Medizin

Jung-Stilling Siegen richtet Intermediate Care Station ein

Das Diakonie-Klinikum Jung-Stilling hat die Intermediate Care Station mit 10 Betten als Brücke zwischen Intensivstation und Normalstation eingerichtet.

Das Diakonie-Klinikum Jung-Stilling hat die Intermediate Care Station mit 10 Betten als Brücke zwischen Intensivstation und Normalstation eingerichtet.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Die Anforderungen ändern sich: Das Diakonie-Klinikum braucht mehr Betten für schwer Verletzte und Kranke, weniger für die einfacheren Fälle.

Das Diakonie-Klinikum Jung-Stilling richtet eine Station neuen Typs ein: Die Intermediate Care Station, angesiedelt zwischen Intensiv- und regulärer Pflegestation. Das bisherige Angebotsspektrum wurde den differenzierten Erfordernissen der Patienten nicht mehr gerecht. Zudem hat sich der Bedarf verschoben: Kliniken brauchen mehr Betten für die schweren Fälle, weniger für die einfacheren.

Die Entwicklung

Diagnostik und OP-Technik werden immer besser und schonender, bis ins hohe Alter können Patienten inzwischen operiert werden, die Nachversorgung erfolgt in weiten Teilen ambulant. „Wer in den 80ern mit einem Bandscheibenvorfall in die Klinik kam, blieb dort Minimum 14 Tage“, sagt der Medizinische Direktor Prof. Veit Braun. Heute treffe er mittags schon die Patienten, die er morgens operiert habe, draußen beim Rauchen, nach zwei Tagen seien sie in der Regel zu Hause.

Das Erasmus Medical Center Rotterdam, Kooperationspartner der Uni Siegen beim Projekt „Medizin neu denken“, habe ein Viertel seiner Bettenkapazität abgebaut, so Braun. Immer mehr Menschen können operiert werden – „nicht des Geldes wegen“, sagt der Neurochirurg. „Sondern weil wir vieles vor zehn Jahren noch nicht operieren konnten.“

Krankenhäuser bräuchten heute nicht mehr die große Zahl an Betten – aber es gibt mehr Bedarf für Patienten, die so schwer krank oder verletzt sind, dass sie die Klinik nicht nach wenigen Tagen verlassen oder von der Intensivstation verlegt werden können. „Das Spektrum der Behandlungen hat sich verschoben“, so Braun, den Patienten mit mehr Versorgungsaufwand müsse man gerecht werden. Auch, weil das Jung-Stilling im Bereich Neurochirurgie Verträge mit benachbarten Kliniken geschlossen hat: Wenn etwas Ernstes anliegt, sichert das Stilling zu, den Patienten sofort zu übernehmen. „Dafür brauchen wir Betten“, sagt Braun.

Auch baulich soll das Diakonie-Klinikum so umstrukturiert werden, dass Abläufe optimiert werden: Aufnahme – Diagnostik – OP – Nachsorge. Das Personal einer Klinik mache rund 70 Prozent der Kosten aus, erklärt Braun. Dass Mitarbeiter und Patienten auf langen Wegen quer durchs ganze Haus unterwegs sind, mache keinen Sinn. Auf der neuen Station sind die Doppelzimmer zum Beispiel mit Türen verbunden – das spart die umständlichen Wege über den Zentralflur.

Die Station

Die Kluft zwischen immer moderneren Intensivstationen und normalen Klinikbetten wurde immer größer. „So wie jetzt die Intermediate Care Station sahen Intensivstationen vor 20 Jahren aus“, sagt Veit Braun. Der Schritt von der Intensiv- zur regulären Station sei inzwischen so groß, dass er die Sicherheit des Patienten gefährden könne, so Dr. Reiner Giebler, Chefarzt Anästhesie. Auf der neuen Station werden Kranke versorgt, die keine Intensivstation mehr brauchen, aber trotzdem rund um die Uhr überwacht werden müssen, besonders pflegebedürftig sind.

Die neuen zehn Betten sind Teil der Krankenhausbedarfsplanung des Landes, so Klinik-Geschäftsführer Hubert Becher: Bislang gab es am Stilling 27 Intensiv-Betten und eine Überwachungsstation (die weiter ertüchtigt wird) mit weiteren zehn Betten. Die sechs Intensivplätze des Standorts Kredenbach, der Ende des Monats schließt, würden mit der neuen Station kompensiert.

Mehr Möglichkeiten, Patienten angemessen zu versorgen, sieht auch Pflegedirektor Sascha Frank: Er spricht von einem neuen Versorgungslevel im Gesundheitssystem. Die Station sei deutlich besser geeignet, wenn Patienten nach einer Operation mobilisiert oder von der Beatmungsmaschine entwöhnt werden müssen.

Die Technik

Die Station ist mit Beatmungs- und Überwachungsgeräten ausgestattet, teilweise mobil. Wird der Patient verlegt, werden seine Vitalfunktionen weiter erfasst und permanent synchronisiert. Vom Stationszimmer aus hat das Personal jederzeit die Herz-Kreislauf-Daten auf dem Schirm. „Wir bekommen jederzeit alles mit“, sagt der stellvertretende Stationsleiter Stefan Bruland. „Das gibt Patienten und Mitarbeitern Sicherheit.“

Das Personal

14 Vollzeitkräfte, 20 Prozent davon mit Fachweiterbildung, arbeiten auf der interdisziplinären Station – genau so viele sind es auf einer regulären Pflegestation auch. Nur dass die 32 Betten hat. Eine Pflegefachkraft ist auf der neuen Station für zwei bis drei Patienten da.

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