobleme, Schwindel und Übelkeit. Auf dem Kundenparkplatz des Lidl-Discounters, hinter dem sich die Anlage befindet, habe sich eine Kundin sogar übergeben müssen, „als sich wieder so eine Wolke Raum verschafft“ habe.

Im Rathaus, so erfuhr Siebel, liefen die Telefonleitungen seit Tagen mit Anliegerbeschwerden heiß: „Das muss man doch handeln.“ Zumal das Problem nicht neu ist: Erst im vorigen Jahr hatte die Stadt einen Gutachter beauftragt. Mit einer Eisen-3-Chlorid-Zugabe will die Brauerei seitdem bereits an der eigenen Anlage in Krombach verhindern, dass sich dort Schwefelwasserstoff bildet. Gegen die im Kanalnetz und in der Kläranlage verbleibende Geruchsbelastung ließ die Stadt im Klärwerk Aktivkohlefilter einbauen. „Da wurde einiges getan“, sagt Stadtbaurat Eberhard Vogel, „und das lief in den letzten anderthalb Jahren auch relativ gut.“

Nicht nur die Brauerei hat manchmal Probleme

Einfach war die Ursachensuche auch diesmal nicht. Zwar gibt es besagte Vorkläranlage der Brauerei – aber der Gestank hat es an sich, raumgreifend und auch nicht immer gleich zu sein. In Frage kommen tatsächlich Abwässer, die beim Brauen entstehen. Aber auch Abwässer des ebenfalls in Krombach ansässigen Umwelttechnikunternehmens Lindenschmidt haben in der Vergangenheit schon einmal für Probleme gesorgt. Aus dem Kreis möglicher Verursacher ausgeschieden ist die Lackfabrik, die die entsprechenden Anlagen von Grund auf saniert hat.

Der Geruch zieht seine Spur – entlang der Bahnlinie, sodass die Ladung von Güterwaggons zu betrachten ist, und durch die Kanäle. Arne Siebel berichtet von Gullis am Eichener Wendenhof: Dort zieht die Abluft, obwohl dei Stadt die Deckel verschließen ließ, in die Büros. Und über die Gebläse in den Innenraum von Autos, wenn die beim Einfädeln auf die B 517 über dem Gulli zu stehen kommen.

„Es ist nicht einfach, eine eindeutige Quelle zu finden“, sagt Torsten Manges, Sprecher der Kreisverwaltung, wo das Umweltamt eine der möglichen zuständigen Behörden ist. Auch bei der Bezirksregierung könnten verschiedenen Dienststellen der Abteilung Umwelt und Arbeitsschutz zuständig sein, sagt Sprecherin Anna Carla Springob: „Das wird derzeit geprüft.“

Störfall bei der Abwasservorbehandlung

Am Freitagmorgen hat die Brauerei selbst die Lösung gefunden: Bei der Inbetriebnahme eines Misch- und Ausgleichsbeckens in der Abwasservorbehandlungsanlage sei es zu einem Störfall gekommen. Das hätten Messungen und Analysen ergeben, die nach den Hinweisen aus der Bevölkerung vorgenommen worden seien. „Unterstützt wurden wir hierbei von der Stadt Kreuztal.“ Dieses Becken werde im Laufe der kommenden Woche außer Betrieb genommen und durch ein anderes ersetzt, „um das Geruchsproblem schnellstmöglich zu lösen“. Das Unternehmen sei dankbar für die Hinweise, heißt es in der Stellungnahme. „Wir möchten uns für die Geruchsbelästigung entschuldigen.“

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