Jubiläum

Hadem feiert Ortsjubiläum und Museumsfest

Heuernte in Hadem: Samstag und Sonntag wird rund um den Dreschschuppen gefeiert.

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Heuernte in Hadem: Samstag und Sonntag wird rund um den Dreschschuppen gefeiert. Foto: privat

Hadem.   Am Wochenende in Hadem: Ortsjubiläum, Museumsfest und Treckertreffen

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Die neue Dreschmaschine kommt am Sonntag zum Einsatz. Eine Ködel & Böhm. Neu? War sie vor 60 Jahren, sagt Henning Moll. „Aber sie ist noch neuwertig.“ Geerntet wurde das Getreide zu Beginn dieser Woche, der Mähbinder hat seine Arbeit getan. Auch eine Maschine aus den späten 1950er Jahren, mit der die Halme abgeschnitten und zusammengebunden werden. Landmaschinen halten lang. Und schließlich: Henning Moll ist nicht Landwirt, sondern Gründer und Betreiber eines Museums. Die letzte Kuh ist längst aus dem Stall ausgezogen. An diesem Wochenende ist an Haus und Hof auf dem Falschet Museumsfest, Treckertreffen und Dorfjubiläum. Und das passt wunderbar zusammen.

Das Museum

Henning Moll baut an. Die Punkt-Fundamente für den Unterstand sind betoniert, der Boden ist befestigt. „Die Stämme liegen hier, jetzt muss das Holz geschnitten werden.“ Dann kommt das Blechdach drauf, und die Landmaschinen-Ausstellung kann wachsen. Im Dresch- und im angebauten Strohschuppen werden Geräte präsentiert, oben auf dem Boden sind Wohnung und sogar eine Schulstube eingerichtet. Aber für die Dreschmaschine und den Mähbinder reichte der Platz nicht mehr. Wenn sie nicht gerade auf der Wiese ausgestellt werden, sind sie in einer RockHi-Halle oder in Lützel bei der Muna untergestellt. Ein Crowdfunding-Projekt hat es möglich gemacht: Dabei wurde die Mindestsumme von 3890 Euro deutlich übertroffen, am Ende kamen 4600 Euro aufs Museumskonto.

Liesel hieß die letzte Kuh im Stall von Johanns Haus. Johanns ist der Hausname des schon 1542 errichteten Anwesens, in dem die Molls heute wohnen. „Früher war in jedem Haus eine Kuh“, weiß Moll. Mindestens. Heute gibt es nur noch in Oechelhausen und Ruckersfeld Bauern, die Milch für die Molkerei in Köln liefern. In der ganzen Stadt gibt es nur noch zwei landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Alle anderen können sich nur vor der Arbeit und nach Feierabend um Stall und Weide kümmern. „Es werden immer weniger“, sagt Henning Moll, „die jungen Leute sehen darin keine Perspektive mehr.“ Im Stall beim Dreschschuppen steht aber wieder eine Kuh. Helga. Sie ist aus Plastik und hat sich nach arbeitslebenslangem Dienst als Dekoration in einem Metzgerei-Schaufenster in Erndtebrück das Gnadenbrot verdient. Die Landwirtschaft wird museumsreif.

Das Treckertreffen

Die ersten Wohnwagen stehen schon auf dem Gelände. Die Heinsberger haben die Gelegenheit genutzt, als ihre Straßenbaustelle sie gerade einmal aus dem Ort herausließ. Heute kommen sie mit dem Trecker nach. „Die dürfen ja durch den Wald fahren.“ Henning Moll erinnert sich an die Anfänge. Damals, als man in den Betrieben entweder größere oder gar keine Trecker mehr brauchte. Da nahmen sich die Jungen die kleinen Trecker und gingen auf Tour, 40 Leute aus der örtlichen Landjugend kamen da schnell zusammen. „Ich fahre seit 20 Jahren zu den Treffen.“ Inzwischen nicht mehr mit dem Bauwagen, sondern einem Wohnanhänger, vor den er seinen Hatz TL 13, Baujahr 62, spannt. Kein Museumsstück. „Damit mache ich noch alles.“

Das Prinzip der Treckertreffen ist einfach: Man besucht sich gegenseitig. Sie kommen aus dem Westerwald, dem benachbarten Hessen, der Pfalz. Entfernungen sollte man nicht unterschätzen, viereinhalb Stunden von Hadem durchs Aggertal ins bergische Lindlar sind da nichts. Wer schon da ist, macht Samstagnachmittag bei der Ausfahrt mit, abends bringen die Hilchenbacher Jagdhornbläser ein Ständchen, danach ist Disco mit Roland im Schuppen. Für das Frühstück am Sonntag ist gesorgt. Und für die 125 Liter Erbsensuppe, die Moll seinen Gästen traditionell am Sonntagmittag serviert, putzen Frauen aus dem Dorf gemeinsam am Samstag das Gemüse und schälen die Kartoffeln.

Das Jubiläumsfest

Hadems Geschichte ist Landwirtschaftsgeschichte, die Loh- und die Schneidemühle, beide im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt, inbegriffen. Von daher liegt es auf der Hand, das Dorfjubiläum beim Museum zu feiern. Jahrelanges Stöbern in den Archiven zahlt sich aus: Für 600 Jahre Hadem hat Henning Moll zwar nicht die Chronik geschrieben, wohl aber eine detaillierte Zeittafel aufgestellt, die mit der ersten Erwähnung 1417 beginnt, als Hilchin von Habenhain ein Pfund Wachs als Abgabe an den Grafen leistet.

Auf dem kleinen Dorfplatz vor dem Haus steht seit Jahren eine Fotowand, die Moll immer wieder neu bestückt. Zum Jubiläum kommt das Archiv ganz groß raus: Auf einem runden Dutzend Stellwänden, selbst gebauten Drehsäulen und an alten Schulkartenständern präsentiert Henning Moll um die 300 Bilder aus der Hademer Geschichte, bis hin zur letzten Sitzung des Gemeinderats Ende 1968, als Hadem nach Hilchenbach eingemeindet wurde.

Die Besucher erwartet ein Fest mit Musik und einem kleinen Bauernmarkt, das Moll und wenige Helferinnen und Helfer auf die Beine stellen. „Es hätte eigentlich größer werden sollen“, bedauert Henning Moll ein wenig. Man war sich, vorsichtig gesagt, nicht einig – dass kleine Ursachen auf dem Dorf Ereignisse von großer Bedeutung auslösen können, lässt schließlich auch die Ortschronologie durchblicken. Da hat sogar das 1906 eingegangene Pferd vom Fuhrmann Aurand seinen Platz gefunden: „Das Pferd hatte wohl zu viel frisches Heu gefressen.“

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