Tag des Backens

Heimatverein versorgt Brot-Liebhaber mit Back(es)waren

Auf die Plätze, fertig, backen: In den Gärkörben ruhen die Teiglinge bis sie aufgehen. Danach geht es für eine Stunde in den 200 Grad heißen Backes.

Auf die Plätze, fertig, backen: In den Gärkörben ruhen die Teiglinge bis sie aufgehen. Danach geht es für eine Stunde in den 200 Grad heißen Backes.

Foto: Fabiana Regino

Hohenhain.   Traditionell fertigen Gisela und Kalli Rütting in der kleinen Stube regionale Spezialitäten im Backes an. Warum Improvisation alles ist.

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Ausgerechnet einen Tag vor dem internationalen Tag des Backens sorgt der Backes in der Stube am Hohenhainer Heimatvereinshaus für dicke Schweißperlen auf der Stirn von Kalli Rütting. Gut 20 Jahre lang sei immer Verlass auf den traditionellen Ofen gewesen, wie der Hobby-Bäcker erzählt – bis jetzt.

„Wir haben heute an die 60 Brote zu backen“, sagt Rüttings Ehefrau Gisela. Seit mehr als zehn Jahren backen die beiden regelmäßig Schwarzbrote, Siegerländer Reibekuchen, Hohenhainer Krusten und fünf andere Sorten in der Stube. So einen Vorfall habe das Paar aber noch nicht erlebt: Im Inneren des Ofens löst sich immer mehr Material von der Decke und den Wänden ab. „Wir müssen jetzt improvisieren. Wir können ja schlecht unsere Kunden im Stich lassen“, sagt Kalli Rütting, während er den bereits gefertigten Teig für das Schwarzbrot in 1,5-Kilogramm-Portionen einteilt.

45 Schwarzbrote hat die Kundschaft insgesamt bestellt. Dabei kommt der Großteil der Kunden von „außerhalb“, wie Gisela Rütting sagt. „Aus Hohenhain sind es vielleicht fünf oder sechs Leute, die bei uns bestellen. Viele kommen aus Siegen oder aus den umliegenden Dörfern.“

Brote müssen rotieren

Der Backes hat zwei Etagen. Die abgelösten Brocken betreffen erstmal nur das untere Fach, das obere kann noch genutzt werden. Kalli Rütting holt die erste Ladung aus dem Ofen, reiht sie auf der Arbeitsfläche aneinander, um dieselben Brote wieder in den Backes zu schieben. „Die Temperatur ist nicht gleichmäßig verteilt. Ganz vorne im Ofen ist es weniger heiß als weiter hinten. Deswegen muss man die Brote rotieren lassen – sonst gibt es Brandenburger.“ Damit meint er verbrannte Brote. „Auch das kommt schon mal vor.“

Vor dem Eingang der Stube lagern Schanzen. Mit diesem Reisig heizen die Rüttings den Ofen nachträglich nach, als die Temperatur deutlich unter 200 Grad sinkt. Eigentlich ist der Hobby-Bäcker gelernter Metzger. Unweit der Backstube befindet sich seine Metzgerei. Das ist vor allem dann praktisch, wenn mal etwas fehlt oder kaputt geht – so wie die Kelle während des Portionierens der Reibekuchen. „Dann hol ich mal schnell eine aus der Metzgerei“, kündigt Gisela Rütting an, schaut aber vorher nochmal in die Schubladen. Es wurde vorgesorgt, eine zweite Kelle ist griffbereit – der Gang zur Metzgerei bleibt ihr erspart. Von den Siegerländer Reibekuchen wurden 15 Stück bestellt.

Hin und wieder wünscht sich das Duo etwas mehr Unterstützung in der Backstube, sagt Gisela Rütting, während sie eine von zahlreichen Schüsseln spült. „Vereinzelt versuchen uns die einen oder anderen aktiven Mitglieder des Heimatvereins zu unterstützen. Aber die meisten Vereinsmitglieder müssen zu der Zeit arbeiten.“

Wie Ulrike Müller zum Beispiel. Seit vielen Jahren ist sie Mitglied im Verein, aber auch berufstätig. Wenn es der Job hergibt, hilft sie wo sie kann. „Seit kurzem bekommen wir auch Hilfe von Klaus Brenner. Der ist jetzt Rentner und hat nun Zeit für solche Projekte“, sagt Gisela Rütting. Das sei aber eher die Ausnahme. „Die meisten unserer pensionierten Vereinsmitglieder verbringen ihre Zeit scheinbar lieber anderweitig.“ Dabei kann das backaffine Duo jede helfende Hand gebrauchen.

Sauber und gründlich

Nach jedem Backtag steht eine Grundreinigung der Stube an. „Wir wechseln uns ab“, so Gisela Rütting. Das viele Mehl und Rückstände vom Backes würden am Ende des Tages zu einer „kleinen Sauerei“ führen. „Da kommen die Tische und Stühle raus auf die Terrasse und dann wird geputzt.“

Zahlreiche Brot-Liebhaber versorgen die beiden Hohenhainer seit Jahren mit ihren Backwaren. Von Aufhören keine Spur. Grund seien nicht nur die vielen Stammkunden, die auf die Rüttings und ihre Brote zählen. Sondern auch die Leidenschaft, mit der das Ehepaar agiert. Ähnlich viel Leidenschaft zeigen die zwei Hobby-Bäcker noch bei einem anderen Thema: Fußball. Kalli Rütting trägt zur Schürze ein Shirt des 1. FC Köln. Die Arme, mit denen der Teig geknetet wird, zieren gleich mehrere Tätowierungen, die dem Fußballclub huldigen.

Nachfrage gestiegen

Zur Zeit wirft das Paar alle vier Wochen den Backes an. „Früher haben wir das alle 14 Tage gemacht. Irgendwann reichte dann auch einmal im Monat“, erzählt Kalli Rütting. Die Nachfrage nach den naturbelassenen Broten sei aber gestiegen. Sie sind sich einig, dass der Back-Rhythmus nochmal überdacht werden sollte. „Wir müssen mal schauen, wie oft wir das in Zukunft machen“, so die Hobby-Bäckerin. Zuerst müsse der Ofen wieder richtig funktionieren. „Je nachdem, wie man da jetzt verfahren wird, kann das schon drei Monate dauern, bis wir hier wieder wie gewohnt backen können“, sagt ihr Ehemann.

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