Justiz

Iraner gesteht Mord: Auf Bruder und Schwägerin eingestochen

Der Angeklagte (Mitte) schildert die Tat vor dem Siegener Landgericht in sachlichem, geschäftsmäßigem Ton.

Foto: Michael Kunz

Der Angeklagte (Mitte) schildert die Tat vor dem Siegener Landgericht in sachlichem, geschäftsmäßigem Ton. Foto: Michael Kunz

Siegen/Wilnsdorf.  Ein Iraner hat vor dem Gericht in Siegen den Doppelmord an seinem Bruder und dessen Frau gestanden. Motiv: Streit um eine Wohnung in Teheran.

11. November 2017. Ein iranischer Staatsbürger fährt an diesem Samstag von Siegen nach Wilnsdorf, tötet seinen Bruder und dessen Frau mit jeweils mehreren Messerstichen. Seit Donnerstag läuft die Verhandlung vor dem Siegener Schwurgericht. Die Anklage: Mord am Bruder, Totschlag an der Schwägerin. Der Angeklagte gibt alles zu. Anlass war wohl eine Erbstreitigkeit.

Iraner aus Siegen soll nach Wilmsdorf gefahren sein, um Bruder zur Rede zu stellen

Der 63-Jährige ist nach eigener Aussage an jenem Morgen nach Wilnsdorf gefahren, um den deutlich älteren Bruder zur Rede zu stellen. Er sieht unterwegs dessen Wagen, folgt ihm zunächst auf den Parkplatz eines Supermarkts. „Er hat mich gesehen und abgewinkt“, berichtet der Mann.

Dann sei er ihm nach Hause nachgefahren. „Ich dachte, er kommt jetzt zu mir ans Auto“, erzählt der Angeklagte. Stattdessen habe der Bruder mit dem Finger gedroht und sich seinem Kofferraum zugewandt. Dort habe er – zumindest vor 15 oder 16 Jahren – ein großes Stück Holz zur Verteidigung gehabt.

Der Angeklagte will sich bedroht gefühlt haben, fuhr aus seiner Sicht gegen den Wagen des Bruders, um diesen in Schach zu halten: „Als ich aufs Gas drückte, war das der Anfang der Aktion ohne Kopf“, sagt der Iraner in gebrochenem Deutsch. Dass der Bruder über den Wagen geschleudert wurde, bereits schwere Verletzungen erlitt, will er nicht bemerkt haben.

Täter stach Bruder in den Hals

Selbst durch Schmerzen in der Schulter und ein gebrochenes Handgelenk beeinträchtigt, habe er anschließend zur Verteidigung das Messer in seinem Auto gesucht, das er immer zur Zubereitung seines Essens dabei hatte. Damit stach er dem Bruder anschließend wütend in den Bauch, wollte ihm dann ins Gesicht und in den Mund schneiden. Das Opfer habe sich plötzlich bewegt, „der Stich ging in den Hals“.

Er stach der Schwägerin in den Bauch

Nach zwei weiteren Stichen sei er „fix und fertig“ ins kaputte Auto zurück, wo plötzlich die Schwägerin neben ihm stand und etwas von Versicherungspapieren gesagt habe.

Er stach ihr in den Bauch und verfolgte sie über die Straße, verletzte sie weitere Male. „Eine mutige Frau“ packte ihn dann am Kragen und hielt ihn von weiteren Stichen ab: „Ich stieß das Messer in den Boden und sagte, sie solle die Polizei rufen. Ich bin der Täter“, beendet der Angeklagte seinen Bericht. Er sei völlig neben sich gewesen, „in einem Blutrausch“, beschreibt er seinen Zustand, erinnert sich nur dunkel an die Zahl der Stiche, an andere Einzelheiten aber erstaunlich deutlich.

Neffe hat Tränen in den Augen

Gemocht habe er seinen Bruder nie, zuletzt richtig gehasst. Er habe ihn systematisch mit dem Rest der Geschwister um seinen Anteil an einem Haus im Iran betrogen. Der Vater hatte den fünf Geschwistern ein Haus vererbt, das Anfang der 2000er Jahre abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Er habe die kleinste Wohnung gehabt, die der Bruder plötzlich auf sich habe eintragen lassen, sagt er.

2014 hat der Angeklagte wohl einen Vertrag unterschrieben und verkaufte die Wohnung für 400 Millionen Toman an den Bruder. Offensichtlich ging das Geld aber nie auf seinem Konto ein. Zu den Hintergründen scheint es unterschiedliche Auffassungen zu geben. Fest steht: Der Angeklagte hat seinen Bruder und weitere Geschwister im Iran telefonisch bedroht, einen Farbbeutel und Böller auf den Wagen des Bruders geworfen. Der sei „ein gieriger Geier“ gewesen, sagt der Mann.

Warum er nicht einfach wieder gefahren sei, als er vermutete, dass der Bruder ein Stück Holz hole, will Richterin Elfriede Dreisbach wissen. Das hätte ja bedeutet, den Betrug zu akzeptieren und Angst zuzugeben, der Angeklagte schüttelt den Kopf. Das gehe nicht: „Ich konnte nicht zurückweichen!“ Für ihn sei es klar um Rache gegangen, „Auge um Auge“. Grundsätzlich habe er nur an ein finanzielles Zerstören gedacht, aber auch von den Schnitten ins Gesicht geträumt. Töten sei nicht geplant gewesen, sagt der Iraner in durchgehend sachlichem und sehr geschäftsmäßigem Ton. Sein Neffe, der Sohn des Toten, sitzt als Nebenkläger direkt gegenüber und hat fast immer Tränen in den Augen.

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