Pogromnacht

Mahnwache Hilchenbach: Rechtsextreme lärmen, stören, hetzen

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Das Hilchenbacher Bündnis für Toleranz und Zivilcourage demonstriert vor dem Haus Dammstraße 5 und auf dem Marktplatz.

Das Hilchenbacher Bündnis für Toleranz und Zivilcourage demonstriert vor dem Haus Dammstraße 5 und auf dem Marktplatz.

Foto: Kai Osthoff

Hilchenbach.  Neonazi-Radau: Hilchenbacher Bündnis für Zivilcourage erinnert am Jahrestag der Pogromnacht mit einer Mahnwache nicht nur an die Vergangenheit

Mit etwa mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat sich das Bündnis für Toleranz und Zivilcourage am Jahrestag der Pogromnacht in der Hilchenbacher Dammstraße versammelt. „Nie wieder Pogrome. Nie wieder Faschismus“ und „Wir gedenken der ermordeten Jüdinnen und Juden 09.11.1938“ – das waren die Aufschriften auf den Transparenten. Günter Stremmel, der die Mahnwache als Verantwortlicher des Bündnisses angemeldet hatte, ging auf Veröffentlichungen der rechtsextremen Partei „Der 3. Weg“ ein, die seit dem Frühjahr einen Stützpunkt im Haus Dammstraße 5 betreibt. Vom Balkon des Gebäudes störte laute Ballermann-Musik aus den Lautsprecherboxen, bis die mit starken Kräften vertretene Polizei die Anhänger der Partei aufforderten, die Lautstärke zu drosseln.

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Gedenken am Mahnmal auf dem Hilchenbacher Marktplatz

Von der Dammstraße aus zog der Demonstrationszug des Hilchenbacher Bündnisses zum Mahnmal für die von den Nazis ermordeten Einwohner auf dem oberen Marktplatz. Kerzen waren ein Zeichen des Gedenkens an Röschen Hony, Karl Schäfer, Bianca Schäfer, Robert König, Joseph Holländer, Julie Holländer, Artur Holländer, Willi Holländer, Elisabetha ´Gerti´Holländer, Arno Alfred Holländer, Lothar Holländer, Herz Stern und Karoline `Lina´ Stern, geb. Hony. Sie wurden zwischen 1942 und 1945 nach den Aufzeichnungen deportiert und ermordet. Marla Bach, Mitbegründerin des Bündnisses, sagte in ihrer Rede zum Gedenken an die Pogromnacht und den Folgen: „Mehrere hundert Jüdinnen und Juden wurden zwischen dem 7. und 13. November 1938 ermordet, viele nahmen sich das Leben. Um die 1400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume jüdischer Menschen sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden gestürmt und zerstört.“

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In Hilchenbach werde mit der Mahnwache die Erinnerung und das Gedenken an die Vergangenheit mit einer Warnung für Gegenwart und Zukunft verknüpft, sagte Marla Bach weiter. Sie mahnte, „nicht die Augen vor dem zu verschließen, was vor der eigenen Haustüre, hier und heute, geschieht“. Die rechtsextreme Kleinstpartei „Der Dritte Weg“ sei „zurzeit weit davon entfernt, so viel Macht zu besitzen, wie die NSDAP es 1938 tat. Dennoch ist es unsere Aufgabe, uns deutlich gegen all jene zu stellen, die sich in die Tradition der Nationalsozialisten einreihen. Die Parallelen zwischen beiden Partien sind nicht zu übersehen.“ Die Bedrohung, die von dieser Partei und ihrer rechtsextremen Ideologie ausgehe, bleibe real – besonders für Minderheiten. „Deshalb möchten wir mit unserer Mahnwache den Opfern von 1938 Gedenken, aber auch warnen: Die Gefahr ist nicht gebannt.“

Hetze gegen den Hilchenbacher Bürgermeister

Der „3. Weg“, dem die Bauaufsicht des Kreises Siegen-Wittgenstein die Nutzung des Hauses als Versammlungsstätte und Parteibüro untersagt hat, lädt auf einem Plakat am Hauseingang zu wöchentlichen Versammlungen ein. „Kyrillos Kaioglidis muss weg“, steht darauf sinngemäß, und in einem weiteren Satz die Aufforderung, „Deutsche“ zu wählen – offensichtlich in Anspielung auf die aus Griechenland stammende Familie des Hilchenbacher Bürgermeisters.

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