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Japan: So ist der Sommer in Kyōto

Zum Abkühlen bietet Japan viele Möglichkeiten - zum Beispiel den Biwa-See.

Zum Abkühlen bietet Japan viele Möglichkeiten - zum Beispiel den Biwa-See.

Foto: Jan Lindner

Kyōto.   Vieles unterscheidet den japanischen vom deutschen Sommer, neben dem Klima beispielsweise die Einstellung zum Braunwerden.

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Seit Anfang April, dem Ende der Kirschblütenzeit, steigen die Temperaturen nach und nach in die Höhe. Temperaturen von bis zu 30 Grad sind schon im April keine Seltenheit mehr. In Deutschland sieht es, je nach Jahr, klimatisch tatsächlich relativ ähnlich aus.

Der Regen

Doch in Japan wird mit den Sommermonaten Juni und Juli nicht nur Sonnenschein, sondern auch die Regenzeit verbunden, die sich von Mitte Juni bis Anfang Juli erstreckt. Als ich das erste Mal von der Regenzeit gehört habe, stellte ich mir dauerhaften Starkregen vor. Dies ist jedoch nicht der Fall. Man kann es eher als eine „Schlechtwetter-Phase“ bezeichnen. Der Regen gibt einem leider bereits im Sommer ein eher herbstliches Gefühl, obwohl die Temperaturen nach wie vor bei über 30 Grad liegen.

Die Klimaanlagen

Um sich auch an heißen und schwülen Tagen zu kühlen, gibt es in Japan einige Methoden, die ich in dieser Form in Deutschland noch nicht gesehen habe. Kurz nachdem ich nach Japan gekommen bin, sind mir sofort die zahlreichen Klimaanlagen aufgefallen. Jedes Gebäude, jeder Raum, jedes Transportmittel ist mit einer Klimaanlage (im Japanischen „eakon“; phonetisch von dem englischen Wort „air conditioner“) ausgestattet. In Deutschland wird ebenfalls viel klimatisiert, aber Japan hebt die Technisierung auf eine andere Ebene. Im Winter wird mit der Klimaanlage geheizt, im Sommer gekühlt, ganz egal wo man sich befindet.

Die Schirme

Japaner lieben Regenschirme – anders kann ich es nicht formulieren. Meiner Erfahrung nach benutzen Deutsche eher bei stärkeren Regenfällen Schirme, bei leichtem Regen reicht eine Jacke. Hier in Japan gehen bereits bei Nieselregen alle Regenschirme ausnahmslos auf, denn Regen wird als generell eher unrein angesehen. Zu meiner Überraschung gilt das nicht nur für Regen, an sonnigen Tagen zögern Japanerinnen nicht, ihre Schirme zu öffnen. Eine blasse Haut gilt in Japan besonders unter Frauen als Schönheitsideal. Deshalb soll der Schirm dabei helfen, sich vor der Sonne zu schützen, um einen Sonnenbrand und Bräune zu vermeiden. Viele Menschen in Europa empfinden es als wichtig, eine gesunde Bräune aufzubauen und diese auch im Winter durch Besuche auf der Sonnenbank aufrecht zu erhalten – das genaue Gegenteil von dem, was in Japan passiert.

Die Snacks

Zudem gibt es die ein oder andere kulinarische Besonderheit, um auch im Sommer einen kühlen Kopf zu behalten. „Bubble Tea“ (oder auch „Boba Tea“) ist ein taiwanesischer Trend, der sich nicht nur in Ostasien, sondern ebenso in Deutschland in den vergangenen Jahren durchsetzen konnte. Bei diesem Getränk handelt es sich um entweder traditionellen Tee, Eistee, Softdrinks, Milch oder Saft, die mit sogenannten „Boba“ serviert werden. „Boba“ sind kleine schwarze Bällchen aus Tapioka, einem pflanzlichen Produkt, welches relativ geschmacksneutral ist. Nicht nur Süßes, sondern auch Deftiges kann ebenfalls als Erfrischung dienen, wie „soumen“ – Nudeln, die gekocht, danach gekühlt und mit Eiswürfeln und einer besonderen Soße serviert werden.

Die Abkühlung

Bei besonders gutem Wetter und hohen Temperaturen fährt man außerdem gerne an den Strand. Circa vierzig Bahnminuten vom Kyoto Hauptbahnhof entfernt findet man am Biwa-See, dem größten See in Japan, viele Strände, an denen man die Seele baumeln lassen kann. So kann man für ein paar Stunden in fast schon tropischer Atmosphäre den Alltag vergessen und es sich gut gehen lassen.

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