Street Art

Junge Doktorandin forscht an Uni Siegen zu Street Art

Street Art in Köln – hier von dem Künstler Rakaposhi.

Street Art in Köln – hier von dem Künstler Rakaposhi.

Foto: Katja Glaser

Siegen.   Getrickt, geklebt und gesprüht – Mehr als 11.000 Fotos hat Katja Glaser in den vergangenen Jahren schon gesammelt. Seit 2005 fotografiert die 29-Jährige Street Art in Großstädten und machte ihr Hobby sogar zum Forschungsprojekt. Seit 2012 schreibt sie an ihrer Dissertation an der Uni Siegen.

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Wer mit Katja Glaser unterwegs ist, kommt nicht zügig voran. Ihre Freunde wissen das. Wer sich allerdings darauf einlässt, begegnet gestrickten Monstern, die aus Knopfaugen auf Passanten lächeln oder vier Quadratmeter großen Männern mit Schnauzbart in den Fünfzigern. Katja Glaser fotografiert seit 2005 Street Art in Großstädten. Seit zwei Jahren forscht die 29-Jährige hierzu als Stipendiatin des DFG-Graduiertenkollegs Locating Media an der Universität Siegen.

Wie viele Fotos sie schon gesammelt hat? Katja Glaser, roter Rock, Piercing in der Unterlippe, Sommersprossen auf der Nase, lacht. „Ich habe es neulich einmal grob überschlagen. Es müssten mehr als 11 000 Fotos sein.“ Das gesamte Archiv sichert sie auf zwei externen Festplatten. Ihr wertvollster Schatz, sortiert nach Städten und Stadtteilen. Denn die Kunst, die sie erforscht, lebt von ihrer Vergänglichkeit. Das ist der besondere Reiz. Wetter, Vandalen, Sammler, Ordnungshüter setzen den Kunstwerken zu. Aber das eben gehört dazu.

Kleine Korkmännchen

„Es gibt keine ganz klare Regel, das ist Street Art und das nicht. Aber für mich sind es Sachen, die geklebt, gestrickt oder gesprüht werden“, erklärt Katja Glaser. Das können kleine Korkmännchen sein, die eine Wand hochkraxeln, bunte Muster aus kleinen Kacheln oder aber weiße Klebestreifen, die richtig geklebt einen Mülleimer zum Korb in einem Basketballfeld werden lassen. Klassische Graffitis gehören für die Doktorandin übrigens nicht dazu.

Den Blick auf die Kunstwerke kann Katja Glaser seit ihrem Auslandssemester in Granada nicht mehr abstellen. „Das läuft automatisch.“ Eine Freundin hat sie damit schon angesteckt. Sie sagte neulich: „Katja, das ist wie Pilzesammeln.“ Denn der Blick auf die eigene Stadt verändert sich. Die Augen tasten Wände ab, erforschen Gullydeckel, taxieren Laternenmasten.

Viel zu schauen gibt es zum Beispiel in den Berliner Stadtteilen Neukölln, Kreuzberg, Friedrichshain und neuerdings in Wedding. In Hamburg im Schanzenviertel, in St. Pauli und Altona und in Köln im Belgischen Viertel oder in Ehrenfeld.

Der Titel ihrer Dissertation lautet: Street Art im digitalen Straßennetz. Sie untersucht die Wechselwirkung zwischen Street Art und Medien. Da gerade Blogger, Facebook-Seiten, Streetart-Fotografen und Passanten mit Smartphones, dafür sorgen, dass sich die Kunst von den analogen Straßen im digitalen Netz verbreiten. Glaser erforscht eben diese Zirkulation.

Die große Reichweite sorgt auch dafür, dass sich Street-Art-Künstler, die oft unter Pseudonymen arbeiten, in der Szene einen Namen machen. Allein die Facebook-Seite StreetArt in Germany hat mehr als eine Millionen Fans.

Street Art – Beispiele aus Siegen und die Bewertung der Wissenschaftlerin 

Katja Glaser: „Ich finde es gut, wenn graue Stromkästen verschönert werden. In der Graffitiszene wird über solche Aktionen der Städte und von Hausbesitzern natürlich diskutiert. Einige sehen, das als eine Versiegelung von Fläche und damit als Art Provokation, weil ihnen so öffentlicher Raum weggenommen wird. Andere ignorieren es einfach. Zum Austausch beider Seiten kommt es jedoch weniger.“

Katja Glaser: „Für mich gehört das auf jeden Fall zur Street Art – technisch einfach gemacht:

Schablone und aufgesprüht. Normalerweise gehen Künstler jedoch eher zu geklebten Sachen, weil das eine Ordnungswidrigkeit ist. Gesprühtes wird hingegen als Strafsache eingestuft. Gerade die Schablonen werden oft beim politischen Protest eingesetzt. Wenn die Meinungsfreiheit beschränkt ist, werden die Wände genutzt.“


Katja Glaser: „Graffiti kann als eine Art Ursprung gesehen werden. Für meine Forschung ist das allerdings nicht relevant. Ich beschränke mich wirklich auf Geklebtes, Gestricktes und Gesprühtes – hier allerdings mit Schablonen. Interessant ist in dem Zusammenhang allerdings, dass normalerweise Street Art und Graffitis an unterschiedlichen Orten vorkommen. An Bahnlinien oder Unterführungen gibt es keine Street Art.“

Katja Glaser: „Generell sind Sticker auch eine Art der Streetart. Da diese Aufkleber hier aber eher von politischen Institutionen und Vereinigungen genutzt werden, zähle ich das nicht unbedingt zur Kunst. Sie nutzen das gleiche Medium ist das eher eine Vermittlung von politischen Botschaften. Sie nutzen das gleiche Medium. Es gibt Künstler, die nur mit Stickern arbeiten – digital gedruckt, bemalt oder besprüht.“

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