Justiz

Kinder- und Jugendpornografie: Haft für Siegerländer Rentner

Das Siegener Amtsgericht verurteilt den Renter wegen

Das Siegener Amtsgericht verurteilt den Renter wegen

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   70-Jähriger nach drei Bewährungsstrafen zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er soll mehrere 100 Fotos und Videos besessen haben.

Das Unbehagen der Beteiligten im Siegener Amtsgericht ist mit Händen zu greifen. Einen 70-jährigen Rentner ins Gefängnis zu schicken, fällt niemandem leicht. Aber insgesamt 39 Fälle des Besitzes sowie der Weitergabe von kinder- und jugendpornographischen Dateien, insgesamt mehrere 100 Fotos und Videos, lassen Amtsrichter Uwe Stark und seinen Schöffen wenig Ermessensspielraum. Zumal der Mann bereits das vierte Mal deshalb angeklagt wurde, dreimal Bewährung bekam und das Gericht „nicht ein Quäntchen Hoffnung hat“, das er sich bessern könnte. Zwei Jahre und sechs Monate Haft ist das Urteil.

Selbst die dritte Verurteilung in gleicher Sache hat den Rentner nicht am Weitermachen gehindert. „Ich habe einen starken Sexualdrang“, ist die einzige Erklärung des Siegerländers, der alles zugibt und ansonsten keine Entschuldigung für sein Tun hat. Er habe die Bilder auch nur heruntergeladen und dann wieder gelöscht, sagt er und verdrängt offensichtlich, dass er in einem Chat unterwegs war und die Dateien an Bekannte weitergegeben hat.

Markt funktioniert durch Abnehmer

Der Mann wurde 2010, 2013 und 2016 verurteilt, steht in allen drei Fällen unter Bewährung. Bei dieser Vorgeschichte müsse er doch wissen, dass eine Haftstrafe die nächste Stufe sei, wenn er nicht aufhöre, so Richter Stark. Drängende sexuelle Impulse hätten andere auch „Es gibt doch aber genug andere Möglichkeiten. Warum lassen Sie das mit den Kindern nicht?“, wird der Jurist gewohnt deutlich und bekommt keine Antwort. Der Markt könne schließlich nur funktionieren, weil es Abnehmer für die Fotos und Filme gebe, wirft er dem Angeklagten vor.

Der Mann besucht seit 2014 eine Therapiegruppe der Bewährungshilfe, ist daneben noch in Einzelbehandlung bei einer Psychologin. „Wir haben das unzählige Male thematisiert“, der Angeklagte habe sogar schon „von Psychoterror“ gesprochen, bestätigt die Bewährungshelferin. Richtig tiefgehend habe er sich aber trotz allem nicht mit seinem Problem auseinandergesetzt. Eine positive Sozialprognose könne sie nicht stellen. Er sei mit einer Frau verheiratet, die selbst in ihrer Jugend Gewalt erfahren habe. Die Ehe sei problematisch. Wenn etwas passiert sei, verspreche er Besserung. Sonst komme wenig. Das sei wohl schon eine Art Sucht.

Missbrauch hinter jedem Foto

Die Staatsanwältin hält dem Angeklagten das Geständnis zu Gute, verweist aber vor allem auch auf die Hintergründe der Strafbarkeit: „Hinter jedem Foto steht ein echter Missbrauch!“ Sie beantragt insgesamt zwei Jahre und zehn Monate, Verteidiger Björn Lange kann angesichts der Beweislage wenig vorbringen und plädiert auf „eine angemessene Strafe“. Sein Mandant hofft „auf eine glimpfliche Strafe. Ich werde das nie wieder tun.“

Das Geständnis wird vom Gericht „hoch bewertet“ und führt letztlich zum Urteil leicht unter dem Antrag der Staatsanwältin. „Großen Spielraum hatten wir nicht“, bekräftigt Stark. „Ich weiß nicht warum“, sei keine Antwort, die dem Gericht viele Möglichkeiten für eine positive Prognose lasse. „Wir würden uns ja lächerlich machen, wenn wir ein viertes Mal Bewährung geben“, sagt Stark. Die vorherige Strafe eingerechnet, sei auf diese Weise zumindest sichergestellt, „dass er einige Jahre nichts mehr tun kann“.

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