Wahl 2017

Heiko Becker (SPD) zieht nicht in den Bundestag ein

Am Wahlabend: Gemeinsam mit Simon Rock (Grüne) verfolgt  Heiko Becker (SPD, rechts) das Einlaufen der Ergebnisse aus den Wahlbezirken.

Foto: Florian Adam

Am Wahlabend: Gemeinsam mit Simon Rock (Grüne) verfolgt Heiko Becker (SPD, rechts) das Einlaufen der Ergebnisse aus den Wahlbezirken. Foto: Florian Adam

Siegen-Wittgenstein.   Heiko Becker bekommt kein Bundestagsmandat über die SPD-Landesliste. Somit sind Siegen-Wittgensteins Sozialdemokraten erstmals weder in Berlin noch in Düsseldorf vertreten.

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Die schlechte Nachricht kam um 3 Uhr. Nicht, weil ihn jemand angerufen hätte. „Ich bin wach geworden und habe nachgeguckt“, berichtet Heiko Becker über den Moment, in dem er erfahren hat, dass er nicht Bundestagsabgeordneter wird — jedenfalls nicht in absehbarer Zeit. Doch schon bei Platz 17 zog die Landesliste seiner Partei zum letzten Mal, Becker hat Platz 25.

Becker bislang für Petra Crone in Berlin tätig

Von Platz 18 würde Nezahat Baradari für den Wahlkreis Olpe/Märkischer Kreis 1 nachrücken, sobald ein anderer NRW-SPD-Abgeordneter auf sein Mandat verzichtet. Diesen Wahlkreis hatte zuletzt Petra Crone vertreten, die nicht wieder kandidiert hat und für die Heiko Becker in der letzten Legislaturperiode als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war.

Der Blick nach Olpe ist für die Siegen-Wittgensteiner SPD nicht uninteressant: Der Unterbezirk braucht einen Abgeordneten oder eine Abgeordnete, der/die die für die SPD verwaiste Region mitbetreut. Von den Südwestfalen kommen für diese Aufgabe nur noch Dagmar Freitag (Iserlohn), Dirk Wiese (Brilon) und Wolfgang Hellmich (Bad Sassendorf) in Frage — oder aus dem benachbarten Hagen René Röspel, der direkt wiedergewählt worden ist und sich mit dem scheidenden Abgeordneten Willi Brase in Berlin eine Hauptstadtwohnung geteilt hat.

„Längstens bis 23. Oktober“ sei er noch im Amt, stellt Willi Brase klar — spätestens dann muss sich der neue Bundestag konstituieren, dann, ebenso wie schon der im Mai gewählte Landtag, ohne eine SPD-Vertretung aus Siegen-Wittgenstein. Die SPD befindet sich damit in einem Abseits, das es so nur in den Gründungsjahren der Republik gegeben hat: 1953 entsandte die Siegerländer SPD ihre ersten beiden Abgeordneten in den zweiten Deutschen Bundestag, von da an war sie ununterbrochen in Bonn und Berlin vertreten. Ähnlich in Düsseldorf: Im ersten, 1946 gebildeten Landtag war das Siegerland mit drei Abgeordneten der CDU und je einem von FDP und KPD vertreten — von 1950 bis 2010 und von 2012 bis 2017 aber immer auch durch Sozialdemokraten.

Die Zukunft

„Es gibt einiges zu tun“, sagt Willi Brase, der bis November 2018 als Vorsitzender des SPD-Unterbezirks gewählt ist. Begonnen hat die Arbeit am Montagabend mit einer Sitzung des Unterbezirksvorstands. Dabei wird es nicht allein um die örtliche Situation gehen, sondern auch um die Entwicklung auf Landesebene: „Wir werden versuchen, uns in den Prozess der Erneuerung einzuklinken.“

Heiko Becker findet es „am besten, sofort mit der Arbeit anzufangen.“ Der Wahlkampf sei engagiert geführt worden, vor allem dank starker Beteiligung älterer Parteimitglieder. „Wir brauchen wirklich Nachwuchs.“ Bis zu den nächsten Kommunalwahlen sind es auch nur noch drei Jahre — bis dahin müssen Nachfolger für ausscheidende Mandatsträger in Räten und Kreistag und Kandidaten für die Bürgermeisterwahlen aufgebaut werden. Erstmals ohne Hilfe aus Abgeordnetenbüros, die es dann noch nicht wieder gibt. Ein persönliches, keineswegs kleines Problem hat Heiko Becker selbst: „Ich muss mir eine neue Beschäftigung suchen.“

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