Bildung

„Keppels Zukunftsstifter“ bringen Generationen zusammen

Michael Schäfftlein (hinten links), Elfriede Ringbeck (Mitte) und Csilla Weber (hinten rechts) zusammen mit den Kindern der Hausaufgabenbetreuung.

Michael Schäfftlein (hinten links), Elfriede Ringbeck (Mitte) und Csilla Weber (hinten rechts) zusammen mit den Kindern der Hausaufgabenbetreuung.

Foto: Ina Carolin Lisiewicz

Allenbach.  Die Seniorin Elfriede Ringbeck hilft Kindern bei der Hausaufgabenbetreuung - eines von fünf Angeboten des Projektes „Keppels Zukunftsstifter“.

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„Vati“, sagt Elfriede Ringbeck. Alessio schreibt sofort die passende englische Vokabel auf. „Father wird mit F geschrieben“, sagt die 85-Jährige. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen geht sie mit Alessio eine Vokabel nach der anderen durch. „Ich bin sehr gerne hier“, sagt Elfriede Ringbeck. Sie hilft den Fünftklässlern des Stift Keppel Gymnasiums regelmäßig bei ihren Hausaufgaben. Das ist Teil von „Keppels Zukunftsstiftern“ – einem Projekt, das Generationen zusammenbringt.

Die Seniorin

„Die meisten Kinder nennen mich einfach Elfie““, sagt Elfriede Ringbeck. Sie ist einmal in der Woche bei der Hausaufgabenbetreuung der Fünfklässler dabei. „Ich werde bald einrichten, dass ich ein bisschen häufiger hier bin“, erzählt die ehemalige Realschullehrerin. Denn sie merkt, dass sie gebraucht wird. „Die Schüler sind so dankbar“, sagt sie und lächelt.

Die Lehrerin

Als ein Junge fragt, ob sie seine Schrift überhaupt lesen könnte, ruft sie: „Ich war 40 Jahre Lehrerin. Schrift ist kein Problem für mich. Ich kann alles lesen!“ Neben der Rentnerin kümmern sich auch die Achtklässler Max, Peter und Henry um die Kinder der Hausaufgabenbetreuung.

Die Unterstützung

Elfriede Ringbeck geht es nicht nur um die Hilfe für Kinder. Manchmal gibt es auch psychologische Probleme. Eine Schülerin hätte zum Beispiel ihren Frust loswerden müssen. Dann ging es ihr wieder besser. „Ich habe einfach nur zugehört“, sagt die Seniorin.

Die Nachhilfe

Ein anderer Junge hatte Schwierigkeiten in Englisch. In einem Gespräch stellte Elfie fest, dass er in der Grundschule nur Wörter und Zahlen in der Fremdsprache gelernt hatte, aber keine zusammenhängenden Sätze. „Nun bekommt er Nachhilfe“, sagt sie. „Er ist sehr intelligent.“ Empfindlichen Kindern würde schnell alles zu viel werden und nicht immer hätten die Eltern Zeit, ihnen zuzuhören. „Die ganzen Ungerechtigkeiten, die sie erleben, müssen aber auch mal raus.“

Die Motivation

Zur Hausaufgabenbetreuung ist Elfriede Ringbeck über ein anderes Angebot von „Keppels Zukunftstiftern“ gekommen. „Ich komme mit den neuen Medien nicht immer so gut zurecht“, sagt sie. Daher halfen ihr die Elftklässler bei einer IT-Beratung (siehe unten). Aus Dankbarkeit stellte sie sich dann der Hausaufgabenbetreuung zur Verfügung. Dort hat sie die Fünftklässler im Griff. „Sie folgen meinen Befehlen – die kann man ja auch liebenswürdig geben“, sagt sie lachend. Wenn die Kinder fertig mit ihren Hausaufgaben sind, verlassen sie den Raum. Dann haben die anderen mehr Ruhe.

Die Resonanz

Elfriede Ringbeck befindet sich mit den Kindern stets auf Augenhöhe. Sie ist zur Vertrauten geworden und zum wohl weltbesten Vokabelcoach. „Das Vokabellernen klappt mit ihr fast besser als Zuhause“, sagt Alessio (10). „Sie hat mir Zeit gegeben zum Durchlesen, Abfragen und Aufschreiben“, sagt Lea-Marie (10). Die Vokabeln, die die Schülerin nicht konnte, wurden dann sehr intensiv geübt. „Sie hat mir beim Lernen sehr geholfen“, sagt Sanem (10).

Die Geduld

Tim findet hingegen besonders toll, dass Elfie auch Teil des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) ist, genauso wie seine Großeltern. „Elfriede Ringbeck ist so toll und hat so eine Geduld. Sie bringt eine solche Ruhe und Liebe mit“, sagt Bibliothekarin Csilla Weber. Oft reiche es schon, wenn sie sich einfach neben eins der Kinder setze, dann sei alles gut.

Fünf Angebote für Jung und Alt

Das Projekt „Keppels Zukunftsstifter – Generationen im Dialog“ unterteilt sich in fünf Angebote und läuft bereits seit Februar. Ein Überblick und Zwischenstand.

1. „Die Hausaufgabenbetreuung läuft richtig gut“, sagt Lehrer Michael Schäfftlein. Er wünscht sich allerdings noch mehr Senioren, die bei der Hausaufgabenbetreuung mitmachen. „Es ist für viele ältere Leute eine Frage der Traute“, sagt Michael Schäfftlein.

2. Im Bereich „Selbstständig wohnen“ bietet Holger Menzel ein „Bürgermeisterseminar“ für die Schüler an. Schon fünf Mal hat das stattgefunden. „Hier geht es um Themen, die man in der Schule nicht behandelt“, sagt Michael Schäfftlein. Holger Menzel beantwortet zum Beispiel Fragen zur ersten eigenen Wohnung oder zu Versicherungen. Auch dieses Angebot würde Michael Schäfftlein gerne ausbauen. „Es wäre gut, wenn Herr Menzel nicht der alleinige Referent wäre“, sagt er. Vortragende müssen nur beantworten können, wie man später „gut auf eigenen Beinen steht“. „Oder sie können Sachen, die man später braucht“, sagt Michael Schäfftlein. So ist zum Beispiel angedacht, dass im Rahmen von „Keppels Zukunftsstiftern“ bald gekocht wird.

3. Auch Keppels Früchtchen wünschen sich Unterstützung von Älteren. Das kann bei der Organisation, dem Fahrdienst und/oder dem Flaschenmanagement sein. „Viele der verkauften Flaschen kommen mit Apfelsaftresten zurück“, sagt Michael Schäfftlein. Die müssen schnell gespült werden, damit kein Schimmel ansetzt. Da kommen die Achtklässler nicht immer hinterher. Ein Senior unterstützt die Schülergenossenschaft bereits tatkräftig: „Klaus Stötzel war unsere Verkaufskanone beim Frühlingsfest“, sagt der Lateinlehrer lachend. Für den Verkaufsstand beim „Helchebacher Chresdachsmärtche“ am 14. und 15. Dezember werden noch Helfer gesucht.

4. Die IT-Beratung für Senioren wird gut angenommen. Allerdings ist die Zahl der Teilnehmer geringer geworden. „Viele Senioren hatten konkrete Fragen oder brauchten nur eine Einführung“, sagt Michael Schäfftlein. Nun kommen sie gut alleine zurecht. Das spricht für die Qualität der IT-Beratung der Elftklässler. Nur fehlt nun der Nachschub an neuen Ratsuchenden. „Wir hätten gerne wieder neue Leute“, so Michael Schäfftlein. Der nächste Termin ist am Montag, 18. November, um 15.30 Uhr in Raum 213.

5. Die AG „Tanz und Bewegung für Senioren“ hat nach mehrmaligen Versuchen noch keinen Zulauf. „Bisher hat sich einfach noch keiner getraut“, sagt der Lateinlehrer Michael Schäfftlein. Der nächste Termin, an dem Interessierte teilnehmen können, ist ist am Mittwoch, 20. November, um 15.30 Uhr im Spiegelsaal. Interessierte werden am Haupteingang der Schule abgeholt.

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