Kabarett

Guido Fliege präsentiert Siegener Kabarett Night

Quatsch machen bei der FDP? Guido „Fliege“ Müller begrüßt drei Gäste zur Siegener Kabarett Night 2018 und sorgt im Lyz für das Lokalkolorit, das sich Gästen von auswärts natürlich nicht erschließt.

Foto: Michael Kunz

Quatsch machen bei der FDP? Guido „Fliege“ Müller begrüßt drei Gäste zur Siegener Kabarett Night 2018 und sorgt im Lyz für das Lokalkolorit, das sich Gästen von auswärts natürlich nicht erschließt. Foto: Michael Kunz

Siegen.   Seine Tochter habe ihn gefragt, was er denn heute Abend mache, lässt Guido „Fliege“ Müller das Publikum im Lyz wissen. Er mache Quatsch, habe er geantwortet. „Aha, Du gehst zur FDP“, war die Antwort der jungen Dame. Verhaltenes Lachen im ziemlich ausverkauften Auditorium, in dem unter anderem eine größere Gruppe vom RWE sitzt, deren Mitglieder überwiegend nicht aus Siegen sind und den Gag nicht verstanden haben.

Seine Tochter habe ihn gefragt, was er denn heute Abend mache, lässt Guido „Fliege“ Müller das Publikum im Lyz wissen. Er mache Quatsch, habe er geantwortet. „Aha, Du gehst zur FDP“, war die Antwort der jungen Dame. Verhaltenes Lachen im ziemlich ausverkauften Auditorium, in dem unter anderem eine größere Gruppe vom RWE sitzt, deren Mitglieder überwiegend nicht aus Siegen sind und den Gag nicht verstanden haben.

Bei den Wisentwitzen und anderen typischen Anspielungen auf „das knutzige Bergvolk“ wird es dann schon etwas leichter. Und wenn der gewohnt bissige Conférencier, auch als Chef der FDP-Kreistagsfraktion bekannt, dann klagt, dass ein Joghurt heutzutage allgemein mehr Kultur habe, als die Konsumenten, ist der Bann endgültig gebrochen.

1. Michael Steinke. Drei Künstler bestreiten ansonsten das Programm der „Siegener Kabarett Night 2018“, unter dem Slogan „Freche Zungen küsst man nicht“. Dabei repräsentiert Michael Steinke die eine Seite des Spektrums, laut, schrill und manchmal ein wenig zu viel des Guten, aber alles in allem schon komisch. Der „Mann im Cord-Anzug“, das vor 40 Jahren auch als „Manchester“ oder „Dackel-Leder“ bekannt war, wird von Guido als „meine liebste Pril-Blume“ vorgestellt.

Viele Kabarettisten pflegen heute den genussvollen Hinweis auf jene Tage, als Telefone noch Wählscheiben hatten und an Schnüren hingen, aber Michael Steinke hat die 70er zum kompletten Inhalt seines Programm gemacht. Dabei sind die Seitenhiebe auf den inzwischen kulminierten Hygienewahn mit Erinnerungen an Brause und Bonbons im Sandkasten und den gefürchteten Taschentüchern der Mütter wirklich komisch und sorgen für viele „Ahs“ und „Ohhs“ in den Reihen, das Herumreiten auf einigen „Running Gags“ mit jüngeren Zuschauerinnen manchmal schon weniger. Auch der Hinweis auf das „Aufstehen zum Umschalten“ ist nur bedingt komisch vor dem Hintergrund, dass die Deutschen in jenen Jahren technisch einfach nur Jahrzehnte hinter dem Rest der Welt herhinkten.

2. Olaf Bossi. Das glatte Gegenteil ist Olaf Bossi, der unaufgeregt mit und ohne Gitarre kleine Geschichten aus dem Leben erzählt, lustige Anekdoten, im Stil irgendwo zwischen Reinhard Mey und Reinald Grebe angesiedelt, die zum ebenso stillen Lachen bringen und auch ein wenig rühren.

Bossi sei einfach einer, der immer arbeiten müsse, „eigentlich zu ehrlich für einen Kabarettisten. Der würde etwa vor seinem Auftritt hier noch schnell Lieder für die Auseinandersetzung am Freudenberger Knippen schreiben. Natürlich eins für die Demonstranten und eins für die Arbeiter, zum Anfeuern“, sagt Moderator Guido „Fliege“ über seinen Gast. Dann Chansonnier Bossi etwas über Kaffee und Beziehungen und gewährt dem Publikum Einblick in die Ehe-Geheimnisse seiner Großeltern in Bella Italia.

3. Kai Spitzl. Fehlt noch der dritte, der Überraschungsgast. Das ist Kai Spitzl, der über „meinen Freund Vladi“ spricht und Putin meint, sich ständig über dessen geringe Größe mokiert und natürlich in diesem Zusammenhang auch noch dessen Kumpel Gerd ins Spiel bringt. Da wird Vader Abrahams ehrwürdiger Schlumpf-Song zu einem über die sowjetischen und russischen Herrscher, die Eifel zum „Kasachstan von Deutschland“, mit Kalinka-Sound, und schließlich gibt es noch ein paar Kurzgeschichten, die in Spitzls Datscha im Ural entstanden sind.

Kleinkunst vom Feinsten, nur der „gelernte Stahlkocher Rüdiger aus Eiserfeld“ im Publikum braucht noch etwas, bis er vor Begeisterung in Hänschen-Rosenthal-Manier „Das war Spitze“ brüllen kann, wie Guido „Fliege“ das von ihm erwartet hat. Gattin Christiane hat aber auch so schon Tränen in den Augen.


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