Energie

Kein „Windpark Rittershausen“ auf Haincher Höhe

Die fünf Windenergieanlagen an der Grenze zu Hainchen werden nicht errichtet. Bewohner aus Hainchen (hinten) und Irmgarteichen (vorn) hätten die Anlage im direkten Blickfeld gehabt. Foto:Heinrich Bruch

Die fünf Windenergieanlagen an der Grenze zu Hainchen werden nicht errichtet. Bewohner aus Hainchen (hinten) und Irmgarteichen (vorn) hätten die Anlage im direkten Blickfeld gehabt. Foto:Heinrich Bruch

Netphen.   Investor zieht Genehmigungsantrag für fünf Windräder auf der Haincher Höhe zurück und kommt der Ablehnung aus Gießen zuvor.

Die Windräder am Rothaarsteig sind kein Thema mehr. Die Firma Renertec hat ihren Antrag auf Genehmigung von fünf Windrädern zurückgezogen. Das hat die Netphener Stadtverwaltung von der Bezirksregierung Gießen erfahren. Gegen das Vorhaben hatten sich Natur- und Landschaftsschützer gewehrt.

Auch die Stadt Netphen hatte ihre Einwendungen zu Protokoll gegeben — mehr konnte sie aber auch nicht tun. An der Stadtgrenze endet die kommunale Planungshoheit, an der Landesgrenze der Einfluss der NRW-Regierung. Seit 2014 steht das Thema auf der Tagesordnung. In jenem Sommer stattete Andreas Thomas, neuer Bürgermeister in Dietzhölztal, seinem Netphener Kollegen Paul Wagener einen Antrittsbesuch ab und berichtete über das Vorhaben: Renertec hatte ein Gelände der Haubergsgenossenschaft Rittershausen-Langenbach gepachtet, um darauf zwölf Windräder aufzustellen.

Nur 700 Meter Abstand

Mit einem Abstand von nur 700 Metern zur Haincher Wohnbebauung wurden die 1000 Meter deutlich unterschritten, die die Stadt Netphen bei ihren eigenen Planungen einhält; diesen Mindestabstand hat sie auch bei ihren nordrhein-westfälischen Nachbarn eingefordert. Der Dietzhölztaler Gemeinderat befürwortete das Vorhaben, die Bezirksregierung Gießen war dagegen. In den Regionalplan Mittelhessen wurde der „Windpark Rittershausen“ nicht aufgenommen.

Die aktuelle Rechtslage ist zu beiden Seiten der Landesgrenze vergleichbar: Weil es noch keine Windkraft-Vorrangzonen gibt — der Regionalplan Mittelhessen ist noch nicht in Kraft, der Netphener Wind-Flächennutzungsplan auch nicht —, können Bauwillige sich auf das Privileg des Baugesetzbuches berufen, der den städtebaulichen Außenbereich grundsätzlich für Windräder freigibt. Davon machte Renertec Gebrauch und stellte Bauanträge für fünf Windkraftanlagen. Das Regierungspräsidium Gießen leitete das Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissonsschutzgesetz ein — dasselbe Verfahren, nach dem auch der Kreis Siegen-Wittgenstein vor einigen Wochen die umstrittenen Windräder in Bad Laasphe genehmigen musste.

Naturschutzinitiative und Landesgemeinschaft Natur und Umwelt wandten sich an den Regierungspräsidenten und wiesen auf den bedrohten Lebensraum von Wildkatzen, Schwarzstörchen, Rotmilanen und Fledermausarten hin. Die Haincher Höhe sei unzerschnittenes Waldgebiet, dem touristisch bedeutsamen Rothaarsteig drohe die Entwertung. Renertec erfuhr schließlich aus Gießen, dass der Windpark sich nicht mit dem ausgewiesenen FFH- und Vogelschutzgebiet vertrage. Bevor der Antrag abgelehnt wurde, zog ihn der Investor zurück.

>>>> INFO: In Netphen ist noch alles offen

Solange der Netphener Wind-Plan nicht steht, könnten auch dort Investoren Bauanträge für beliebige Standorte stellen. Darauf hatte die Verwaltung den Rat hingewiesen. Die CDU wollte das Verfahren mit Blick auf den Regierungswechsel bereits stoppen. CDU und FDP wollen Windräder im Wald nicht mehr zulassen.

Die Verwaltung wertet derzeit die Eingaben aus der Bürgerbeteiligung zu dem Standort auf dem Hellerkopf aus. Danach müssen womöglich neue Gutachten eingeholt werden, bevor der Plan offengelegt wird.

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