Vortrag

Kaum Gegenwind für Thilo Sarrazin an der Universität Siegen

Nur wenige Demonstranten sind zum Artur-Woll-Haus gekommen, um gegen den Vortrag Thilo Sarrazins ein Zeichen zu setzen. Ihr Protest ficht den Buchautor kaum an.

Nur wenige Demonstranten sind zum Artur-Woll-Haus gekommen, um gegen den Vortrag Thilo Sarrazins ein Zeichen zu setzen. Ihr Protest ficht den Buchautor kaum an.

Foto: Hendrik Schulz

Weidenau.   Umstrittenes Seminar zum Thema Meinungsfreiheit: Nur gut 30 Demonstranten wollen in der Uni Siegen ein Zeichen setzen. Massives Polizeiaufgebot.

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Dutzende Polizeieinsatzkräfte und Sicherheitsmitarbeiter haben am Donnerstag, 10. Januar, die beiden Vorträge von Thilo Sarrazin an der Universität Siegen und in der Bismarckhalle abgesichert. Vorfälle gab es keine. Vorangegangen war eine monatelange Debatte darüber, ob der umstrittene Buchautor („Deutschland schafft sich ab“) an der Universität Siegen sprechen sollte. Sarrazins Verlag hatte nach dem Seminar von Prof. Dieter Schönecker zur Meinungsfreiheit eine Lesung organisiert.

Die Gegner

„Ich will ein Zeichen setzen gegen Rassismus“, sagt Student Christian Wittershagen, einer von gut 30 Demonstranten am Artur-Woll-Haus. Um das Seminar, in dem neben den Seminarteilnehmern und zahlreichen Medienleuten auch Vertreter der Uni-Leitung sitzen, zu stören, finden sie eine wörtlich pfiffige Methode – regelmäßige Sprechchöre und Trillerpfeifen reichen aus, um die Konzentration zumindest zu beeinträchtigen. Zumal Sarrazin trotz launiger Momente kein fesselnder Redner ist, wie einige Studierende nachher anmerken werden. Vor der Bismarckhalle hat die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde Betzdorf einen Infostand aufgebaut, um Sarrazins islamkritischen Thesen etwas entgegenzusetzen. Meist seien sie auf Ablehnung bei den Besuchern gestoßen, so Hares Mehmood von der Gemeinde. „Mit Muslimen könne man nicht diskutieren.“

Der Professor

Dieter Schönecker betont: Meinungs- und Redefreiheit sei allumfassend – wer dafür ist, müsse auch Meinungen achten, die er verachte. Es mache einen Unterschied, ob man Sarrazin einlade und ihn scharf kritisiere – oder ob man den Rektor dazu auffordere, den Vortrag zu verbieten. Schönecker bedankt sich bei Prof. Holger Burckhart, dem nicht nachgekommen zu sein. „Thilo Sarrazin steht wie kein Zweiter für die Frage wo und wie man die Grenzen der Meinungsfreiheit ziehen kann“ – das müsse man ertragen, auch er, das gehöre aber dazu.

Der Redner

Sarrazin scheint in seiner Argumentation gefangen: Er nimmt für sich in Anspruch, auch als Nichtwissenschaftler die Dinge durchdrungen, Zusammenhänge erkannt zu haben, wer das anders sieht, habe es nur nicht verstanden. Zweiter Eindruck: Er fühlt sich in seiner Ehre gekränkt, durch Nichtbeachtung in den Medien, nicht zuletzt durch eine Stellungnahme der Uni, für die er Niels Werber, Dekan der Philosophischen Fakultät wiederholt angreift, weil der sein Buch offensichtlich nicht gelesen habe. Sarrazin weist Fremdenfeindlichkeit und Extremismus von sich und wettert gegen den linken Mainstream und den Verlust von unbequemen Positionen im Universitätsbetrieb. Später am Abend, in der nicht ausverkauften Bismarckhalle, eher ein Heimspiel für ihn. Als er die Bühne betritt, gibt es sogar stehenden Applaus.

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