Wilhelm Münker

Hilchenbacher Ehrenbürger erfindet die Jugendherberge

1907 eröffnet Wilhelm Münker die Jugendherberge Am Preist, fünf Jahre bevor Richard Schirrmann in der Burg Altena den Betrieb aufnimmt.

1907 eröffnet Wilhelm Münker die Jugendherberge Am Preist, fünf Jahre bevor Richard Schirrmann in der Burg Altena den Betrieb aufnimmt.

Foto: Sammlung Wilfried Lerchstein

Hilchenbach.  Vor 50 Jahren ist Wilhelm Münker gestorben. Dass er die erste Jugendherberge der Welt gründete, wird in den Chroniken oft übersehen.

Eine Gedenkveranstaltung gibt es zwar nicht – wegen Corona. Wohl aber eine Würdigung des Deutschen Jugendherbergwerks für seinen Mitbegründer Wilhelm Münker, der am 20. September 1970 im Alter von 95 Jahren gestorben ist, vor nunmehr 50 Jahren.

Wilhelm Münker: Stahlbetten und Wolldecken

Wilhelm Münker sei „eine der zentralen Persönlichkeiten in der Geschichte der Jugendherbergsbewegung“, heißt er darin. Bereits während des Ersten Weltkriegs schmiedeten seine Mitstreiter und er gemeinsam Pläne für den Aufbau eines Herbergsnetzes – und Münker war es, der Verhandlungen mit der deutschen Heeresverwaltung führte, damit er verschiedenste Einrichtungsgegenstände, vor allem Stahlbetten und Wolldecken, für die Ausstattung von Jugendherbergen erhalten könnte. Er argumentierte, diese Gegenstände würden nach dem Krieg in den Garnisonen nicht mehr gebraucht, und könnten so einem unterstützenswerten Zweck zugeführt werden.

Auch seine vielen Kontakte in der Industrie habe der Unternehmer immer wieder genutzt, um Werbung für das Jugendherbergswerk zu machen, und sammelte auf diese Weise erhebliche Geld- und Sachspenden. Häufig habe er zu diesem Zweck persönlich die verschiedensten Organisationen, wie zum Beispiel Wander- und Sportvereinigungen, Stadtverwaltungen, kommunale Spitzenverbände und sogar die Reichsregierung in Berlin aufgesucht, berichtet der Verband: „Dabei war er immer sehr beharrlich und konnte durch seine starke Überzeugungskraft viel für das Deutsche Jugendherbergswerk erreichen. Es ist maßgeblich seinem Geschick zu verdanken, dass bis zum Jahr 1933, als die Hitlerjugend im April das Deutsche Jugendherbergswerk in die nationalsozialistischen Strukturen überführte, über 2.000 Jugendherbergen im gesamten Deutschen Reich entstanden waren.“

Wilhelm-Münker-Weg von Warstein nach Hilchenbach

Das Jugendherbergswerk erinnert auch daran, dass Wilhelm Münker 1945 als Hauptgeschäftsführer weitergemacht hat. „Durch die Fürsprache der britischen, amerikanischen und französischen Jugendherbergsverbände bei den Besatzungsbehörden wurde es ermöglicht, dass schon gegen Ende 1945 wieder erste regionale DJH-Verbände gegründet werden konnten.“ Ab 1946 wurden die Jugendherbergen wieder an den Verband zurückgegeben. Münker habe zudem ausländische Interessierte beraten. „Neben Richard Schirrmann nahm er an der ersten Internationalen Jugendherbergskonferenz 1932 in Amsterdam teil, auf der die ‘International Youth Hostel Federation’ gegründet wurde.“

Der Hauptverband des Deutschen Jugendherbergswerks verweist schließlich auf die Spuren Willhelm Münkers für die Wandernden von heute: „Auf insgesamt 94 Kilometern erinnert der Wilhelm-Münker-Weg, einer von 32 Hauptwanderwegen des SGV, zwischen Warstein und Münkers Geburts- und Sterbeort Hilchenbach an den engagierten Wanderer und Naturschützer.“

Hilchenbach: Idee war Wanderzentrum in Kraemers Park

Deutlich kürzer ist der Weg, den Michael Thon in Hilchenbach auch am Samstag wieder mit einer kleinen Gruppe gehen wird: Schon zum vierten Mal in diesem Jahr findet die eigentlich einmalig gedachte Stadtführung zu Stationen Wilhelm Münkers in Hilchenbach statt: Der Weg führt zur 1933 eröffneten Jugendherberge und dem Vorgängerbau am Preist, zum von Münker gestifteten Freibad und zur Westfalia, deren Gesellschafter Wilhelm Münker war, zum Wohnhaus in der Unterzeche und zum Geburtshaus am Kirchweg.

Nach der Berichterstattung über die Führung mit Michael Thon hatte sich der Hilchenbacher Grünen-Vorsitzende Dr. Peter Neuhaus an das Jugendherbergswerk gewandt und den Verband auf seinen Hilchenbacher Mitbegründer aufmerksam gemacht – auf der Homepage des Jugendherbergswerks kommt nämlich bisher nur Richard Schirrmann vor. Bereits 2004, zu Münkers 100. Geburtstag, hatten die Grünen den Hilchenbacher Ehrenbürger beim Jugendherbergswerk in Erinnerung gebracht. Damals hatten die Grünen auch den Neubau eines „Wander- und Erlebniszentrums" angeregt – in Kraemers Park, über den heftig gestritten wurde, bis der heutige Discountmarkt dort errichtet wurde.

Münker und Schirrmann: Briefmarke für den Sauerländer

Richard Schirrmanns Jugendherberge auf der Burg Altena gebe es erst seit 1912 , während die wohl erste Jugendherberge überhaupt seit 1907 durch Wilhelm Münker in Hilchenbach eröffnet wurde, stellen die Grünen fest. Dieser Lesart schließt sich der Netphener Wilfried Lerchstein an, der in einem Aufsatz auch an ein Zerwürfnis zwischen Münker und Schirrmann erinnert – Schirrmann, inzwischen Ehrenvorsitzender des Jugendherbergswerks, bewarb sich bis 1942 mehrfach vergebens um die Aufnahme in die NSADP.

Philathelist Lerchstein stellt auch fest, dass die Post 1974 eine Sondermarke „Wandern ist Lebensfreunde“ herausgab, zum 100. Geburtstag Richard Schirrmanns. Dass auch Wilhelm Münker im selben Jahr 100 geworden wäre, steht nur im Erläuterungstext des Postministers. „Damit ist Wilhelm Münker noch vor Peter Paul Rubens (1977) und Adolph Diesterweg (1990) der erste gebürtige Siegerländer, dem in Deutschland ein offizielles Postwertzeichen gewidmet worden ist“, schreibt Wilfried Lerchstein, Autor einer Reihe heimatgeschichtlicher Publikationen. Immerhin die Hilchenbacher Post hat das deutlich gemacht: Sie drückte Ende 1974 einige Wochen lang einen Stempel zu Ehren Wilhelm Münkers auf jede Briefmarke. Wenn es sich ergab, auch auf die für Richard Schirrmann.

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