Jugendarbeit

Junge Bürger wollen in Hilchenbach richtig mitreden

Vorsitzende Susanne Kues-Gertz (rechts) hört den Vertretern des Jugendforums  zu. Mit in der Runde ist Jugendpfleger Roman Mengel (links).

Vorsitzende Susanne Kues-Gertz (rechts) hört den Vertretern des Jugendforums zu. Mit in der Runde ist Jugendpfleger Roman Mengel (links).

Foto: Betty Roth

Hilchenbach.   Hilchenbacher Jugendforum soll Plätze in allen Ausschüssen des Rats bekommen. Push-Verein nimmt der Stadt Trägerschaft für neues Projekt ab.

„Mischt euch ein!“, fordert Betty Roth (SPD) die jungen Leute aus dem Jugendforum auf, die im Ratsaal einen Ehrenplatz mitten in der Runde der Kommunalpolitiker bekommen haben, „und seid neugierig!“ Am Ende ringt sich der Jugend- und Sozialausschuss zwar dazu durch, im Rat für die Vertretung der Jugend einen beratenden Platz in allen städtischen Ausschüssen zu verlangen. Allerdings nicht ohne den erhobenen Zeigefinger: „Dann seid ihr auch gefordert“, mahnt Karl-Heinz Jungbluth (FDP). „Das ist uns durchaus bewusst“, erwidert Tina Klein aus dem Team des Jugendforums. „Deswegen sind wir ja hier“, stellt Philipp Gerloff klar.

Jugendforum

Das Jugendforum sucht bessere Beteiligungsformen. „Es gibt viele Formate, durch die die Jugend nicht angesprochen wird“, sagt Tina Klein. Dazu gehört die nun abgeschaffte Hierarchie: „Das ist zu viel Verantwortung für eine oder zwei Personen.“ Womöglich aber auch die vom Kreis nun im zweiten Jahr ausgerichteten Jugendbeteiligungskonferenzen „#siwi4you“, die bei den Hilchenbachern nur auf begrenzte Resonanz gestoßen sind, wie Jugendpfleger Roman Mengel berichtete. Wichtiger sei es wohl, kurzfristig Realisierbares anzugehen: „Für junge Leute sind zwei Monate eine lange Zeit.“ Da sei vielleicht der Bolzplatz an der Realschule machbar oder der Basketballkorb, nicht aber die Verbesserung des ÖPNV, der Radwege oder der Ausstattung der Schulen.

„Jugendliche sollen mehr zu Wort kommen können“, fordert Max Langenbeck. „Viele Jugendliche in Hilchenbach fühlen sich nicht oder nur wenig wahrgenommen“, berichtet Philipp Gerloff. Zu sagen hätten sie einiges, vermutet Katrin Fey (Linke): zum „Bilderstreit“ im Ratssaal oder zum Band-Probenraum, der aus dem Bauprogramm des Kulturellen Marktplatzes herausgefallen ist, zum Beispiel. „Es sollte selbstverständlich sein, dass ihr Mitspracherecht habt.“

Stadtrat Udo Hoffmann wirbt dafür, es bei der bisherigem Regelung zu belassen: Das Jugendforum hat einen Sitz im Jugend- und Sozialausschuss; darüber hinaus könnten Vertreter zu jugendspezifischen Themen in anderen Ausschüssen gehört werden. „Unsere ganze Zukunft ist ein jugendpolitisches Thema“, wendet Vorsitzende Susanne Kues-Gertz (Grüne) ein. „Das entscheiden doch die Jugendlichen selbst, was für sie relevant ist“, sagt Katrin Fey (Linke), „das entscheiden doch nicht wir oder die Verwaltung.“ „Wir würden gern an allen Sitzungen teilnehmen“, betont Max Langenbeck — unausgesprochen steht dahinter das Modell der Nachbarstadt Kreuztal, die ihrem Seniorenbeirat Sitz und beratende Stimme in allen Gremien gibt.

Jugendprojekte

„Legalize Freundeskreis“ heißt das neue Jugendprojekt, das am 1. Juni startet. Formell nicht in Trägerschaft der Stadt, die sich das aus Gründen der Haushaltssicherung nicht leisten will, sondern des Jugendkulturvereins Push. Der muss auch die 15 Prozent Eigenanteil zu dem 43.000-Euro-Projekt aufbringen, das durch das Landesjugendamt gefördert wird. Eine 1500-Euro-Spende der Linken hilft dabei, auch das Geld vom Jugendförderpreis, das noch da ist. „Wir sind froh, wenn wir weitere Spenden bekommen“, sagt Heike Kühn im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie ist nicht nur Jugendpflegerin der Stadt, sondern auch im Ehrenamt Vorstandsmitglied bei Push. Als Projektmitarbeiter bei „Legalize Freundeskreis“ ist Sascha Rötz mit einer Dreiviertelstelle am Start. Der Sozialpädagoge soll auffällige und gefährdete Jugendliche an ihren Treffpunkten aufsuchen. Es gehe darum, über „riskante Verhaltens- und Lebensweisen“ ins Gespräch zu kommen, sagt Rötz, „und den einen oder anderen zu motivieren, sein Leben aktiver selbst zu gestalten“.


Starke Typen: Der Verein, einst von den Nachwuchsbands für die Ausrichtung der jährlichen Push-Festivals gegründet, ist inzwischen Träger weiterer Initiativen: der Tanzgruppe Unique und der Uzing Crew, in der sich die Dirtbiker vom Mühlenweg zusammengefunden haben, und nun auch von „Ride my Bike“ – das ist die Nachwuchsgruppe, die sich im letzten Jahr im Dirtbikepark gefunden hat. „Push wird alles dafür tun, diese Gruppe weiterhin zu unterstützen“, verspricht Heike Kühn, „wir werden den Park nicht wie eine heiße Kartoffel fallen lassen.“ Denn die Zeit der „Starken Typen“ – so hieß das im vorigen Jahr von der Stadt gestartete Projekt — ist Ende April abgelaufen: „Wir haben die stark gemacht“, sagt Heike Kühn. Ob sich die Stadt weiter beteiligt? Nein, betont die Jugendpflegerin im Ausschuss: Die halbe Stelle und der Minijob sind weg, im Park geht es nur noch ehrenamtlich weiter. Dann, so Katrin Fey (Linke), werde sich die Politik darum kümmern. Ein Ortstermin ist im Herbst.

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