Kunst

Grisebach-Aquarell zeigt Hilchenbacher Stadtgeschichte

Noch mit Autos — und mit vielen Bekannten: So hat Lothar Grisebach 1984/85 den Marktplatz gemalt.

Noch mit Autos — und mit vielen Bekannten: So hat Lothar Grisebach 1984/85 den Marktplatz gemalt.

Foto: Steffen Schwab

Hilchenbach.   Das Gemälde hängt seit einigen Tagen im Ratssaal. Zu sehen sind alte Bekannte – und Jung Stilling wurde ins Archiv verbannt.

Das Aquarell, das seit einigen Tagen den Hilchenbacher Ratssaal ziert, zeigt gute Bekannte, die über den Marktplatz spazieren — beziehungsweise an dessen Rand oder über den Zebrastreifen. Denn als Dr. Lothar Grisebach um 1984/85 für dieses Gemälde zum Pinsel griff, war der Markt noch Bundesstraße. „Additiv“ nennt Regine Stephan das Verfahren, das ihr ehemaliger Kunstlehrer sodann anwendete. Nach und nach standen die Menschen Modell, denen Dr. Grisebach einen Platz auf seiner Momentaufnahme zugedacht hatte.

Ans „Stilling“ aus Liebe zur Kunst

Vorneweg schreitet Stadtdirektor Dr. Hans Christhard Mahrenholz zu seinem Arbeitsplatz ins Rathaus, wenige Meter hinter ihm Stadtarchivar Friedrich Klein. Und so geht es weiter, lädt das Gemälde ein zum Wiederentdecken alter und damals noch junger Hilchenbacher — natürlich hat Dr. Grisebach sich und seine Ehefrau nicht vergessen. Denn das Bild hat er nicht für das Rathaus gemalt, wo es nun doch angekommen ist, sondern für einen befreundeten Kollegen. Studiendirektor Wolfgang Müller, 2015 gestorben, hinterließ drei Grisebachs: ein Porträt, ein Aquarell der Schule. Und eben das Marktplatz-Bild, das er Regine Stephan vermachte, der Vorsitzenden des inzwischen auch aufgelösten Ehemaligenvereins des einstigen Jung-Stilling-Gymnasiums.

Regine Stephan überreichte das Bild zu Beginn der letzten Ratssitzung ganz offiziell als Dauerleihgabe an Bürgermeister Holger Menzel. Ausgerechnet der Grunder Johann Heinrich Jung-Stilling (beziehungsweise sein Porträt), der Namensgeber des 2008 geschlossenen Gymnasiums, hat an der Wand Platz gemacht. Immerhin: Dr. Lothar Grisebach, 1910 in Jena geboren, wuchs in der Schweiz auf — im Hause seiner Großeltern in Davos ging Ernst Ludwig Kirchner ein und aus.

Erinnerungsausstellung in der Wilhelmsburg

Um malen und trotzdem seine Familie ernähren zu können, nahm der promovierte Physiker schließlich als 43-Jähriger eine Stelle in Hilchenbach an: Am Jung-Stilling-Gymnasium unterrichtete er als Kunsterzieher. Dr. Lothar Grisebach starb 1989. Seine in Hilchenbach lebenden Angehörigen ermöglichten 2016 eine Erinnerungsausstellung („Ein Maler in Hilchenbach“) in der Wilhelmsburg.

Das Aquarell im Ratssaal wurde bei seiner Präsentation nicht nur interessiert betrachtet. Sondern auch fotografiert. Grünen-Fraktionschef Dr. Peter Neuhaus glaubte zu wissen warum und wandte sich an den Bürgermeister: „Nicht dass du dich da auch noch reinmalst...“

>>>>INFO: Große Grunder und kleine Ratsherren

Jung-Stilling,der für das Grisebach-Aquarell gewichen ist, hängt nun an der Fensterseite des Ratssaals. Dort hat das Gruppenfoto, das vom Hilchenbacher Rat in der ehemaligen Partnergemeinde Ruinen angefertigt wurde, seinen Platz verloren. Es ist im Archiv gelandet — bei der Galerie der früheren Bürgermeister und Stadtdirektoren, die Holger Menzels Vorgänger Hans-Peter Hasenstab dorthin hatte entsorgen lassen.

  • Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben