Gesundheit

Hausnotruf der Johanniter jetzt mit Einsatzdienst in Siegen

Carmen Günther-Hauser und Sanitätshelfer Luca Dragosavac: Er hat ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei den Johannitern gemacht, in dieser Zeit die Ausbildung absolviert. Das FSJ konnte er sich für sein Fachabi anrechnen lassen.

Carmen Günther-Hauser und Sanitätshelfer Luca Dragosavac: Er hat ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei den Johannitern gemacht, in dieser Zeit die Ausbildung absolviert. Das FSJ konnte er sich für sein Fachabi anrechnen lassen.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Mehr Sicherheit für alleinstehende ältere Menschen: Wenn etwas passiert und sie den Hausnotrufknopf drücken, sind wenig später die Profis vor Ort

Kunden des Johanniter-Hausnotrufs bekommen im Notfall ab sofort Besuch von Profis: Die Hilfsorganisation hat einen Einsatzdienst in Siegen auf die Beine gestellt. Fünf hauptamtliche Kräfte versehen rund um die Uhr Dienst in der Weidenauer Geschäftsstelle und fahren raus, sobald ein Kunde den Notruf aktiviert. Ältere, alleinstehende Menschen haben so die Möglichkeit, länger zu Hause wohnen zu bleiben, müssen nicht fürchten, dass sie in Notfällen nichtgefunden werden.

Wie funktioniert der Hausnotruf?

Die Basisstation und der „Funkfinger“ genannte kleine Notruf-Knopf sind unabhängig vom Telefonanschluss. Sie nutzen den GSM-Mobilfunkstandard, ähnlich wie der Notruf 112, der unabhängig vom Anbieter alle zur Verfügung stehenden Netze nutzt. Den Funkfinger hat der Kunde immer dabei, um Hals, Arm oder in der Tasche. Wird der Knopf gedrückt, bekommt die Zentrale eine Meldung, verständigt den Einsatzdienst, der fährt hin.

Wie läuft das konkret ab?

Zum Beispiel: Frau Müller steht nachts auf, es geht ihr nicht gut. Ihre Basisstation steht im Flur, sie stürzt vor der Badezimmertür. Frau Müller ist Asthma-Patientin, nimmt zudem Medikamente, etwa den Blutverdünner Marcumar. Die Medikamente stehen im Badezimmerschrank, rechts oben. Frau Müller kann sich aus eigener Kraft nicht bewegen, kriegt kaum noch Luft – aber sie hat den Knopf gedrückt. In der Zentrale bekommt der Mitarbeiter die Informationen – Vorerkrankungen, Art und Standort der Medikamente – auf den Schirm, verständigt den Einsatzdienst vor Ort, wo Frau Müller einen Haustürschlüssel hinterlegt hat.

Durch Frau Müllers Teilnehmernummer gibt der elektronisch gesicherte Safe ihren Schlüssel frei, die Einsatzkräfte fahren hin und leisten Erste Hilfe, bis der Rettungswagen da ist – und müssen ihre Asthma-Medikamente auch nicht erst suchen, weil sie ja wissen, wo die stehen. Während der Anfahrt hat die Zentrale über die Basisstation Sprechfunk-Kontakt zu Frau Müller. Sie kann zwar kaum sprechen – aber die Mikrofone nehmen ihre schwachen Äußerungen trotzdem noch wahr, ihr Röcheln gibt den Profis in der Zentrale zudem wichtige Anhaltspunkte, was ihr fehlt.

Der Rettungsdienst wird ebenfalls alarmiert. „Auch wenn sie im Nebenzimmer liegt – es reicht, wenn die Tür einen Spaltbreit geöffnet ist“, sagt Carmen Günther-Hauser, Leiterin Service-Zentrale des Johanniter-Regionalverbands Südwestfalen. Die Mikrofone sind sehr sensibel, die Lautsprecher könnten für schwerhörige Kunden lauter gedreht werden.

Wie war der Hausnotruf bislang geregelt?

Einsatzdienststellen gab es in Südwestfalen bislang in Lüdenscheid und Iserlohn. Wenn die etwa 550 Siegener Basis-Kunden des Johanniter-Hausnotrufs den Alarm aktivierten, verständigte die Zentrale Freunde, Nachbarn oder Angehörige, die die Kunden benannt hatten. Nun rücken für die Kunden des Komfortpakets Fachkräfte aus, die mindestens ausgebildete Sanitätshelfer sind. „Durch das neue System sind wir näher am Menschen“, sagt Carmen Günther-Hauser – die Tür muss im Zweifel nicht aufgebrochen werden, es kommen professionelle Helfer. „Das ist auch eine Entlastung für die Angehörigen – denn ein Großteil der Notrufe sind Stürze und Fehlalarme.“ Egal, was passiert ist: Die Johanniter fahren hin.

Bis wohin fährt der Einsatzdienst?

Derzeit nur im Großraum Siegener Stadtgebiet – die Mitarbeiter müssen den Notfallort in einer halben Stunde von Weidenau aus erreichen können. In Südwestfalen haben die Johanniter derzeit 2900 Hausnotruf-Kunden, in NRW rund 30.000. „Durch den Einsatzdienst in Siegen können wir unser Angebot noch weiter ausbauen“, sagt Jutta Voß, Fachbereichsleitung Soziale Dienste des Johanniter-Regionalverbands Südwestfalen.

Wie funktioniert der Einsatzdienst?

In Siegen sind fünf volle hauptamtliche Stellen plus die Unterstützung durch Freiwilligendienste vorgesehen. „Den Einsatzdienst mussten wir personell neu aufstellen“, sagt Jutta Voß; mindestens zwei Hauptamtler sollen noch eingestellt werden. Auch weitere Freiwillige werden noch gesucht.

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