Serie „Hoch hinaus“

Kindelsbergturm: Bekanntes Wahrzeichen über Kreuztal hinaus

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Von der Aussichtsplattform des Kindeslbergturms in Kreuztal aus kann der Blick weit schweifen.

Von der Aussichtsplattform des Kindeslbergturms in Kreuztal aus kann der Blick weit schweifen.

Foto: Wolfgang Leipold

Kreuztal.  Der Kindelsbergturm in Kreuztal ist über die Krombacher Brauerei international bekannt geworden. Er ist ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel.

Das Erste, was der Autofahrer sieht, wenn er sich über die HTS kommend in großen Bögen der Stadt Kreuztal nähert, ist ein Turm. Weit ragt er aus den Bäumen des kegelförmigen Kindelsberges heraus , die riesige Antenne aus Metall lässt ihn noch höher erscheinen. Und der Reisende oder der in seine Heimat Zurückkehrende weiß: Nun bin ich im Siegerland.

Kindelsbergturm Kreuztal: Das ist die Geschichte

Ende des 19. Jahrhunderts gab es im Siegerland schon einige Aussichtstürme. Siegen hatte einen, Eiserfeld sogar zwei. Selbst das kleine Volnsberg konnte sich als Turmbesitzer bezeichnen, ebenso Hilchenbach mit dem Gillerturm. Und was machten die Kreuztaler? Sie beauftragten den Siegener Stadtbaurat Schepping, einen Aussichtsturm auf dem Kindelsberg zu planen, und zwar einen besonderen. Aus Stein und 22 Meter hoch und damit alle anderen Aussichtstürme überragend.

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1907 war der Turm nach knapp einjähriger Bauzeit fertig. Ochsen- und Pferdefuhrwerke hatten die Baumaterialien auf den Berg gekarrt. Die Kosten waren mit 21 000 Mark nicht gerade niedrig. Aber die Investition hatte sich gelohnt. Der Turm war so groß und so schön, dass die Krombacher Brauerei ihre Produkte mit eben diesem Bauwerk bewarb. Der Kindelsbergturm musste zwar schon nach 15 Jahren wieder grundsaniert werden – die Witterung hatte dem Mauerwerk stark zugesetzt – ,wurde aber immer mehr zum herausragenden Symbol des nördlichen Siegerlandes. Zumal 1949 ein Rasthaus angebaut wurde, das sich 1968 zu einem Berggasthaus im Blockhausstil mauserte.

Darum ist der Kindelsbergturm in Kreuztal ein beliebtes Wanderziel

Von Anfang an wurden der Kindelsberg und sein Turm zum wohl beliebtesten Wanderziel von Siegerländer Heimatfreunden und Vereinen aller Art. Viele Turn- und Sängerfeste fanden hier statt, zumal der Berg durch Wege aus einigen Himmelsrichtungen gut erreichbar ist. Diese Feste sind zwar Vergangenheit, nicht aber der Kindelsbergpfad, ein unterhalb des Gipfels beginnender Rundwanderweg von 14 Kilometern Länge, vorbei an zahlreichen alten und verlassenen, aber noch erkennbaren Gruben und Stollen.

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Relikte aus einer Zeit, in der hier nach Erzen geschürft wurde. Der bekannteste dieser Stollen, der Kronprinz-Friedrich-Wilhelm-Erbstolln, beginnt in der heutigen Kreuztaler Innenstadt und erstreckt sich bis weit unter den Kindelsberg. Noch weiter in die Vergangenheit zurück reichen die uralten Mauerreste einer Wallanlage unterhalb der Bergkuppe, die laut Expertenmeinung sogar in die vorrömische Eisenzeit der Kelten zurückreichen könnten.

Kindelsbergturm Kreuztal: Das sind die Bausünden

Die Bausünden begannen, als in den 1980ern die bis dahin offene Aussichtsplattform vergittert, überdacht und verglast wurde. Sendeanlagen und Antennen machten den Turm zwar einige Meter höher, aber damit nicht unbedingt schöner. Dass die Baumaßnahmen dazu dienten, die Sendequalität der Rundfunk- und Fernsehanstalten zu verbessern, mag ein nachvollziehbarer Grund für die bauliche Verunstaltung des Kindelsbergturms sein.

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Doch da später gerade mal 60 Meter entfernt ein neuer Sendeturm gebaut wurde, ist es höchste Zeit, den historischen Aussichtsturm wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen. Denn nach wie vor ist der Rundblick von der Aussichtsplattform unschlagbar. Das nördliche Siegerland scheint einem zu Füßen zu liegen.

Kindelsbergturm: Im Restaurant wartet der „Turmgeist“

Auf den Rückbau der Antennen hofft auch die Wirtin des Turm-Restaurants, das mit Terrasse, Biergarten und einer einladenden Speisekarte keine Gästewünsche offenlässt. Besondere Empfehlung: Zum schmackhaften Essen das Bier der Brauerei, deren Anlagen von hier oben wie kleine Spielzeuge wirken, und als Absacker den berühmten Turmgeist, einen Kräuterschnaps, der es buchstäblich in sich hat. Doch Vorsicht: Der Weg hinunter nach Littfeld oder Ferndorf ist lang und kurvig.

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Schon seit Jahren denkt der SGV, dem der Turm gehört, über die Zukunft der Anlage nach. Die Krombacher Brauerei steht als Pächter bereit, die Gespräche laufen.

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