Interview

„Im Sterben nicht alleine lassen“

„Ich habe ein Motto, mit dem ich zu dem Menschen gehe“, sagt Hospizbegleiter Wolfgang Ax über die Arbeit mit Leuten, die den eignen Tod vor Augen haben. „Alles kann, aber nichts muss!“

„Ich habe ein Motto, mit dem ich zu dem Menschen gehe“, sagt Hospizbegleiter Wolfgang Ax über die Arbeit mit Leuten, die den eignen Tod vor Augen haben. „Alles kann, aber nichts muss!“

Wolfgang Ax engagiert sich seit vier Jahren als ehrenamtlicher Hospizbegleiter bei der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen.

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Siegen-Wittgenstein. Verschenkte Liebe kommt im Quadrat zurück – das sagt der Caritasverband Siegen. Deshalb präsentiert er in Zusammenarbeit mit dieser Zeitung jeden letzten Montag eines Monats engagierte Ehrenamtler.

Wolfgang Ax arbeitet seit vier Jahren als ehrenamtlicher Hospizbegleiter im Hospizdienst der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen in Kooperation mit der Koordinationsstelle für Ambulante Hospizarbeit bei der Caritas. Der Hospizdienst begleitet mit über 60 ehrenamtlich Mitarbeitenden Menschen am Lebensende und deren Angehörige.

Wie sind Sie zu dem Ehrenamt gekommen?

Wolfgang Ax: Ich habe über 20 Jahre in der Pflege gearbeitet. Im Jahr 2000 bin ich dann in einen anderen Berufszweig gewechselt. In meiner Nachbarschaft sind in dieser Zeit viele alte Menschen gestorben und ich habe gemerkt, dass das, was mich all die Jahre in der Pflege begleitet hat „Tod, Sterben, Leid“ gar nicht mehr berührt hat. Da habe ich mir gedacht: „Das kann so nicht sein!“. Ich wollte Tod und Leiden wieder in mein Leben lassen. Da war nichts mehr davon da. Just in diesem Moment schlage ich die Zeitung auf und da war die Ankündigung zur Ausbildung zur ehrenamtlichen Sterbebegleitung. Ich nenne es mal „Schicksalsfügung“.

Sind Sie in der Ausbildung dem Thema „Sterben und Tod“ dem wieder näher gekommen?

Die Beschäftigung mit sich selbst und mit dem Thema hat mich zurück in diese Richtung gebracht, über Tod, Leid und Sterben wieder nachzudenken. Es hat einen Platz in meinem Leben gefunden.

Was machen Sie ganz konkret als ambulanter Hospizbegleiter?

Ganz konkret ist es sehr individuell! Wenn ich zu einem zu Begleitenden hingehe, dann versuche ich mich von allen Dingen in meinem Kopf leer zu machen. An der Haustür bin ich dann nur noch für den Menschen da, den ich besuche. Ich versuche, mein Schubladendenken nach hinten zu stellen, denn ich weiß ja nicht, was mich erwartet. Konkret tue ich dann das, was derjenige möchte. Ich habe ein Motto, mit dem ich zu dem Menschen gehe: „Alles kann, aber nichts muss!“. Von daher bin ich schon sehr offen und glaube, dass diejenigen, die ich besuche, das auch merken. Es ist immer etwas Neues.

Was ist für Sie das Besondere an der Tätigkeit?

Das Besondere ist, dass man sich immer wieder neu einstellen muss. Der eine wünscht sich zum Beispiel, dass ich mit ihm einmal einen Fisch zubereite, den er schon lange nicht mehr gegessen hat. Jemand anders möchte vielleicht etwas erzählen, das ihn beschäftigt. Ich muss immer flexibel sein. Das macht auch etwas mit meinem Leben. Ich werde in meinem persönlichen Leben offener. Das macht mein Leben wieder schöner.

Gibt es ein besonderes Erlebnis?

Ich habe einen Mann im Krankenhaus besucht. Er schlief und wurde wach, sah mich, lächelte und sagte: „Schön, dass du da bist!“. Das sagte er mit einer richtigen Inbrunst. Das war toll.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Hoffentlich kann ich es noch lange machen. Man weiß ja selbst nicht, wie lange man selbst gesund bleibt. Es kann sich ja mal schnell ändern.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Menschen wieder mehr zu Hause sein können und im Leid und im Sterben nicht allein gelassen werden. Dass das wieder möglich wird, das wünsche ich mir.

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