Theater

„Ich bin nicht Heinz Erhardt“ in Niederdielfen überzeugt

Claudia Zimmer und Herwig Rutt haben Spaß. Die Zuschauer auch.

Claudia Zimmer und Herwig Rutt haben Spaß. Die Zuschauer auch.

Foto: Michael Kunz

Niederdielfen.   Kleinkunst mit großem Wirtschaftswunderhumor in der Alten Linde. Lebensgeschichte und Werke des „Dicken mit der Hornbrille“ lassen lachen.

„Ich bin nicht Heinz Erhardt“, heißt das Programm – und niemand würde die adrette Claudia Zimmer ernsthaft mit dem wohlbeleibten Komiker verwechseln, der die Deutschen in den Jahren des Wirtschaftswunders so entzückte und seit Mitte der 80-er Jahre ein posthumes Dauercomeback feiert. Inzwischen ist es geradezu Mode geworden, mit seinen Kalauern, Ulk-Songs „und dergleichen“ auch auf der Bühne zu unterhalten, viele gehen mit Hornbrille und grauem Anzug vor das Publikum. Da ist die Frau aus Tübingen mal eine in jeder Hinsicht attraktive Alternative, die mit ihrem Partner Herwig Rutt in der „Alten Linde“ für ein volles Haus und viel Vergnügen sorgt.

Dreist-geniale Wortspiele

An diesem Abend in Niederdielfen geht es um den puren Spaß, um Heinz Erhardts eigene Schilderungen seines Lebens, in dem es immer wieder auch Tiefen gab, bevor er ab Mitte der 50-er Jahre die Höhen der deutschsprachigen Unterhaltungsindustrie erklomm. Kongenial begleitet vom Pianisten Rutt, erzählt Claudia Zimmer und singt, über verwickelte Verwandtschaftsverhältnisse, die es bei Erhardt auch gab, über saure Zitronen oder die unglückliche Liebe in der Straßenbahn, „Ich hab vergessen, Dich zu vergessen“; Songs, die nicht unbedingt von Heinz Erhard sind, aber passend, um lange vergangenen Zeitepochen wieder aufleben zu lassen. Und vor allem eben liefert sie diesen unvergesslichen Humor, der deshalb bis heute so erfolgreich ist, weil er außerhalb jeder chronologischen Verortung existiert.

Erhardts Kalauer, die fast schon dreist-genialen Wortspiele und die ungenierten Verballhornungen klassischer Texte sind für jedes Publikum verständlich und bestes Lachfutter, selbst für eingefleischte Intellektuelle noch gelehrt genug, um wenigstens ein amüsiertes Heben der Mundwinkel zu provozieren.

Und wie erfrischend ist es doch, das alles einmal aus dem Mund einer Frau zu erleben, inklusive charmanter Extra-Note und ein paar Bonus-Chansons, wie den abgewandelten Cole Porter-Song „Ich lieb mich ganz pauschal“; wobei auch Herwig Rutt zwischendurch „mal darf“, und sich auch in ein typisches Kostüm gezwängt hat, dabei entschieden vermeidet, auch nur ansatzweise in einen Erhard-Duktus zu verfallen oder die Stimme des „Meisters“ zu imitieren. Rutt trägt auch die berühmte Brille, Claudia Zimmer nur am Anfang, dann legt sie sie auf das große Heinz Erhard Buch.

Spürbare Chemie

Zu den bewährten Gags kommt an diesem Abend noch eine spürbare Chemie der beiden auf der Bühne, die sich gegenseitig die humorigen Bälle zuspielen, mit „die Sängerin“ und „der Pianist“ auch schon mal die „Messer wetzen“. Rutt „verliert“ aber meistens und darf sich dann zur großen Unterhaltung der vergnügten Zuschauer mit einem traurigen „Claudia“ wieder an sein Piano zurückziehen, das eigentlich ein Keyboard ist. Es ist einmal mehr ein gelungener Abend in der „Alten Linde“.

>>>> INFO: Lebensgeschichte erzählt

Claudia Zimmer erzählt die Lebensgeschichte des beliebten Künstlers, der 1909 in Riga zur Welt kam und 70 Jahre später in Hamburg starb. Heinz Erhardt hatte bereits 1971 einen Schlaganfall erlitten, der den wortgewaltigen Mann für immer verstummen ließ. Für den letzten „Willi“-Film mussten einige Szenen mit einem Double gedreht werden.

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