Operette

Goldene Zeiten mit „Im weißen Rössl“ auf der Apollo-Bühne

„Im weißen Rössl“ am Wolfgangsee: Das Apollo-Theater zeigt in Koproduktion mit dem Fach Musik der Universität Siegen die Operette von 1930: nostalgisch, bunt, berauschend. 

„Im weißen Rössl“ am Wolfgangsee: Das Apollo-Theater zeigt in Koproduktion mit dem Fach Musik der Universität Siegen die Operette von 1930: nostalgisch, bunt, berauschend. 

Foto: Florian Adam

Siegen.   Das Apollo-Theater und das Fach Musik der Universität Siegen bringen gemeinsam die Operette „Im weißen Rössl“ auf die Bühne. Großes Kino!

Für die Einen sei es Kult. Für die Anderen „unsagbarer Kitsch“. Werner Hahn, Leiter der Reihe „Junges Apollo“ (JAp), macht direkt zwei Dinge klar, wenn er über „Im weißen Rössl“ spricht: Kalt lässt die fast 90 Jahre alte Operette niemanden. Und mit vermeintlichem Kitsch haben weder das Apollo-Theater noch das Fach Musik der Universität Siegen Berührungsängste – weil ihre Koproduktion des Singspiels so berauschend ist, dass sie selbst den derbsten Miesmachern locker ins Gesicht lacht. Am morgigen Samstag, 9. Februar, ist Premiere.

Das Stück

„Im weißen Rössl“ ist eines der am häufigsten auf die Bühne gebrachten Singspiele überhaupt. Seit 1945 habe es mehr als 1000 Produktionen gegeben, sagt Werner Hahn – wohlbemerkt „Produktionen, nicht Aufführungen“. Hinzu kommen mehrere Verfilmungen, unter anderem von 1960 mit Peter Alexander, Waltraut Haas und Gunther Philipp. Geschrieben haben das Stück Hans Müller und Erik Charell, die Musik ist in weiten Teilen von Ralph Benatzky. Uraufführung war 1930. Unter den Nazis war das Stück wegen der beteiligten jüdischen Autoren verboten.

Das Ensemble

Auf der Bühne agieren überwiegend – aber nicht nur – Studentinnen und Studenten der Uni Siegen. Sie spielen und singen die Hauptrollen; der 50-köpfige Uni-Chor und das Uni-Orchester unter Leitung von Ute Debus sind dabei, außerdem wirken der Musikverein Neuenkleusheim, ein Zitherspieler aus München und Tänzerinnen und Tänzer der Ballett Meister Schule mit. Mit einem Werk wie dem Weißen Rössl bei so jungen Akteuren zu landen, sei nicht gerade ein Selbstläufer, räumt Werner Hahn ein – auf dessen Initiative das Projekt zurückgeht. „Es ist immer ein kleiner Kulturschock, wenn man mit dieser Idee ankommt. Und der war in diesem Fall schon groß“, scherzt Hahn, der auch Regie führt. „Aber ich habe Vertrauen in das Stück. Und ich habe Vertrauen in die Energie junger Menschen und darein, dass sie sich dafür entzünden lassen.“

Die Handlung

„Die Geschichte ist zusammengeklaut aus allen Herz-Schmerz-Angelegenheiten, die es so gibt“, sagt der Regisseur. Das ist nicht despektierlich gemeint, im Gegenteil: Die Handlung ist sympathisch und unterhaltsam, und genau das soll sie auch sein. Worauf es ankommt, sind ganz andere Qualitäten. An denen mangelt es dem Rössl gerade in dieser Version nicht, weil die Beteiligten in jedem Bereich viel Liebe und Charme in jedes Detail gepackt haben – mit einer natürlichen Ironie, die jedem Griesgram-Gezeter von Vorneherein den Wind aus den Segeln nimmt. Wer dem Stück unbedingt einen Hang zum Kitsch vorwerfen will, soll es doch tun! Was ändert das an einem tollen Abend, der lange in Erinnerung bleibt?

Die Inszenierung

„Wir siedeln es in einer 50er-Jahre-Fantasiewelt an“, erklärt Werner Hahn. Damit verbinde das heutige Publikum etwas Theatrales, leicht Überzeichnetes. Das zeigt sich im farbenfrohen Bühnenbild ebenso wie in den Kostümen. Die Outfits der Solisten hat Ursula Bottenberg geschneidert. Der Chor jedoch trägt alte Originalkleidung. „Die jungen Leute haben alles selbst aus Omas Schrank mitgebracht“, erläutert Hahn. „Und dabei auch gleich die Weiße-Rössl-Vergangenheit aufgearbeitet.“Das Publikum werde „gerade beim Chor echte Schmuckstücke auf der Bühne sehen. Es ist wie auf dem Dachboden stöbern und sich verkleiden.“

Die Musik

„Gassenhauer“ ist das Wort, mit dem Ute Debus es im Kern trifft. Die Lieder, die 1930 schon funktioniert haben, tun es immer noch. Prof. Martin Herchenröder, Werner Hahns Sohn Pascal sowie Studentinnen und Studenten haben die Stücke für die Besetzung des 40-köpfigen Uni-Orchesters arrangiert. 1930 wurde das Weiße Rössl – trotz der Wirtschaftskrise – „eine der größten Ausstattungsoperetten, die es überhaupt gibt“, erläutert Werner Hahn. Optimiert für das Große Schauspielhaus Berlin – und es war tatsächlich ein großes Haus – sei in der Originalfassung, die der Verlag noch immer vertreibt, „das Orchester entsprechend überdimensioniert“ gewesen. Die Apollo-Version sei nun „eine Mischung aus Salon-Musik und C-Orchester“. Was die Sache übrigens kein bisschen weniger mitreißend macht.

Die Aufführungen

„Wir haben uns hier etwas vorgenommen, was die Wände des Apollos sprengt“, kündigt Werner Hahn voller Überzeugung an. „Es ist toll, wie die jungen Menschen abgehen. Das macht uns zuversichtlich, dass auch das Siegener Publikum ausrasten wird.“

  • Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Siegerland gibt es hier.
  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben