Kommunalwahl

Hilchenbach: Losentscheid – Ratsmandat geht nach Grund

Wahlleiter Stadtrat Christoph Ermert  (rechts) zieht die Zigarrenhülse mit dem Namen Martin Born aus dem Hot, den Fachbereichsleiter Jörg Heiner Stein hält.

Wahlleiter Stadtrat Christoph Ermert (rechts) zieht die Zigarrenhülse mit dem Namen Martin Born aus dem Hot, den Fachbereichsleiter Jörg Heiner Stein hält.

Foto: Steffen Schwab

Hilchenbach.  Das Los hat für den Grunder Ortsvorsteher Martin Born entschieden. Um das Ratsmandat wurde in Lützel mit harten Bandagen gekämpft.

Martin Born bekommt als Einzelbewerber das Ratsmandat für den Wahlbezirk 16 Lützel/Grund/Oechelhausen/Ruckersfeld. Sein Name stand auf dem Los, das Stadtrat Christoph Ermert als Wahlleiter im Wahlausschuss aus einem Hut gezogen hat. Das Nachsehen hat Dirk Becker (SPD). Er bekommt das Direktmandat nicht, stattdessen kehrt über die SPD-Reserveliste Betty Roth nun doch in den Rat zurück. Zerschlagen haben sich die Hoffnungen der Grünen auf ein viertes Mandat. Hätte Born verloren, wäre ihnen der 32. Sitz im Rat zugefallen.

Das Interesse an der Sitzung des Wahlausschusses, die im Normalfall nur wenige Minuten dauert, war groß. Eine Reihe von Ratsmitgliedern kamen, darunter auch der gerade pensionierte Kämmerer und künftige SPD-Stadtverordnete Udo Hoffmann, außerdem Zuschauer aus den betroffenen Ortsteilen. Denn dort war mit harten Bandagen um das Mandat gekämpft worden – nach dem Neuzuschnitt der Wahlbezirke haben Grund und Lützel keine eigenen Ratsmitglieder mehr.

Die Vorgeschichte: „Alternativlose“ Wahlempfehlung

Der Grunder Ortsvorsteher Martin Born, auch 2014 als Einzelbewerber in den Rat gewählt, wollte sein Mandat behalten. Und in Lützel warb Ortsvorsteher Rainer Müller (UWG) für die Kandidatin der UWG, weil nur dann die UWG das Vorschlagsrecht für den Ortsvorsteher habe. „Ich möchte gern weiter Ortsvorsteher bleiben und mich für örtliche Belange einsetzen“, schrieb Müller in persönlich adressierten Schreiben an die Lützeler Bürger. Der Ehrenbeamte der Stadt ließ sich von der Pflicht zur Neutralität kaum beeindrucken: Der Wahlbezirk müsse von einem Lützeler gewonnen werden „und nicht von einem Wahlbewerber aus einem Nachbardorf“. Das könne „am ehesten der UWG“ gelingen, heißt es schließlich auch in der Wahlempfehlung, in der auch das fettgedruckte Wort „alternativlos“ vorkommt.

Dass er sich geirrt hatte, musste der noch amtierende UWG-Stadtverordnete am Sonntag erkennen: Im Stimmbezirk Lützel bekam Dirk Becker (SPD) die meisten Stimmen, erstmals wird daher die SPD den künftigen Ortsvorsteher bestimmen können. Martin Born, der im Stimmbezirk Grund mehr als 62 Prozent errang, war noch vor der Wahl von der UWG als Kandidat umworben worden – auch das machte Rainer Müller öffentlich. Born äußerte sich am Mittwoch und gratulierte Dirk Becker als künftigem Lützeler Ortsvorsteher: „Die Wählerinnen und Wähler in Lützel haben mit ihrem Votum für Dirk Becker, klar einen Wechsel der bisherigen Politik von dem Ortsvorsteher der UWG Rainer Müller gefordert.“

Der Wahlausschuss: Zigarrenhülse und Zylinder

„Schon wieder bei uns“, seufzte Klaus Stötzel (SPD) vor der Sitzung: 2004 mussten nach der Kommunalwahl zwei Ratsmandate in Dahlbruch ausgelost werden, beide Male verlor die SPD. Einer der Gewinner von damals war am Mittwoch Zuschauer: Christian Gerhard, für den 2004 eine 16-jährige Amtszeit als Ratsmitglied begann.

Wahlleiter Christoph Ermert machte es spannend. Zuerst war die Bürgermeister-Stichwahl aufzurufen, die am 27. September erforderlich wird, weil Kyrillos Kaioglidis gut 400 Stimmen für die absolute Mehrheit gefehlt haben. Dann wurden die gewählten Stadtverordneten aus dem ersten 15 Wahlbezirken genannt.

Schließlich die 16-. Man konnte die Vorzeichen für den Losentscheid mit Händen greifen: Fachbereichsleiter Jörg Heiner Stein (aus Grund) rollte die mit den beiden Namen beschrifteten Zettel in zwei Zigarrenhülsen, die sein Sohn Nick (Vorsitzender des Heimatvereins Grund) zur Verfügung gestellt hatte. Dass der Zylinder, aus dem Christoph Ermert die Hülse zog, aus dem Fundus des Gebrüder-Busch-Kreises (Dahlbruch) stammte, trug zu innerörtlichen Ausgewogenheit wohl nicht mehr entscheidend bei. Das Interesse danach am „Divisorverfahren Sainte-Lague mit Standardrundung“, mit dem die Sitzverteilung berechnet wurde, hielt sich in Grenzen. Der Wahlkampf ruft schon wieder.

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