Serie Leserfotografen

Gudrun Neuser findet Foto-Motive bei Radtouren im Siegerland

Gudrun Neuser stellt ihre Bilder auch aus – aktuell in der Hilchenbacher Celenus Klinik.

Gudrun Neuser stellt ihre Bilder auch aus – aktuell in der Hilchenbacher Celenus Klinik.

Foto: Woflgang Leipold

Siegerland.   Wenn Gudrun Neuser mit der Kamera loszieht, ist ihr Mann Wolfgang immer dabei. Gemeinsam entdecken sie das Siegerland durch den Kamerasucher neu.

„Meins war das erste“, sagt Gudrun Neuser. Damit meint sie das Leserfoto, das sie der damaligen Siegener Lokalredakteurin Ilka Wiese geschickt hatte. Das war im Sommer 2013. Das Thema des Fotos: „Der Himmel über Oberdielfen“. So begann eine Leserfoto-Serie, die sich inzwischen großer Beliebtheit erfreut.

Ihre erste Kamera kaufte Gudrun Neuser 1978 von ihrem Konfirmationsgeld: Marke Revue vom Versandhaus Quelle für 270 DM. „Damals eine Menge Geld.“ Die ersten Motive waren ihre Haustiere: „Wenn etwa kleine Enten geschlüpft waren, habe ich sie in die Badewanne gesetzt und fotografiert.“ Als Gudrun Neuser ihren Mann Wolfgang kennenlernte, verdoppelte sich die Foto-Leidenschaft: Der Gatte bastelte an seinem Elektro-Meisterbrief, um später die Firma der Familie in die 3. Generation zu führen. Wolfgang Neuser teilte die Fotoleidenschaft seiner Frau.

1996, während eines Urlaubs auf Kreta, brachten sie es auf über 20 Dia-Filme in 14 Tagen. Bei diesem Urlaub entwickelte sich bei den Neusers eine große Liebe zu dieser griechischen Insel. Inzwischen fahren sie mindestens zwei Mal im Jahr dorthin. Zuletzt im April. Gudrun Neuser: „Auf der Insel findet man 67 wilde Orchideenarten und Tulpen, die es nur dort gibt.“ Aus den Fotos haben sie ein wunderschönes Fotobuch entwickelt, das jedem Verlag zur Ehre gereichen würde.

Größte Stütze: Die Familie

Die meisten Foto-Motive findet Gudrun Neuser jedoch, wenn sie und ihr Mann mit ihren Fahrrädern im Siegerland unterwegs sind: „Wir brauchen für eine Strecke drei Stunden, die andere in 15 Minuten fahren.“ Doch sie bedauert diese Raser: „Die sagen manchmal nicht einmal Hallo und bekommen vom schönen Siegerland nichts mit.“

Gudrun Neuser lässt die Menschen der Region neben den Einsendungen an unsere Zeitung auch auf anderen Wegen an ihrer Fotokunst teilnehmen: Durch Ausstellungen. Vor einigen Monaten im Forsthaus Hohenroth und kürzlich in der Celenius-Klinik in Hilchenbach, die noch bis Ende Oktober zu sehen ist. Darauf ist sie stolz: „Ich habe schon am ersten Tag zwei Bilder verkauft.“

Beide Ausstellungen wollen den Besuchern auch zeigen, was Menschen trotz Handycaps leisten können. Nach einer Herz-Operation 1993 – da waren gerade ihre beiden Söhne geboren – hatte Gudrun Neuser 2005 eine massive Gehirnblutung, vier Jahre später eine weitere Operation wegen eines Gehirntumors. Dieses Schicksal verschweigt sie nicht: „Ich habe immer noch Glück gehabt. Ich gehöre zu den 35 Prozent derer, die eine solche Krankheit überlebt haben.“

Die größte Stütze in dieser schweren Zeit war ihre Familie: „Mein Mann ist in den zehn Wochen meiner Kur in Bad Laasphe jeden Tag gekommen, um mit mir das Laufen zu üben.“ Sie sieht in ihrer Krankheit auch Positives: „Die Söhne sind selbstständiger geworden, mein Mann weiß jetzt, wie man eine Waschmaschine bedient – und ich habe Fluchen gelernt.“

Fotografieren war zunächst nur eingeschränkt möglich: Eine Spiegelreflex-Kamera lässt sich nicht mit einer Hand bedienen. Also kaufte sie sich eine neue: Die Panasonic Lumix FZ 2000 mit digitalem Zoom. Die funktioniert auch mit einer Hand. Und wie! Denn Gudrun Neuser gehört inzwischen zum Panasonic-Forum und hat mit einem meisterhaften Bild eine weitere wertvolle Kamera gewonnen: Mit der Aufnahme einer sieben Millimeter kleinen Fliege, die mit Hilfe eines Makro-Objektivs sehr groß wirkt.

Dreirad-Spezialanfertigung

Inzwischen sind auch Portraits eine Spezialität von Gudrun Neusers Fotokunst. Von Menschen auf Kreta, ihrer zweiten Heimat, deren Gesichter etwas über ihr Leben erzählen. Vorwiegend in Schwarz-Weiß. Ein fotografischer Traum, den sich die Neusers gerne verwirklichen würden, wäre das Polarlicht ganz im hohen Norden, irgendwann.

Doch bis dahin fahren sie mit ihren Fahrrädern, er „normal“, sie mit einer Dreirad-Spezialanfertigung, in die Wälder Kaan-Marienborns, um die Schönheiten ihrer Siegerländer Heimat zu fotografieren.

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